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9. Oktober 2010

indiana jones der kulinarik trifft gemüsefetischist in istanbul


in der woche 1 nach der neuen online strategie des magazins (na ja, strategie...?) sehe ich mich nicht imstande, mit dem kopfschütteln aufzuhören.

aus anlass des bevorstehenden hauptdurchstichs am st. gotthard serviert uns das magazin eine preisgekrönte fotoserie von der tunnelbaustelle, geknipst von milo keller, der sein geld normalerweise als fotograf in der haute couture verdient und auch schon für nestlé abdrücken durfte, wie man im teaser ausdrücklich bemerkt. aber eigentlich interessiere er sich mehr für supertanker, staudämme, "grosse dinge" eben. mit welchem preis genau diese fotoserie ausgezeichnet worden ist, erfahren wir nicht. war es vielleicht ein voting bei flickr?

die serie besteht aus fünf bildern, die ich hier mal selbstbewusst als eher mittelmässig bezeichnen möchte. weitere bilder darf man aber via ipad app ansehen (siehe ausriss oben), ein klassischer mehrwert. den aber nur sehr wenige leserinnen und leser werden nutzen können. denn das tagimagi hat eine auflage von 530'000 und ipads gibts in der schweiz gerade mal 60'000. schätzen wir mal grosszügig die hälfte dieser ipad user als am magazin interessierte menschen ein, dann ist dieser online-mehrwert gerade mal für gut 5% der magazinkunden überhaupt erreichbar. und auch das nur gegen zusätzliche bezahlung. denn selbst abonnenten müssen bis auf weiteres chf 1.10 pro ipad-ausgabe bezahlen.

darüber haben sich viele tagimagikunden aufgeregt. die kommentare auf der magazin website und anderswo sind grösstenteils negativ bis gehässig. ich vermute, dass das magazin auch haufenweise mails von ungehaltenen abonnenten bekommen hat. immerhin steht in der neuesten ausgabe im editorial dieser text (dort stehen sonst SEHR selten solche sachen):


haha, "einige abonnenten"... öhm, würde mich mal interessieren, wieviel denn "einige" von ein paar hunderttausend sind.

keine frage, die vergabe von ein paar hunderttausend passwörtern für abonnenten von vier zeitungstiteln ist it-technisch kein spaziergang. ich bin mal gespannt, ob und wann und wie sie das hinkriegen (ohne dass das passwort schon jeweils am freitagabend rumgetwittert wird ;-).

wie auch immer, man wird den eindruck nicht los, dass sich tamedia erst jetzt, wo die reklamationen reinhageln, um dieses abonnentenproblem kümmert. denn es war ja für jeden juniormarketer absehbar, dass das die wenigsten kunden wirklich gut finden. wenn man die kundenschelte schon kommen sieht, könnte man ja von anfang an darauf eingehen. oder das passwortproblem vorher lösen. oder die paywall erst dann hochziehen, wenn das passwortproblem gelöst ist. ganz zu schweigen von einer iphone app und vielleicht noch einer android app, die man vielleicht gleichzeitig hätte anbieten können. ganz zu schweigen von den vielen kioskkäufern. gut, da kann man noch behaupten, man könne diese mit einem gratispasswort als neuabonnenten gewinnen. was aber angesichts der eher beschränkten technischen erreichbarkeit von nur gut 5% der zielgruppe (siehe oben) doch eher etwas dilettantisch anmutet.

noch schlimmer als die lamentohafte kundenansprache im heft ist übrigens diejenige online:

meine güte... drei ganze zeilen – an die abonnenten des "tages-anzeigers", eine so furztrockene kundenansprache (headline) sieht man wirklich selten. zudem ist sie irgendwie falsch, weil die abonnenten von bund, bz und baz einfach ausgeblendet werden. es fehlt die angabe eines zeithorizonts, der im heft ja genannt wird (einige wochen). dafür gibts eine dümmliche ausrede von wegen technischen gründen, von denen im print nicht resp. ganz anders die rede ist (siehe ausriss weiter oben). ziemlich lustlos hingeschlenzt ist das, so in der art "soll sich der kunde doch sein dämliches ipad irgendwohin stecken".

nun ja, dafür hat man, wie der chefredaktor ebenfalls im editorial mitteilt, einen neuen-alten-festen-freien mitarbeiter angeheuert. christian seiler aus wien, ehemals magazin redaktor und chefredaktor beim du. eine sog. edelfeder. er wird beim magazin künftig über essen schreiben, was ja bekanntlich die zweitbeliebteste tätigkeit des menschen sei, und, so der chefredaktor wörtlich, herr seiler werde den "india jones der kulinarik" geben. müssen sich edelfedern jetzt generell mit solchem unsinn ankündigen lassen?

der erste text (8 seiten) von indiana jones handelt heute vom "besten restaurant der welt". was ich für die vermutlich dümmste behauptung halte, seit es diese abgehobene und sinnentleerte schickimickijournaille gibt. wenn die von irgendwas sagen, es sei das beste der welt, kann das nicht seriös sein. ganz geil ist der lead:

Das momentan beste Restaurant der Welt bricht mit allen Manierismen der Spitzengastronomie – und wird so zur "moralischen Anstalt".

moralische anstalt? was auch immer damit gemeint ist, man fragt sich, was sie beim magazin wohl in den lead schreiben, wenns wirklich mal um eine art moralische anstalt geht und nicht um ein ganz normal gehyptes gourmetrestaurant in kopenhagen. statt den text von indiana jones zu lesen hab ich mir die website dieser moralischen anstalt angesehen. sie ist miserabelst. trotzdem kostet ein 7-gang menu im NOMA 140 euro, der passende wine course dazu 120. dieser besteht aus 7 gläsern unterschiedlicher weine, was nur neureiche prolls wirklich gut finden können. henusode – hauptsache die moral bleibt in der anstalt.

angekündigt wird übrigens noch, dass der indiana jones der kulinarik demnächst – achtung, kein witz – über einen gemüsefetischisten aus istanbul schreiben und im thailändischen dschungel den wok entmystifizieren wird. ist das nicht geil? den wok entmytifizieren... mit allen manierismen brechen... und der gemüsefetischist kommt aus istanbul. wahnsinn. da habt ihr eure leser (aka kunden) aber brutalstmöglich zugeteasert. da darf man wohl – als magazinleser der ersten stunde – brutalstmöglich zurückbloggen.

was auch noch auffällt diese woche im printmagi: keine leserbriefe. null. ist das ein sonderheft und ich habs nicht gemerkt? oder konnte man sich unter den vielen zuschriften zu dieser skurrilen ipad strategie einfach nicht für die passenden fünf entscheiden? oder haben sie sie einfach vergessen? oder abgeschafft? oder wie?

was ich nicht verstehe: wie kann man mit einer alten und wertvollen premium marke nur solchen unfug anstellen?

+ + + + +

update: ach ja, diese üble magazin-geschichte war ja auch noch.
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7. Oktober 2009

der neue tagesanzeiger ist eine enttäuschung


beim ersten durchblättern fand ich: der neue tagi ist eine enttäuschung. nach gut einer woche finde ich: der neue tagi ist eine enttäuschung.

im vergleich zu den erwartungen, die der verlag weitgehend selber hochgeschraubt hat, ist das resultat nicht nur mager, sondern stellenweise irritierend.

fangen wir vorne und oben an: der zeitungskopf wurde auseinandergerissen. das datum, die preise und die anderen verlagsangaben stehen jetzt links neben den teasern. damit wurde erstens die alleinstellung des zeitungskopfs aufgegeben, um zweitens mehr weissraum um die inserate zu schaffen. ob das für die glaubwürdigkeit eines qualitätsbrands gut ist, möchte ich bezweifeln.


der zeitungskopf ist auch typografisch nur suboptimal gelöst. die baseline ("die unabhängige ...") unter dem titel hängt seltsam verloren in der luft. das inserat auf der rechten seite ist in der 6. spalte linksbündig angeschlagen und hinterlässt damit in der rechten oberen ecke das gewisse nichts. der zeitungstitel ist zwischen den beiden inseraten nicht ganz in der mitte – vorher war er das. die seltsame platzierung dieser elemente stiften viel unruhe.

der kommentar wurde von der front auf die 2 verschoben. ein schock. warum das denn? wollte man nicht mehr analyse und einschätzung? und ist der platz auf der 2 ganz oben wirklich der richtige platz? wäre – wenn schon – die 3 als aufschlagseite (beim blättern sieht man zuerst die 3 und dann erst die 2) nicht viel besser gewesen? und: das kurzfutter in der freigewordenen spalte sorgt weder für tiefgang noch für unentbehrliche orientierung, sie macht die titelseite eher unruhig. kurz und gut: die verschiebung des kommentars nach hinten ist ein schritt in die falsche richtung.

die titelseite sieht jeden tag anders aus:


absicht oder unausgereiftes konzept? gewiss, ein redesign ist nicht am ersten erscheinungstag in stein gemeisselt, da kann in den ersten tagen durchaus eine feinjustierung vorgenommen werden. aber gleich jeden tag eine komplett andere titelseite? falls das wirklich als "ausprobieren" gedacht ist – bei mir kommt es irritierend an, irgendwie werd ich das gefühl nicht los, dass sie nicht wissen, was sie wollen.

es mag haarspalterisch sein, aber auch folgendes beispiel deutet auf ein unausgereiftes konzept hin:


am ersten tag erschien das blatt mit einem fettgedruckten und hässlichen datum, ab dem zweiten tag dann mit einer mageren schrift. solche typografischen details werden normalerweise in der konzeptphase geprüft und gelöst.

die typografie ist zu vorher ganz allgemein eine verschlimmbesserung. die titel werden fast überall an die obere begrenzungslinie angeschlagen, darunter viel weissraum und dann erst folgt der text. der titel ist näher am oberen text als am unteren, den er eigentlich betrifft. dieser seltsame umgang mit weissräumen ist doch etwas sehr geschmäcklerisch, einer sinnvollen leserführung dient er jedenfalls nicht, im gegenteil, er irritiert und ignoriert die sehgewohnheiten der leser.


strehle tut das in einem interview als geschmacksfrage ab und betont im interview bei roger schawinski (ab minute 45), das neue layout sei von zwei schweizer profis (alarm) gemacht worden und habe in der branche viel lob erhalten. wo bitteschön fand dieses lob statt? in privaten gesprächen mit befreundeten grafikern? unglaubwürdig.

meine vermutung: man will auf biegen und brechen anders sein als alle anderen und darum macht man es so, wie man es eigentlich nicht machen sollte. dass grafiker bisweilen sämtliche regeln der leseführung über bord werfen, nur um sich von anderen druckerzeugnissen abzuheben, ist nichts neues. dass ein verlag wie die tamedia darauf reinfällt aber schon.

auch die neue autorenzeile muss mit solchen eitelkeiten zu tun haben. war sie früher alleingestellt und gab dem autor ein gewisses gewicht, ...


... ist sie heute an den text angeklebt und sieht aus wie ein zwischentitel.


schön ist das nicht und logisch auch nicht.

dann hat es da auf gewissen seiten diese pastelligen balken, heute z.b. auf der seite 3 in zartrosa:


manchmal kommen diese balken, manchmal nicht. schaut man genauer nach, finden sie sich jeweils auf seite 2 und/oder 3 eines bundes. aber eben nicht täglich und nicht in jedem bund. was wollen sie uns sagen? spezialthema? meinungsseite? exklusiv? aaahhh... bei noch genauerem hinsehen kommt man der sache näher, es könnte sich um ein schwerpunktthema handeln und alles unter dem pastelligen balken gehört dazu. eine orientierungshilfe also. möglich, dass das andere leute sofort gemerkt haben. aber auch dieses detail hätte man besser lösen können.

soweit einige bemerkungen zur form. und der inhalt?

ich hätte mir gewünscht, dass sie die unsägliche rubrik "jetcetera" ersatzlos streichen. erstaunlich, dass das nicht geschehen ist. interessiert es den aufgeklärten qualitätszeitungsleser wirklich, mit wem weltfremde stars gerade rummachen oder wo sie gerade kinder shoppen?

und sonst? ja, es hat gefühlt etwas mehr längere texte und etwas mehr schwerpunkte. auf gute und grössere bilder wird sichtlich mehr wert gelegt. das tv programm scheint etwas "seriöser" geworden zu sein.– ansonsten ist alles beim alten. gefühlt.

was gänzlich fehlt ist eine art anbindung ans internet. die gedruckte zeitung tut so, als gäbe es sie online gar nicht. und umgekehrt. das finde ich ziemlich bedenklich.

unschön an diesem relaunch ist auch dies: tagi online wollte am ersten tag von den lesern wissen, wie der neue tagi gefällt. man konnte abstimmen und kommentieren. die kommentare sprudelten bis zur nr. 88, die meisten negativ – dann wurden sie gelöscht. das ist im hause tamedia nichts neues). die abstimmung steht da zwar noch, aber das resultat wird nicht mehr angezeigt. höseler, elende. so sagen wir solchen vorgängen im bernbiet.

insbesondere dann, wenn man den relaunch mit solchen inseraten begleitet und grossspurig interesse an der lesermeinung ins land trompetet:


in der talksendung doppelpunkt behauptete roger schawinski, 90% der onlinekommentare zum neuen tagi seien negativ gewesen und dann fragte er den tagi-co-chefredaktor res strehle, wie er mit dieser massiven kritik leben könne. seine antwort (ab minute 39) ist sehr erstaunlich – im wortlaut:

"die reaktionen im internet... ähm... sind... ähm... muss man relativieren... ähm... da ist eine gewisse bloggerszene, die vieles runtermacht... ähm... da bin ich nicht so beunruhigt...".

obwohl sich bisher kaum eine hand voll blogger mit dem tagi redesign überhaupt beschäftigt haben (dieser blogpost ist meines wissens der erste längere), sollen ausgerechnet die blogger all die miesen kommentare in die tagi website geschrieben haben. das ist lächerlich und inkompetent. herr strehle hat offensichtlich wenig ahnung, wer bei ihm online kommentiert, denn blogger sind es definitiv nicht. überhaupt: man höre sich dieses interview an und es behaupte noch jemand, da verbiege sich einer nicht bis zur unkenntlichkeit. es ist ein jammer.

fazit: der neue tagi ist eine riesige enttäuschung.
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24. September 2009

wo die medienkrise lebt und lebt und lebt


es ist quartierfest und der schreiner um die ecke hilft tatkräftig mit, wurststände und festbänke zu bauen. kommt der lokalreporter und fragt den schreiner: so, läuft ihre bude so schlecht, dass sie sich hier die zeit mit wurstständen vertreiben?

sowas in der art tat der qualitätsjournalist reto huntziker vom newsnetz mit frank bodin, einem der bekanntesten werber der schweiz. er fragte ihn: haben sie derzeit so wenig aufträge, dass sie zeit dafür haben? (für ein inserat gegen die minarett-initiative, siehe bild oben).

noch bescheuerter die frage: werber die politisieren – finden sie das in ordnung? der qualitätsjournalist reto huntziker unterstellt mit dieser frage, dass politisierende werber weniger okay sind als politisierende juristen, wirtschaftsbosse, professoren, schauspieler oder schreiner. was für ein unfug.

und der tiefpunkt qualitätsfreier investigation: für welche anderen politischen themen würden sie sonst noch werbung machen? – für den herrn vasella würde die entsprechende frage dann lauten: für welche anderen seuchen würden sie sonst noch pillen machen?

was für eine medienkrise.
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27. Juni 2009

wir sind qualität

ich fand es in der kulturszene der 80er und 90er immer etwas seltsam, dass sich die akteure als profi-irgendwas bezeichnen – als profimusiker, als professionelle theatertruppe, oder als hauptberuflicher schriftsteller. heute krankt die szene am gegenteil – fast jeder schreibt profilaktisch schon mal was von kunst (oder medien ;-) auf seine website.

egal – jedenfalls kommt es mir immer höchst suspekt vor, wenn jemand auf oberster obene (also etwa in der berufsbezeichnung) extra betonen muss, dass seine dienstleistung professionell ist. das hört man aus anderen metiers schliesslich auch nie. keiner nennt sich profikaminfeger oder qualitätsnotar.

das phänomen des selbstreferentiellen "ich-bin-der-beste-geschreis" hat mittlerweilen voll auf die medienbranche durchgeschlagen. google zeigt für den begriff "qualitätsjournalismus" 158'000 resultate, für profimusiker nur noch 85'000. und die grösste schweizer internet medienseite schreit es sogar zuvorderst/zuoberst auf ihrer website in die welt hinaus. mit ausrufezeichen.
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6. Juni 2009

3vor12 für finn canonica und andere edel-dau's

herr canonica, chefredaktor des tagimagi, über das ich in letzter zeit ein wenig viel schreibe, ich weiss, aber ich lese es nun mal seit meiner jugend und das ist gute 3 jahrzehnte her. aber so schräg drauf waren die dort noch nie, ich sags euch...

henusode. herr canonica also hat ja via persönlich.com verlautbart:

"Wir sollten uns allmählich Gedanken machen, ob es klug ist, qualitativ hochstehende Inhalte kostenlos anzubieten."

hätte er sich in den letzten jahren ernsthaft mit dem netz befasst, wie es als journalist in dieser position seine heilige pflicht gewesen wäre, würde er sich mit dieser frage kaum so hochkant blamieren. er hätte dann nämlich ev. selber herausgefunden, wie das netz tickt und er wäre vielleicht auch über eines der vielen blogpostings gestolpert, die diesen paradigmenwechsel in der medienbranche mit hocharätigen beiträgen begleiten.

alleine heute morgen bin ich über drei erstklassige artikel gestolpert, die die neue netzwelt auch für edel-dau's aus grossen verlagshäusern auf den punkt bringen:

1)
da wäre zuerst der hervorragende blogpost "warum bezahlinhalte nicht funktionieren" bei netzwertig.com. sinnigerweise ist dieser text wie für herrn canonica bestellt gestern erschienen. der autor marcel weiss begründet nachvollziehbar, warum das nachdenken über bezahlinhalte zeitverschwendung ist. chefredaktoren und verleger sollten statt dessen einfach mal das autorenbutton von weiss drücken, er dröselt da die komplexen funktionsweisen des web 2.0 nämlich regelmässig auf.

2)
im artikel von weiss meldet sich die medienjournalistin ulrike langer und verweist auf ihr posting "10 strategien für den journalismus 2.0". zum thema "hyperlokal denken" erzählt sie von einem coolen, gelungenen experiment:

Der Yorker Radiosender WNYC (public radio) rief im Oktober 2007 in einem von mehreren interaktiven ”crowdsourcing experiments” seine Hörer dazu auf, den Preis für eine Tüte Milch, ein Sixpack Bier und einen Salat in ihrem Laden um die Ecke zu ermitteln und kam so innerhalb von 24 Stunden auf 800 Einträge für eine interaktive Preisübersicht als Karte – ein Rechercheaufwand, den die Handvoll Journalisten des Senders niemals hätten leisten können, 800 interessierte Bürger aber ohne weiteres.

angesichts solcher innovationen im medienbusiness finde ich es schon irgendwie schräg, wenn herr canonica zur kürzlichen (stillschweigenden) ausknipsung von 2 jahrgängen an hochstehenden leserkommentaren lapidar meint:

"Kritik und Lob interessieren uns natürlich nach wie vor, jedoch scheint mir der gute alte Leserbrief die beste Form dazu."

für einen chefredaktor der grössten und renommiertesten wochenendbeilage der schweiz ist mir das zu wenig.

3)
das renommierte time magazine titelte gestern mit einem twitter-cover "how twitter is chanching the way we live":



falls das exemplar am kiosk von herrn canonica schon vergriffen ist, könnte er den höchst brisanten text auch online nachlesen. das problem ist nur, er mag das internet nicht.
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5. Juni 2009

canonica unter aller kanone

der magazin chefredaktor finn canonica hat zur streichung von mehreren hundert leserkommentaren aus den letzten zwei jahren stellung genommen. bei persönlich.com sagt er vorneweg:

"Wir haben schlicht nicht die Zeit und das Personal, um die Diskussionen auf unserer Webseite zu begleiten."

mit anderen worten: die haben einen dienst eingeführt, für den sie die nötigen personellen ressourcen nicht bereitgestellt hatten. für ein unternehmen wie tamedia ist das ein managementfehler unter aller kanone. wie kann so etwas passieren? im grössten medienhaus der schweiz? meine einschätzung: ignoranz, inkompetenz und beratungsresistenz.

sehr aufschlussreich auch dieser satz:

"Ich persönlich bin skeptisch geworden gegenüber den journalistischen Möglichkeiten im Internet. Das Gerede um die Möglichkeiten des Citizen Journalism begreife ich nicht."

voilà – er begreift es schlichtweg nicht, was die möglichkeiten des journalismus im internet sind. mit anderen worten heisst das: wir haben uns nicht damit befasst, wir haben keine ahnung von nichts, basta. kein wunder also, dass cannonica und seine edelfedern das netz als einschränkung statt als erweiterung ihrer möglichkeiten interpretieren.

das wirklich schlimme an der medienkrise ist, dass sich die medienbranche bisher herzlich wenig mit den möglichkeiten des internets befasst hat. dabei wäre diese branche von ihrem wesen her die erste, die sich damit hätte befassen müssen. seit jahren sprechen die fakten eine klare sprache, seit jahren ist – selbst für den interessierten laien – erkennbar, dass grosse teile des klassischen geschäftsmodells von verlagen wie tamedia ins internet abwandert.

da erstaunt diese aussage des herrn chefredaktors doch sehr:

"Wir sollten uns allmählich Gedanken machen, ob es klug ist, qualitativ hochstehende Inhalte kostenlos anzubieten."

allmählich? ich hab schon immer gesagt: die zürcher sind die besseren berner. wenn sich aber herr canonica und seine tamedia erst jetzt und erst allmählich gedanken dazu machen, dann sehe ich schwarz. 2007 alle inhalte ins netz stellen und sich 2009 allmählich gedanken dazu machen – wie schräg ist das denn?

wer das netz begreifen will, muss es benutzen. wer wie finn canonica seinen twitter account schon nach wenigen wochen wieder hinschmeisst und nicht mal den ehrgeiz hat, das ding richtig aufzusetzen (z.b. mit einem link zur eigenen seite), hat null chancen, twitter auch nur ansatzweise zu begreifen. wer nicht selber bloggt oder zumindest intensiv in blogs mitliest, wird nie kapieren, wie das mit links und trackbacks und rankings etcpp. wirklich läuft.

soweit so schlecht. die paranoide komplettverweigerung der medienbranche gegenüber den möglichkeiten des internets ist ein sehr seltsames phänomen, irgendwie absurd.

aber neben der internetkompetenz ist bei cannonica noch eine andere tugend – ohne die es im netz auch nicht geht – total abwesend: anstand. cannonica hat einige hundert leserkommentare und eine unbekannte anzahl leseraccounts einfach ausgeknipst. kein wort dazu auf der website, kein mail zur information an die inhaber der accounts. arroganter gehts nun wirklich nicht mehr. und dann die kommentatoren auch noch mit diesem satz in die pfanne zu hauen, ist unter aller sau:

"Kommentare zu Artikeln auf dem Web sind manchmal sehr "dahingerotzt", oft wird gar nicht auf den Artikel eingegangen."

kein wort davon, dass es auf der tagimagi website neben den wenigen solchen kommentaren (die es überall gibt) mehrheitlich beiträge hatte, die von engagierten lesern ernsthaft und mit einigem zeitaufwand gepostet wurden. die qualität der postings war eindeutig überdurchschnittlich. alle diese kunden haut er jetzt einfach mal in die rotzpfanne. ähnlich arrogant ist er schon im februar 2008 aufgetreten, als er die sog. leserbeteiligung auf die gleiche weise ausknipste. wer da mehr rotzt, canonica oder seine leser, möge jeder für sich entscheiden.

ich jednefalls wette eine kiste edelzwicker, dass solche journalisten und verleger in spätestens 5 jahren in der bedeutungslosigkeit verschwunden sein werden. arroganz und fachliche inkompetenz sind keine grundlage, um im neuen medienzeitalter zu überleben.

+ + + + +

siehe auch den beitrag beim medienspiegel.
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1. Juni 2009

das magazin kippt die kommentare weg

vor fast genau zwei jahren startete das magazin in ein neues webzeitalter: man stellte ALLE artikel online, MIT kommentarfunktion und MIT einem angebot, die leser zu beteiligen und sie selber artikel schreiben zu lassen. diese leserbeteiligung wurde dann schon im februar 2008 klammheimlich von einem tag auf den andern wieder gekippt, was in einigen blogs verwundert zur kenntnis genommen worden war.

nun scheint es, dass das magazin auch die kommentare gekippt hat. anders kann ich es nicht interpretieren, dass die kommentarfunktion in der neuesten ausgabe fehlt und in den alten ausgaben alle kommentare weg sind. ein bug kann das ja nicht sein.

einmal mehr entpuppt sich die redaktion des magazins als extrem unsensibel gegenüber seiner leserschaft. unzählige menschen haben in den letzten zwei jahren z.t. hochstehende kommentare in diese website geschrieben, die jetzt alle weg sind. und wie schon bei der versenkung der leserbeiträge im februar 2008 lässt sich die redaktion auch jetzt nicht dazu herab, auf der website oder im editorial der printausgabe oder sonstwo dazu eine erklärung abzugeben.

ich hatte immer den eindruck, dass die nutzung der kommentarfunktion nie so recht der riesigen auflage von 500'000 ex. mit 640'000 lesern entsprochen hat. das hat sicher mehrere gründe, einer der wichtigsten ist wohl der, dass die redaktion nie mit den lesern resp. den kommentatoren kommuniziert hat. man wird den eindruck nicht los, dass die edelfedern sich erstens partout nicht dazu herablassen möchten, mit dem gemeinen leser in einen online dialog zu treten (ausserdem gibt das zu tun) und zweitens auch noch nicht richtig kapiert haben, wie man das anstellen könnte. der twitter account des magazin chefreaktors ist jedenfalls völlig dilettantisch aufgesetzt (es gibt nicht mal einen link zu seinem eigenen blatt) und liegt da seit wochen unbenutzt herum. für einen chef eines so grossen titels ist mir das doch ein wenig zu wenig internetkompetenz.

wie auch immer – wenn das magazin schon entscheidet, die kommentare abzuschalten, dann wäre es das mindeste, dies der leserschaft in einem angemessenen rahmen mitzuteilen. dass sie darüber hinaus auch noch alle alten kommentare einfach wegmachen, ist eine grobfahrlässige entgleisung. immerhin konnte man da nicht einfach was reinschreiben, sondern man musste einen account erstellen. auch das ist alles weg, no more login button in da house man....

wer so arrogant mit dem content seiner kunden umgeht, wird die kurve ins neue medienzeitalter nicht schaffen. darum gehört finn cannonica als chefredaktor des magazins ersetzt. und ein paar stoisch ausharrende weitere nonliners in dieser redaktion ebenfalls.
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3. März 2009

das letzte bei newsnetz

einen weichschnäbeler und besenkammerrammler als "der letzte mann" zu bezeichnen, ist erstens eine beleidigung für alle echten kerls auf dieser welt und zweitens ein neuer tiefpunkt in der unsäglichen vertrashung des medienkonzers tamedia. aber die verkaufen uns ja auch die übernahme von edipress als fusion.

mich wundert da gar nix mehr.
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20. November 2008

ausgebloggt oder ausgezauggt?

meine kleine replik zum neuesten versuch aus dem hause tamedia, blogs schlecht zu reden, diesmal vom famosen kolumnisten thomas zaugg (tataa …) aka zauggomat (tataa …):

man kommt um den eindruck nicht herum, als würden sich die tamedia redaktionen das thema “blogs” als eine art bashingstaffette weiterreichen. ich bin gespannt, welcher titel als nächstes ran darf. dürfte ich wünschen, dann bitte in der schweizer familie, damit auch meine tante endlich weiss, dass alle blogger inkl. dieser leuenberger sonderbare schräglinge sind.

ich habe ehrlich gesagt nicht so recht verstanden, was sie uns hier eigentlich sagen wollen. dass sie mit den begriffen irgendwie ein puff anrichten, muss was mit ironie zu tun haben oder sonst einem kolumnistentrick.

aber wenn sie hier “bloggen” und “etwas-in-facebook-reinschreiben” miteinander gleichsetzen, dann ist das auch mit viel ironie noch immer grundfalsch und sie stiften damit mehr verwirrung statt aufklärung. denn ein social network wie facebook und ein weblog sind doch grundverschiedene anwendungen, oder?

wenn schon müsste man für das, was man in facebook u.a. auch noch reinschreiben kann, den begriff “microblogging” verwenden. aber so eine differenzierung würden ihre leser noch weniger verstehen, jedenfalls die meisten. genausowenig wissen ihre leser etwas über hyperlinks und darum dürfen sie sich auch darüber lustig machen, wenn auch etwas gar angestrengt. (auch sie werden sich mit diesen vermaledeiten links schon bald mehr befassen müssen, als ihnen lieb ist.)

ich habe übrigens von ihrer zauggomat kolumne ganz generell den eindruck, dass sie sich über die errungenschaften und die entwicklung im internet viel lieber lustig machen als ihre weitgehend nichtsahnenden leser darüber aufzuklären, was da gerade abgeht, was das potential ist und was das alles für konsequenzen haben wird – gesellschaftlich, wirtschaftlich, kulturell, sozial, etcpp.

zugegeben, information und aufklärung ist nicht unbedingt die erste kernfunktion einer kolumne. aber ihr ständiges belächeln und veräppeln der digitalen entwicklung wird derselben hinten und vorne nicht gerecht. übrig bleibt zu oft der eindruck, dass sie das alles viel weniger ernst nehmen, als es wirklich ist. und viel weniger davon verstehen, als sie vorgeben.

ein untrüglicher hinweis auf diese diagnose ist auch ihre katgorische weigerung, in medienblogs zu lesen. damit entziehen sie sich der auseinandersetzung mit den existentiellen veränderungen, die ihrem berufsstand gerade bevorstehen. leider ist das sehr typisch für ihre gilde, was u.a. den mangel an journalisten erklärt, die die medienkonvergenz gut erklären könn(t)en. das tun aber bisher fast ausschliesslich blogger. (schon mal göldi gelesen, herr zaugg?)

insofern ist ihr erstes posting als blogger voll in die hosen gegangen. insbesondere auch deshalb, weil weder die print- noch die online ausgabe des magi ein blog sind. zumindest vorläufig noch nicht.

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17. Oktober 2008

productplacement bei 20min

super, frau toloy, sie machen das ganz gut. sie sind eine gute miss schweiz. sie setzen sich auf jedes noch so schepps in ihre wohnung gestellte sofa. ich hoffe, dass sie dieses teure ding nicht das ganze jahr rumschleppen müssen. oder es wenigstens behalten können.

gar nicht super macht ihr das, 20min, plumper kann man es nicht mehr machen. das sofa steht so schepps im raum, dass noch der letzte einrichtungsmuffel merkt, dass es da nicht hingehört.

und natürlich müsst ihr es noch von der rückseite zeigen, wo die krasse fehlverortung noch deutlicher wird:

klarer fall von productplacement, wenn auch schuderhaft plump gemacht. die frage, ob das den standesregeln der medienbranche noch gerecht wird, erübrigt sich. diese regeln werden heutzutage immer mehr verletzt. erstaunlicherweise selbst von ehemaligen qualitätsverlagen wie z.b. der tamedia. wie z.b. auch dieser fall zeigt.
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31. Januar 2008

das magazin: ende der leserbeteiligung


schon bemerkt? – "das magazin" hat seine website umgestellt. wegen mir. aber jetzt mal schön der reihe nach.

die geschichte ist etwas kompliziert, aber eine typische bloggergeschichte. "das magazin" lehnte vor drei wochen inserate der erklärung von bern EvB ab. die woz schrieb zuerst darüber, persönlich.com und die werbewoche nahmen die story auf – und ich auch. ich schrieb was in meinem blog hier. den gleichen eintrag postete ich auf der magazin-site. diese ist seit einigen monaten als sog. kollaborationsplattform angelegt, leser können eigene texte einstellen und bestehende kommentieren. für einen schweizer verlag ein sehr innovatives projekt, das bei seinem launch sowohl bei den onliners wie auch in gedruckten medien viel beachtung und lob fand.

da ich also schon einen account hatte dort, postete meine kritik logischwerweise auch auf dieser mitmachplattform. nur war dann das ding nirgends zu finden. vor allem nicht in der entsprechenden rubrik auf der frontpage, wo seit wochen immer der gleiche artikel angezeigt wurde, was auf eine eher lahme kollaboration hindeutete. auf ein mail an die redaktion kam keine antwort. also postete ich nochmals was in meinem blog. und schrieb ein weiteres mail an den chefredaktor finn canonica. es kamen dann zwei antworten. eine von ihm und eine von einer redaktorin.

der chef meinte, wenn ich was an die redaktion geschickt habe, dann könne das dauern, was irgendwie ein trauriges eingeständnis ist für so einen laden. und mit der entfernung der website habe er nichts zu tun, aber er werde sich drum kümmern. etwas später meldet sich eine redaktorin mit der info, auf der front würden nur die meistgelesenen artikel angezeigt und darum könne man den meinen nicht nach vorne schieben. – aha, nur die meistgelesenen. na ja, ich hatte schon immer den eindruck, dass dieses kollaborationsportal irgendwie nur halb fertig ist. zumindest was die usability betrifft.

herr cannonica äusserte sich auch zur von der woz falsch kolportierten und in den beiden medienportalen weiterverbreiteten geschichte, aber davon später. nach einem weiteren tag meldet er sich wieder und schreibt:

Ich werde mich bemühen, Ihre Kritik zu platzieren - jedoch mit meiner Antwort.

toll. ich war gespannt, wie er das dramaturgisch hinkriegt und freute mich auf einen kleinen online diskurs. und schrieb ihm zurück:

hab jetzt erst begriffen, dass auf der front nur die meistgelesenen texte angezeigt werden und dass man da im titel die restlichen aufrufen kann. ist usabilitymässig eher suboptimal, da man den titel kaum anklickt und davon ausgeht, das die dort gelisteten die neuesten texte sind.

und dann passierte es: die ganze rubrik "leser schreiben" war plötzlich weg. einfach weg. completely. ich bilde mir natürlich ein, dass das wegen mir geschehen ist. die wussten schlicht nicht, wo sie meine frontalkritik versorgen sollen und strichen darum gleich die halbe kollaborationsbühne kurzerhand aus dem programm. radikalmöglichst. das könnte mein blog ganz schön ins gerede bringen: blogger erzwingt online-redesign beim magazin. oder: winzblogger kippt mitmachweb beim magazin. boah, die reinste trafficbombe.

gut, vielleicht wollten sie eh umbauen. der kollaborationstraffic war ja auch eher mau. und so eine seite ist eigentlich nie fertig. man kann immer was rumschrauben. aber man stellt sich eben vor, dass ein umbau einer so renommierten site, in der das zentrale kollaborationselement weggekippt wird, zumindest eine kleine redaktionelle bemerkung verdient hätte.

immerhin ist dasmagazin.ch aus dem hause tamedia mit hehren ansprüchen an den start gegangen:

Wir hoffen auf zahlreiche Leserbeiträge in den Bereichen Kommentar, Informationszulieferung und Leserbeiträge, die die Printausgabe als Endprodukt noch lebendiger, informativer, aufregender machen.

hm... vor drei tagen hab ich wieder beim chefredaktor nachgefragt:

ähm... jetzt ist das leser-schreiben-dingens ganz weg. bleibt das jetzt so? wenn ja warum?

keine antwort bisher. vermutlich sind sie extrem mit dem umbau beschäftigt. oder am krawatten ausprobieren.

oder vielleicht sind sie gerade an einem web 2.0 seminar.

+ + +

ps: der vollständigkeit halber hier noch die oben erwähnte replik von chefredaktor finn cannonica:
Der Woz-Artikel ist bedauerlicherweise nur halb richtig. Mein Kommentar "Das ist mir zu pubertär" bezog sich auf die erste Variante des Inserates, welches man mir zur Begutachtung vorgelegt hat. Die erste Variante lautete:" In diesem Magazin stinkt es gewaltig." Die Werbeagentur der EvB fand das lustig, ich fand das eben nur "pubertär". Welcher Chefredaktor würde zulassen, dass seinen Lesern gesagt wird, es stinke in dem Heft. Darauf kamen die Verantwortlichen der EvB mit einer zweiten Variante, die dann kleine Korrekturen von Seiten der Anzeigenverantwortlichen der Tamedia gemacht wurden. Da habe ich kein Wort mitgeredet. Dies alles habe ich der WOZ-Journalistin erklärt, sie hat es dann aber so zusammengebaut, wie sie es gerne haben möchte. Auch ist es absurd, in diesem Fall von Zensur zu reden, wir haben das Inserat ja gedruckt. In der Tat gibt es allerdings die Zensur: So weigere ich mich zum Beispiel, Inserate der Sexindustrie (Beate Uhse) und der Pelzindustrie zu drucken. Auch das hätte die WOZ schreiben können, so habe ich es der Journalistin auch gesagt. Aber vielleicht ist dies der Unterschied zwischen WOZ und DAS MAGAZIN.
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21. Juni 2007

endlich: facts deleted


endlich ist dieses blöde heftli weg – ist man versucht zu sagen. es war ein durch und durch suboptimaler titel. schon immer. weder guter mainstream noch ein hauch von tiefe waren da auszumachen. ich kaufte mir als medienjunkie alle paar monate ein heft und das wars dann. es hatte irgendwie nichts zwingendes. nach keinem der unzähligen relaunches.

ganz zu schweigen von den unsäglich platten werbekampagnen, die man in den letzten jahren aus diesem haus an den kopf geknallt bekam. zuletzt mit grimmig dreinblickenden miezen (bild oben). keine ahnung, wie diese zielgruppe heisst, aber man mag ihr nicht angehören. und dann dieser tingler. degoutant. man hatte den eindruck, die holen ihre kolummnisten aus castingshows.

abgesehen vom ohnehin sehr eigenartigen gebahren in den teppichetagen solcher verlage war die besetzung von EINEM chefredakteur für facts UND sonntagszeitung der absolute hammer. das ist als wenn alonso am donnerstag auf mercedes trainiert und im ferrari am sonntag das rennen gewinnt. oder wenn polo hofer auch noch bei züri west singen würde. es hört einem gar nicht mehr auf mit kopfschütteln.

und die entlassenen schurnis? die onliners unter ihnen werden in neuen tamedia-projekten unterkommen. die andern wechseln in die pr. oder zu sonst einem weichspüler-projekt, von denen ja etliche angesagt sind. dort können sie das gleiche machen wie vorher.