30. Dezember 2008

26. Dezember 2008

ethnologische einführung in youtube



das phänomen youtube in einem spannenden und unterhaltsamen vortrag (engl., 55') von michael wesch, dem autor von "The Machine is Us/ing Us".

wer was mit medien macht: gucken.

via bernd röthlingshöfer
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elie wiesel: geld weg, glaubwürdigkeit weg

die elie wiesel stiftung hat ihr gesamtes vermögen beim wallstreet broker und grossbetrüger bernard l. madoff verloren.

wie bitte? der friedensnobelpreisträger elie wiesel hat bei madoff mitgepokert? elie wiesel ist immerhin eine der angesehensten moralischen instanzen, seine weltberühmte stiftung kämpft gegen intoleranz und ungerechtigkeit.

wie soll das gehen? gegen ungerechtigkeit kämpfen und sein geld hintenherum in einer kasinoklitsche anlegen, die zwar maxi profit, aber mini transparenz bot und deshalb auch von halbwegs kritischen geistern gemieden wurde.

jetzt ist nicht nur wiesels stiftungsvermögen weg, sondern auch seine glaubwürdigkeit.
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17. Dezember 2008

schweiz: das doofste volk der welt?

der journalist fred david, seit 40 jahren am puls der zeit, zeichnet ein düsteres bild der schweizer medienlandschaft und ihrem umgang mit dem finanz tsunami: lesebefehl.
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11. Dezember 2008

woz: nonsens furioso an der ubs gv


sehr witzig: die woz ist aktionärin der ubs und hat an einer gv einen auftritt gehabt. und was für einen – grandios. (gut, an der kameraführung müssen sie noch arbeiten).

via ugugu, wo herr akles kommentiert: Es ist schon tragisch, dass die WoZ zurzeit die beste Wirtschaftszeitung in der Schweiz ist. Aber es ist so.
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ärger für politblogger in der provinz

zwei jungpolitiker, zwei blogger, in zwei kleinstädten in der schweizer provinz, beide in der gleichen partei. der eine ist stadtratspräsident (parlament) in der einen stadt, der andere war kandidat für das gemeindepräsidium (exekutive) in der anderen, kleineren stadt.

der stadtradtspräsident der etwas grösseren stadt schreibt über den wahlkampf in der kleineren stadt und macht dabei eine etwas danebengeratene bemerkung über den wiedersacher seines genossen. dieser wurde erwartungsgemäss nicht gewählt, er war von anfang an ohne chance (zu jung, falsche partei). jedoch ist es in dieser kleinstadt üblich, dass der unterlegene kandidat vize wird. aber auch daraus wurde nichts, schliesslich habe er in seinem blog auf die beleidigung des andern hingewiesen und sei deshalb als vize unwählbar. sagte die mehrheit.

soweit die geschichte in kürze. was lernen wir daraus? es kann mit einem blog schnell mal was in die hosen gehen. vor allem als bloggender politiker steht man quasi sofort unter dem radar der gegner und der medien. da man als blogger manchmal einfach schreibt, was andere nur am stammtisch rumflöten, kann das konsequenzen haben.

der fall zeigt auch, dass ein bloggender politiker in einer alpenvorländischen kleinstadt mehr verwirrung stiftet als etwa in zürich. in zürich wäre der gleiche fall nach einem kleinen disput vom tisch gewesen, in der tiefen provintz sorgt er für einen handfesten eklat.

dem gegenüber steht die kürzliche erfahrung des stadtratsrpäsidenten, der in seinem blog eine völlig missratene kommissionssitzverteilung (und die überzogenen forderungen der gegenseite) öffentlich gemacht hatte. die medien nahmen seine infos auf, die gengenseite spürte den gegenwind und gab nach. ein handfester erfolg für den blogger.

auch diese bloggergeschichte wäre aber in zürich so kaum passiert, weil dort solche politspiele unter grösserer medienbeobachtung stehen als in der provintz, wo die lokalen medien den politgranden schon seit jahren nur noch spärlich ins korn fahren. dementsprechend haben politikerblogs in der provintz mehr wirkung – sowohl im guten wie im schlechten.
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8. Dezember 2008

support a dau


der staat solls jetzt richten. er gibt jetzt ganz viele milliarden aus für eine bank und auch ein paar für die konjunktur(spritzen). noch vor wenigen monaten selbst für hartgesottene vorausschauer ein undenkbares szenario. es ist wie es ist (und das ist gut so).

konjunkturspritzen? wo die infusionen gesetzt werden sollen, da gehen die meinungen naturgemäss weit auseinander. sie reichen von sbb bis energieeffizienz, von gebäudesanierungen bis lawinenverbauungen, von krankenkassenverbilligungen bis familienzulagen.

ich hätte auch noch einen vorschlag: informationsgesellschaft.

was tut eigentlich der staat für die förderung der informationsgesellschaft? – der schweizerische bundesrat (= regierung) hat im januar 2006 seine strategie für eine inormationsgesellschaft revidiert und zwei grundsätze definiert:

• Zugang für alle: Alle Einwohner/innen der Schweiz sollen chancengleichen Zugang zu den Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) erhalten, um sie ihren Bedürfnissen entsprechend nutzen zu können.

• Befähigung aller: Der technische und inhaltliche Umgang mit den IKT soll eine Grundkompetenz des täglichen Lebens sein. Das lebenslange Lernen aller gehört zu den Grundpfeilern der Informationsgesellschaft.

der hammer, oder? zugang für alle, befähigung für alle – unglaublich. steht aber so auf der website der eidgenossenschaft.

und zwar nicht irgendwo, sondern in den "Indikatoren als strategische Führungsgrössen für Bundesrat und Parlament". von diesen indikatoren/führungsgrössen, gibt es über 100 und 15 davon sind sog. übergeordnet, die grossen kisten in der regierungsarbeit halt: bildung, forschung, verkehr, steuern, sozialquoten, etc.

soweit so gut. – das problem ist, dass ein bundesrätliches szenario, wie man die oben stehenden grundsätze umsetzen könnte, schlichtweg fehlt. siehe auf der website ganz unten unte, dort heisst es unter dem titel "zukünftige entwicklung": "es existieren zur zeit keine szenarien." hm... vermutlich dachte sich der bundesrat damals: kein handlungsbedarf, wir sind in sachen internet eh schon führend.

zurück zu den milliardenschweren programmen. kaum ist mir der gedanke von einer konjunkturspritze in die informationsgesellschaft gekommen, serviert wereliwer ein solches programm? genau, herr obama. wenn der president elect die gleiche idee hatte wie ich, hüstel, kann sie so falsch nicht sein.

der schweizerische bundesrat hat die sache bereits in die bereiche zugang und befähigung unterteilt.

zugang

die schweiz ist eines der best verdrahteten länder überhaupt. kann man da noch was besser machen? sicher. man könnte z.b. gratis internet im gesamten öffentlichen verkehr einrichten (und nicht nur in der 1. klasse), die produktivität der pendelnden bevölkerung würde gesteigert. man könnte den öffentlichen raum mit wlan ausstatten (inkl. hotels, restaurants, parks, etc.). man könnte ferner die preise für netzzugänge verbilligen oder gleich ganz abschaffen. sicher gibt es noch viele ansätze für die verbesserung von "zugang für alle", vor allem an schulen und arbeitsplätzen.

befähigung

bei der internetkompentenz gibt es lücken an allen ecken und enden. bei vielen menschen hört die internetkompetenz ja schon beim anhängen eines fotos an eine mail auf. man könnte also ein programm "support a dau" aufgleisen, das die internetaffine bevölkerung dazu animiert, sich einen dau zu krallen und ihn/sie ein jahr zu supporten und zu coachen. belohnung: ein jahr gratis internet zu hause. nur mal so als idee dahergeschlenzt.

welche ansätze für eine konjunkturspritze in die informationsgesellschaft wären sinnvoll? ideen? meinungen?
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5. Dezember 2008

finanzkrise: wo ist das geld geblieben?

die meist gestellte frage dieser tage wird in der zeit bestens erklärt*.

und hier hats ein langes interview mit dem zeit chefredaktor giovanni di lorenzo, der jedes wochenende sein büro lüften muss, weil er am freitagnachmittag immer sitzung mit helmut schmidt hat (herausgeber und alt bundeskanzler), der das chefredaktorbüro jeweils vollzuqualmen pflegt.

* via ugugu
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der schiffsschreiber


die beliebtesten literaturpreise, bei den autoren, sind die sog. stadtschreiber. ein dichter wird in eine stadt eingeladen, kriegt eine schöne wohnung, ein gutes taschengeld, und muss nichts als ein paar mal lesen. er kann in dieser zeit schreiben, muss aber nicht. die meisten tun es trotzdem. sonst wären sie ja nicht dichter.

peter bichsel, der grosse altmeister der kleinen form, hat 1981/82 die wohl renommierteste stadtschreiberstelle innegehabt, nämlich die in frankfurt (neben autoren wie grass, muschg, jandl, dürrenmatt, etc.). entstanden ist dabei das wunderbare büchlein "derleser, das erzählen: frankfurter poetik-vorlesungen". (sehr zu empfehlen für alle, die was mit schreiben machen).

das prinzip des stadtschreibers wurde jetzt erstmals von einer reederei auf ein kreuzfahrtschiff umgelegt. und zwar nicht auf einem dieser halligalli-pötte, sondern dem luxusliner schlechthin: der ms europa. das einzige kreuzfahrtschiff der welt, das zum neunten mal in serie mit 5 sternen dekoriert wurde, das grösste platzangebot pro gast bietet und maximal 408 passagiere mitführt. first class bis zum abwinken.

der schriftsteller matthias politicky hatte das seltsame, aber extrem reizvolle vergnügen, auf diesem traumschiff den schiffsschreiber zu geben. ein halbes jahr lang, in 180 tagen rund um die welt. first class. (man beachte auf der website des autors dieses bombastische routen-tagebuch). – hallo hapag loyd, ich würde das auch gern mal machen, könnte schon morgen loslegen, ihr habt ja internet.

politicky jedenfalls hat einen schelmenroman daraus gemacht: in 18 tagen um die welt: das logbuch des herrn johann gottlieb fichtl. von dem elke heidenreich sagte, das sei ein extrem amüsantes (zum schief lachen) und sehr entlarvendes kuriositätenkabinett von grosser klasse. der zu 100% in einer hochexklusiven nautischen top location spielt. klar, dass der bugsierer dieses buch sofort bestellen wird, um zu gucken, was der kollege so meint über das first class leben auf see. (na ja, von wegen kollege, hüstel, ich war nur auf einem frachtschiff rund um dänemark und zu einem roman hats auch nicht ganz gereicht ;-).

man könnte sein buch auch ohne elke heidenreichs empfehlung kaufen, denn es ist im führenden verlag für nautische literatur herausgekommen, dem mare verlag in hamburg, da kann man als eicher von echoloten blindlings alles kaufen. dessen gründer und chefredaktor ist übrigens sinnigerweise ein schweizer namens nikolaus gelpke. sein paradepferd ist die wunderbare zeitschrift "mare, die zeitschrift der meere". ein spannendes gespräch mit ihm gibts bei focus/drs3 (was für aufs iphone, matrosen ;-)

der letzte nautische stoff übrigens, den wir uns hier neben dem echolote eichen gegönnt haben, war der hier – kann man auch nur rühmen.
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4. Dezember 2008

umfrage wegen braunen kindsköpfen gescheitert und beendet

tja. :-(

die umfrage ist leider von braunen kindsköpfen zerschossen worden. ich habe von anfang an geahnt, dass es so kommen könnte. vielleicht war es naiv, es trotzdem zu versuchen.

sicher ist: ich habe mit doodle das falsche tool ausgewählt. ich habe nicht damit gerechnet, dass auf einer umfrage, die ich erstelle, jeder die kommentare löschen kann. wo gibts denn sowas? man kann auch die kommentarfunktion nicht ausschalten (was in diesem fall sehr praktisch wäre). und es kann sogar jeder einen eintrag ändern. und man kann beliebig oft abstimmen. man kann die umfrage auch nicht stoppen und stehen lassen. man kann sie nur löschen oder weiterlaufen lassen. und das widget steht auch irgendwie schepps in der landschaft.

keine ahnung, ob diese seltsamen nichtfunktionen gewollt so angelegt sind, aber erwarten (und abchecken) tut man sowas ja nicht unbedingt.

henusode. ich erkläre hiermit die umfrage als beendet und gescheitert. ich lasse sie aber noch so stehen und gezwungenermassen weiterlaufen, damit sich alle ein bild machen können.

schön ist: in den kommentaren hier im blog hat sich eine hochstehende diskussion entwickelt, in der man viel lernen kann. danke dafür.
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2. Dezember 2008

umfrage in schweizer blogs: soll svp hardliner ueli maurer in den bundesrat?


ich persönlich finde: ueli maurer ist nicht wählbar. und auch kein anderer svp hardliner. die argumente sind bekannt.

da wir blogger einen bloggerkollegen im bundesrat haben (wir sind genaugenommen das einzige medien genre mit einem vertreter im bundesrat), würde es mich interessieren, was die schweizer blogger und ihre blogleser dazu meinen.

um das herauszufinden, habe ich beim einzigen weltweit erfolgreichen schweizer web 2.0 dienst doodle eine entsprechende umfrage online gestellt. du kannst zu dieser brisanten frage aus einem range von "geht gar nicht" bis "aber sicher" auswählen. und einen kommentar dazu hinterlassen.

die idee wäre jetzt, dass möglichst viele schweizer blogger ihre leser bitten, ihre meinung kundzutun. und zwar alle am gleichen ort – in dieser einen umfrage. so können alle, auch die parteien der bundesversammlung (die ich informieren werde), den stand der umfrage einfachst mitverfolgen.

wäre doch schön, wenn wir blogger ein paar meinungen zusammenkriegen – als kleine entscheidungshilfe für die bundesversammlung. ein wink from the voice of blogistan quasi.

so gehts:

hier gehts direkt zur umfrage

dauer: bis 24 stunden vor der wahl.

kommentare in der umfrage: unflätige einträge werden gelöscht.

fordere deine leser auf, ihre meinung zu sagen und sag selber deine meinung.

umfrage einbetten: du kannst die umfrage in dein blog einbetten. entweder mit dem offiziellen doodle widget, den code dazu findest du in der umfrage unten rechts (umfrage einbinden). und/oder mit obigem 2minuten-self-made-banner (copy/paste).

anregungen: bitte gerne, in den comments oder an bugsierer@gmail.com

bitte weiterbloggen, mailen, smsen, iphonen, bookmarken und was der kanäle mehr sind. je mehr meinungen zusammenkommen, desto zuverlässiger die aussage.

los geths.

+ + + + +

update 4.12.08:
ich musste die umfrage leider einstellen. siehe separates post.
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27. November 2008

best of my twitter favorites


über sinn und und unsinn von twitter ist schon viel geschrieben worden. totzdem ist es nach wie vor nahezu unmöglich, twitter einem nichttwitterer zu erklären. ich selbst bin auch erst beim zweiten anlauf hängengeblieben.

nicht zuletzt darum, weil witz, humor und ironie gut vertreten sind. kein tag, an dem nicht der eine oder andere herzliche lacher hängenbleibt. in zeiten, in denen es nicht mehr viel zu lachen gibt, ein nicht zu unterschätzender benefit.

faszinierend dabei ist, dass man mit max. 140 zeichen tatsächlich "ganze" geschichten erzählt bekommt. man kann sich die besten davon markieren und in einem archiv ablegen (favorites). und hat dann plötzlich eine sammlung von witzigen, schlauen und zuweilen hervorragend erzählten tweets (so heissen die einträge bei twitter).

hier die "best of" aus meinen favorites:

kathrinpassig
90er Jahre: "Haha, der redet mit sich selber ... oh, ein Headset." 00er Jahre: "Oha, sogar der Penner hat ein Headset ... nee, doch nicht."

leumund
irgendwas wollte ich letzthin schreiben über meine 2 Vertreter im Bundesrat: LEUenberger und LEUthard

csommer
Hier faehrt ne Frau mit #Audi Q7 Schritttempo + der Dackel laeuft neben her - sprachlos

fruehjahr
"Die Finanzkrise im Jahre 2008 hat mich dazu gezwingen, innovativ zu werden". David Worni 2011 bei Kurt Aeschbacher

leumund
da laufen leute von al kaida durch unsere büros. getarnt mit schreibblock und honegger putzinstitut gilets. verdächtig

saschalobo
Ich habe 2 Hirnhälften, 2 Hände und 2 Notebooks - und kann trotzdem nicht an 2 Texten gleichzeitig arbeiten. Frechheit von der Evolution.

bloggingtom
Gibts eigentlich Live-Streaming vom World Orgasm Day?

londonleben
Auf dem Sofa. Email kommt rein. Zu faul zum Aufstehen. Computer weit weg. Bildschirm mit der Kamera abphotographieren. Email lesen.


phogenkamp
Wieso hab ich eigentlich bei der OMD vergessen, am Stand von United-Domains zu brüllen: «FUCK FAX FORMS!» Das wäre adäquat gewesen.

spreeblick
Signatur unter einer Mail: "Sent from my Taschenrechner". #iphone_witze

leumund
jetzt hab ich grad 6 weisse twix verdrückt und jetzt ist mir irgendwie ein wenig raider.

ronniegrob
Aufm weg zum technopark mit hakan yakin, der einen micky maus auf der jeans hat.

saschalobo
Task 1: Koffeinzufuhr regeln. Task 2: Pegelkontrolle. Task 3: Tagesgeschäft. Task 4: Alkoholzufuhr regeln. Task 5: Pegelkontrolle.

sixtus
Meine Frau ist kaum noch eifersüchtig auf meine neue Liebe, den Eee 901, seit ich ihr den ollen Eee 701 schenkte. So funktionieren Eeehen.

londonleben
Wie tragen wir 2012 das Feuer in Londons Olympiastadion? Amy Winehouse schmeisst betrunken ne Kippe in der Fackel. (BBC)

agoeldi
Weiss gar nicht, warum alle immer über Newsnetz.ch meckern müssen. Die Druckfunktion ist doch prima. #holzmedien

avongunten
ich hätte so gerne einen destroy button mit welchem ich alle internationalen urheberrechtsabkommen und lizenzverträge vaporisieren könnte...

Ugugu
ich twitter jetzt mal eine weile nichts, dann können die andern auch mal

saschalobo
Erfahren, dass mir einige Kunden followen. Alle Tweets wie "5 Min Quatsch ausdenken, 3 Tage abrechnen" waren natürlich scherzhaft gemeint!

leumund
oh hier in bern an bahnhof sieht es aus wie eishockeymatch gegen tibet.

du findest die entsprechenden autoren unter twitter.com/name (also z.b. twitter.com/bugsierer ;-).
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26. November 2008

die liste zum stellenabbau in der medienbranche


manchmal eskalieren die ereignisse und man muss eine liste anlegen, um den überblick nicht zu verlieren. dieser tage ist es mit dem beginnenden stellenabbau in der medienbranche soweit.

der medienspiegler hat jetzt diesem unschönen ereignis eine eindrückliche liste geschenkt: eine google map. man kann das fähnchen anklicken, bekommt eine kurzversion und den link zur pressemeldung.

und das ganze hat einen rss feed. – eine krasse liste (aber gut gemacht).
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20. November 2008

ausgebloggt oder ausgezauggt?

meine kleine replik zum neuesten versuch aus dem hause tamedia, blogs schlecht zu reden, diesmal vom famosen kolumnisten thomas zaugg (tataa …) aka zauggomat (tataa …):

man kommt um den eindruck nicht herum, als würden sich die tamedia redaktionen das thema “blogs” als eine art bashingstaffette weiterreichen. ich bin gespannt, welcher titel als nächstes ran darf. dürfte ich wünschen, dann bitte in der schweizer familie, damit auch meine tante endlich weiss, dass alle blogger inkl. dieser leuenberger sonderbare schräglinge sind.

ich habe ehrlich gesagt nicht so recht verstanden, was sie uns hier eigentlich sagen wollen. dass sie mit den begriffen irgendwie ein puff anrichten, muss was mit ironie zu tun haben oder sonst einem kolumnistentrick.

aber wenn sie hier “bloggen” und “etwas-in-facebook-reinschreiben” miteinander gleichsetzen, dann ist das auch mit viel ironie noch immer grundfalsch und sie stiften damit mehr verwirrung statt aufklärung. denn ein social network wie facebook und ein weblog sind doch grundverschiedene anwendungen, oder?

wenn schon müsste man für das, was man in facebook u.a. auch noch reinschreiben kann, den begriff “microblogging” verwenden. aber so eine differenzierung würden ihre leser noch weniger verstehen, jedenfalls die meisten. genausowenig wissen ihre leser etwas über hyperlinks und darum dürfen sie sich auch darüber lustig machen, wenn auch etwas gar angestrengt. (auch sie werden sich mit diesen vermaledeiten links schon bald mehr befassen müssen, als ihnen lieb ist.)

ich habe übrigens von ihrer zauggomat kolumne ganz generell den eindruck, dass sie sich über die errungenschaften und die entwicklung im internet viel lieber lustig machen als ihre weitgehend nichtsahnenden leser darüber aufzuklären, was da gerade abgeht, was das potential ist und was das alles für konsequenzen haben wird – gesellschaftlich, wirtschaftlich, kulturell, sozial, etcpp.

zugegeben, information und aufklärung ist nicht unbedingt die erste kernfunktion einer kolumne. aber ihr ständiges belächeln und veräppeln der digitalen entwicklung wird derselben hinten und vorne nicht gerecht. übrig bleibt zu oft der eindruck, dass sie das alles viel weniger ernst nehmen, als es wirklich ist. und viel weniger davon verstehen, als sie vorgeben.

ein untrüglicher hinweis auf diese diagnose ist auch ihre katgorische weigerung, in medienblogs zu lesen. damit entziehen sie sich der auseinandersetzung mit den existentiellen veränderungen, die ihrem berufsstand gerade bevorstehen. leider ist das sehr typisch für ihre gilde, was u.a. den mangel an journalisten erklärt, die die medienkonvergenz gut erklären könn(t)en. das tun aber bisher fast ausschliesslich blogger. (schon mal göldi gelesen, herr zaugg?)

insofern ist ihr erstes posting als blogger voll in die hosen gegangen. insbesondere auch deshalb, weil weder die print- noch die online ausgabe des magi ein blog sind. zumindest vorläufig noch nicht.

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15. November 2008

wikipedia.de ist dicht – politposse 1.0


politiker sind manchmal unglaublich anmassend. momentan hat einer grad die seite wikipedia.de schliessen lassen, weil er sich in de.wikipedia.org falsch dargestellt fühlt.

das nützt ihm zwar einen alten hut, aber bedenklich ist das trotzdem. politiker beschäftigen sich immer öfter mit sich selber statt mit ihrer aufgabe.

die wikipedianerdiskussion zu diesem fall findet hier statt.

via @avongunten
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10. November 2008

sonntagszeitung/bauer: replik #2

auch david bauers zweiter artikel über schweizer blogs ist dermassen unter aller kanone, dass ein paar zeilen an den chefredaktor angebracht erscheinen:

offener brief an
andreas durisch, chefredaktor der sonntagszeitung

sehr geehrter herr durisch

ich protestiere hiermit gegen ihren ungehobelten jungspund david bauer, der heute in der sonntagszeitung zum zweiten mal schweizer blogs aufs unmöglichste diffamiert hat. nicht nur meine wenigkeit, sondern auch renommierte und anerkannt seriös arbeitende blogger wie z.b. claude longchamp, ruedi baumann, ralph beyeler, andré marty, andreas göldi, u.v.a.

dass david bauer uns heute mit einem obskuren anonymen zitat in die ecke eines diktatorisch gesinntchen trüppchens rückt, ist in den beiden artikeln nur ein journalistischer ausrutscher unter vielen. im satz davor mokiert er sich z.b. über die anonymität einiger kommentatoren im netz, greift dann aber gleich selber in diese höchst boulevardeske dilettantentrickkiste und zitiert einen nichtgenanntseinwollenden, also ebenfalls anonymen blogger, mit diesem unsäglich läppischen diktaturvergleich. das ist stilistisch und argumentativ ein unglaublicher spagat und hat mit journalistischem handwerk nichts zu tun.

insbesondere auch darum nicht, weil im duktus des betreffenden zitats ("die blogosphäre trägt züge einer diktatur der masse …") der verdacht nahe liegt, dass dieser blogger oliver reichenstein heissen könnte, ebenfalls für tamedia tätig und auf facts.ch unüberlesbar als chefpolterer gegen schweizer blogs bekannt (und dort u.a. als cheftechniker für die bespitzelung der user zuständig).

besonders störend ist zudem der umstand, dass herr bauer selber ein blogger ist, dies aber in keiner zeile erwähnt. das ist ja, als ob beni thurnheer der eigner des fussballklubs wäre, dessen match er gerade kommentiert. die stillschweigende annahme der sonntagszeitung, dass hier KEIN interessenkonflikt vorliegt, ist bedenklich. eine disclosure wäre nichts als billig gewesen. schon mal was vom code of conduct gehört?

journalistisch unsauber ist es zudem, mit ronnie grob nun schon zum zweiten mal einen blogger zu zitieren, der als gelegentlicher mitarbeiter der sonntagszeitung hier einfach der falsche auskunftgeber ist. das ist interessenkonflikt nummero zwei. sehr unsauber.

weiter unterstellt uns herr bauer:

Wer den Einwurf der SonntagsZeitung zur Diskussion annahm oder ihm gar teilweise zustimmte, geriet selber unter Beschuss. In Kommentaren und auf der Kurznachrichtenplattform Twitter wurden diese Blogger aus den eigenen Reihen zurechtgewiesen.


ich habe diese diskussion auch auf allen kanälen mitverfolgt und kann mich nicht erinnern, solche zurechtweisungen gelesen zu haben. bis sie mir die entsprechenden links liefern, möchte ich auch diese behauptung (und insbesondere deren gewichtung) als frei erfunden resp. extrem überzeichnet bezeichnen.

dann muss man auch feststellen, dass bauers fachliche einschätzung von blogs, ausgedrückt in seiner forderung, blogs müssten a) themen setzen, b) reichweiten erzielen und c) die grossen inputgeber markieren, völlig an der intention des web 2.0 und seiner königsdisziplin (bloggen) vorbeigeht. nur die allerwenigsten blogger haben solche ziele, fast allen genügt es vollauf, sich in ihrem kleinen und überschaubaren leserkreis zu bewegen. insgesamt also eine eher tendentiöse bewertung der dinge.

ausserdem verkennt bauer in demagogischer weise die tatsächliche aussenwirkung von etlichen dutzend gut geführten schweizer blogs. so hat sich zum beispiel der 30jährige langenthaler stadtrat reto müller zum beliebtesten männlichen politiker seiner heimatstadt hochgebloggt (als sp-ler, notabene). zweites beispiel, von bruder bernhard hier erwähnt: … erst vor wenigen Wochen musste die Stadtregierung von La Chaux-de-Fonds eines Blogs wegen einen peinlichen Rückzieher in der Museumsaffäre machen.

solche beispiele gibt es in der schweizer blogszene gerade in den letzten ein zwei jahren zuhauf und da ist es hochgradig unseriös und tendentiös, von einer quasi gänzlich fehlenden aussenwirkung von schweizer blogs zu reden. blogs entfalten ihre wirkung vorwiegend in einem lokalen oder persönlichen oder thematischen mikrokosmos, dort aber können sie etwas bewegen, nicht die welt, aber ein stück von ihr. die bauersche these, dieses stück sei = null ist so falsch wie arrogant.

man wird den eindruck nicht los, dass jungkarrierist bauer die kommentarschlachten bei facts 2.0 im frühsommer 08 (wo er mal spielleiter für das eurodings war) noch nicht ganz verdaut hat – und jetzt in seiner neuen position als redaktor im multimediabund der sonntagszeitung die ganz grosse bühne gefunden hat, sich zu revanchieren und die schweizer blogs per se grossflächig in die pfanne zu hauen. insofern der falsche mann für eine solche story, weil befangen.

ich erwähne es nocheinmal, er sagt das alles eigentlich als ein blogger, der selbst das beste beispiel dafür ist, dass schweizer blogs durchaus eine aussenwirkung haben. herr bauer redet schon im juni 2007 (schon damals sekundiert vom schon damals etwas quotengeilen chefeinflüsterer oliver reichenstein) von stattlichen 600 besuchern pro tag und 2'500 registrierten usern. ist doch toll. was will david bauer also den lesern der sonntagszeitung mit seinem pauschalisierten bloggerbashing eigentlich sagen? und warum vergleicht herr bauer die hiesige szene mit der us amerikanischen, was ein demoskopischer fehltritt auf ganz tiefem niveau ist? man wird ebensowenig die sonntagszeitung mit der sonntagsausgabe der new york times vergleichen wollen.

alles in allem ist die bauersche pauschaldiffamierung der schweizer blogszene ein machwerk, das jegliche journalistische standards unterspült. und dies in guter alter sonntagszeitungstradition: schon das frühwerk in dieser causa, damals zusammenpolemisiert von barnaby skinner, war von dieser machart.

darum, sehr geehrter herr durisch, die frage: was soll das? warum basht die sonntagszeitung schweizer blogs wie kein anderes blatt es sonst tut? haben sie eine strategie? ausser der, sich mit solchem journalistischen billigpersonal selber zu demontieren?

ihrer geschätzten antwort entgegensehend

beste grüsse aus den berner voralpen

christian röthlisberger aka dr. bugsierer
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9. November 2008

bla-bla-bauer runde 2: print only (fast)

die sonntagszeitung geht in sachen bla-bla-blogger in runde 2 und stellt den text NICHT online. irgendwie schrullig.

trotzdem sollte man sich die replik von david bauer mal auf der zunge zergehen lassen – ugugu hat sie.

da steht z.b. «Die Blogosphäre trägt Züge einer Diktatur der Masse».

der hammer. oder?
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8. November 2008

obama schreibt auch internet geschichte


barack obama hat mit seiner wahl auch internetgeschichte geschrieben. er konnte auf die kampagne von howard dean zurückfreifen, der vor fünf jahren erstmals das internet im grossen stil für seine kampagne einsetzte. zwar überstand der den vorwahlkampf nicht, aber dennoch schaffte er es via netz aus dem nichts bis ziemlich weit nach vorne.

obama hat nicht nur auf den damals getesteten werkzeugen aufgebaut, sondern z.t. die selben leute angeheuert. sein internet team umfasste nicht weniger als 90 hochmotivierte internetexperten, so gross ist z.b. in deutschland nicht mal ein ganzes wahlkampfteam. weiter soll obama ein 50-köpfiges filmteam dabeigehabt haben.
Link
für uns sind das dimensionen von einem anderen stern. trotzdem steht die frage im raum, wie weit solche kampas auch in europa umgesetzt werden könnten und wo die unterschiede zu den usa genau liegen. einen sehr spannenden und informativen artikel dazu gibt es bei netzpolitik.org.

wie obama seine aussergewöhnliche netzkampa als präsident fortsetzen wird, dürfte eines der spannendsten netzthemen der näheren zukunft werden. so zeigt er z.b. bei flickr über 5'000 backstage-fotos aus seinem wahlkampf – unter einer creativ commons lizenz. dass er diese aussergewöhnlichen zeitdokumente verlinkbar bei flickr und nicht auf einer eigenen website anbietet, spricht für sich.

hiesige politiker täten gut daran, den auftritt des neuen chefs mal genauer zu studieren. seiten wie diese sind einfach von vorvorgestern (hier z.b. eine zum gleichen zweck von heute).
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7. November 2008

bla-bla-bauer geht in die 2. runde


komisch – zuerst sagt er, blogger hätten keine aussenwirkung und dann will er ob dem minibuzz in ein paar winzblogs doch in eine zweite runde gehen.

da sind wir mal gespannt und ölen schon mal die klapprechner, herr bauer.

via @leumund
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kinderhilfe bethlehem: andré marty + arwad marzouka informieren


andré marty ist freier journalist im nahen osten, stationiert in tel aviv/israel. er ist korrespondent für sf tv und schreibt für verschiedenste andere medien. er führt seit einigen monaten ein blog, in dem er geschichten aus seinem alltag publiziert, die sonst nirgends platz haben. von regelmässigen interviews mit anderen nahostkorrespondeten bis zu sehr persönlichen beobachtungen aus einem land im krieg.

die palästinensische kinderärztin dr. h. arwad marzouqa arbeitet im kinderspital bethlehem, dem einzigen kinderspital im westjordanland und im gaza-streifen, einer region, in der 100'000 kinder unter 4 jahren leben.

vor rund einem jahr führte hannes hug in focus/drs3 ein sehr eindringliches interview mit frau marzouqa. sie erzählt z.b., dass in palästina plötzlich wieder kinderkrankheiten auftreten, die längst als ausgestorben galten. solche nämlich, die in einer gesellschaft mangels blutauffrischung entstehen. denn mittlerweile sind die palästinenser dermassen eingeschlossen, dass diese blutauffrischung nicht mehr möglich ist.

andré marty und arwad marzouka kommen demnächst in die schweiz auf vortragsreise (siehe flyer oben). «unser ziel ist es, informationen über das leben in nahost aus erster hand zu liefern und raum für diskussionen zu geben», erklärt burkhard redeski von der kinderhilfe bethlehem.

ich habe mir die sendung mit frau marzouka damals aufgehoben. sonderbarerweise nimmt radio drs alle podcasts nach 5 wochen wieder vom netz. darum stelle ich sie hier als vorschau auf die vortragsreise von marty/mazouka zur verfügung (für ein paar tage). für diesmal, finde ich, heiligt der zweck (infos aus erster hand über die situation in palästina) das mittel (unerlaubtes hochladen einer radiosendung).



die sendung als mp3 (27mb) downloaden.Link
für spenden an die kinderhilfe bethlehem bitte hier lang (man kann natürlich auch direkt an einer der veranstaltungen cash spenden).

bitte weiterbloggen. danke.
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6. November 2008

5. November 2008

qualitätstrash bei newsnetz

wie weit es mit der journalistischen ernsthaftigkeit bei newsnetz/tagesanzeiger her ist, der nach eigenen angaben kompetentesten online redaktion der schweiz, zeigt dieses beispiel wiedermal exemplarisch: die völlig irrelevante meldung über obamas kids steht momentan an vierter stelle auf der hauptseite.

als ob es nicht schon schlimm genug wäre, solchen celebrity-pipifax an einem historischen tag wie diesem an diese prominente stelle zu rücken, wird da auch noch ein kleines, aber um so einfacher zu recherchierendes detail falsch kolportiert: die vorzeigetöchter sind nämlich noch gar nicht im weissen haus eingezogen, das werden sie erst im januar tun.

noch besser finde ich die topmeldung ganz oben auf der newsnetz startseite unter dem titel "droht der schweiz jetzt die obama peitsche?". nebst dem völlig missratenen titel auf katzenblogniveau (wann kommt das whiskas-obligatorium?) ist auch die meldung an sich nur das gewisse nichts. nichts als ein aufgeblasener panik post, den man auch zwei tage vor der wahl oder sonstwann hätte bringen können.


wie gesagt, diese austauschbare pseudomeldung stand ganz oben als top nachricht. – billiger gehts wirklich nicht mehr.

hat jemand was von bla-bla-schurnis gesagt?
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2. November 2008

bla-bla-bauer: master in journalism versinkt im volltrash

replik auf den artikel
"Bla-Bla-Blogger - die Rebellen versinken im Mittelmass"

von david bauer in der sonntagszeitung

welche rebellen denn? waren blogger hierzulande mal rebellen? hab ich was verpasst? wurde meienberg kurzzeitig irgendwo als blogger inkarniert?

nun, schweizer blogs mit us blogs zu vergleichen ist etwa wie den tagi mit der new york times zu messen. bireweich. die deutschschweiz ist leutemässig gerade mal knapp so gross wie münchen plus agglo. und bauer hat wohlweislich vergessen, sein eigenes musikblog erstens zu erwähnen und zweitens mit amerikanischen musikblogs zu vergleichen.

tut man das, kommt nämlich bei 78's genau der biedere schweizer mainstream zum vorschein, den er in anderen blogs anprangert. es steht dort dieser tage auf der front, was überall sonst auch auf der front steht: sophie hunger und heidi happy. und zuoberst steht gerade was superaktuelles über die oberplastikheulsuse grace johnes. mit anderen worten: ein mainstreamblogger basht die bloggszene wegen mainstream. winnetou nannte sowas seinerzeit eine gespaltene zunge.

ferner behauptet unser master of arts in journalism zwischen den zeilen, dass es das mainstreamige in den blogs nur bei uns gibt, dass nur hier die meisten blogs vorwiegend über gugel und iphone oder über den gerade hippsten skandal bloggen. das ist unsinn, aber sowas von. würde man die blogs der aglo münchen durch den gleichen scanner dreschen, käme garantiert das gleiche resultat heraus.

die behauptung, kleine blogs seien ohne wirkung gegen aussen, ist so falsch wie naiv. auch das müsste herr bauer besser wissen. immerhin haben ihm eine hand voll winzblogger bei facts 2.0, wo er vorher arbeitete, sicher genug ärger eingetragen, um sich wenigstens an eine marginale aussenwirkung zu erinnern. und überhaupt, wie will er das gemessen haben? bei wem?

bei mir jedenfalls nicht. denn selbstverständlich habe ich auch in meiner kleinen bloghütte eine wirkung nach aussen. wie gross die wirklich ist, sei dahingestellt – sie ist da und von einem insidergrüppchen kann nicht die rede sein. aber die pi's oder visits sind nur ein bloggingaspekt neben vielen anderen, für mich ein eher untergeordneter. mir ist wichtiger, wer mitliest und wie lange. und der long tail, wie z.b. dieser tage gerade wiedermal hier. da bin ich noch vor dem stern und der zeit gelistet, herr bauer. ist das bei dieser prominenten suchanfrage etwa keine aussenwirkung für ein winzblog wie meines?

bauer moniert weiter, meinungsstarke inputgeber und querdenker seien in der schweizer blogszene an einer hand abzuzählen. das heisst vorerst mal: wenn man nicht meinungsstark, kein inputgeber und kein querdenker ist und zwar alles gleichzeitig, kann es eh nix sein. auch das eine vorgabe, die mit der wirklichkeit im web 2.0 null zu tun hat. man kann auch ein lesenswertes blog führen, ohne gross den strategischen inputgeber zu markieren, die sonntagszeitung macht ja auch nicht jeden sonntag einen super plan für eine neue weltfinanzordnung.

ich will jetzt hier nicht meine ganzen feeds durchdeklinieren, aber ich frage mich schon, welche blogs herr bauer eigentlich liest, wenn er von nur fünf ernstzunehmenden blogs spricht. man ist geneigt, diese aussage als etwas arrogant zu bezeichnen. aber sowas von.

wie auch die behauptung, blogger hätten je einen anspruch auf die grosse themensetzung erhoben, ist schlicht abstrus ist. wer bitte hat diesen anspruch wo definiert und welche peergroup ist dafür zuständig? und überhaupt, themensetzung, das müssten doch eigentlich leitmedien wie die sonntagszeitung machen.

aber leider versinken diese guten alten leitmedien momentan grad panikartig im tiefsten boulevardtrash. sie schreiben botellons hoch, sie schreiben finanzkrisen hoch, und zur abwechslung schreiben sie blogs nieder.

seriöser journalismus ist dieses schlecht bis null dokumentierte blogger bashing jedenfalls nicht. man sollte dem herrn bauer seinen master wieder wegnehmen. (und in zukunft generell verbieten, 26jährige mit dem titel "master of arts" auszustatten.)
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barack obama and the magic backstage verlosung


ich habe hunderte von musikern auf die bühne begleitet. kurz vor dem auftritt, die letzte minute, die letzten fünf minuten, wenn die anspannung, die hochfokussierte konzentration auf den auftritt, auf die konfrontation mit der enormen energie des publikums am grössten sind – das sind hoch geladene, manchmal gar magische momente.

dabei gibt es einen grossen unterschied zwischen ensembles und solisten. ein duo kann die energie des publikums unter zwei leuten aufteilen, der solist muss allein schauen, wie er klar kommt. entsprechend delikater ist backstage der magic moment kurz vor dem auftritt, wenn der vorhang aufgeht und die bretter der welt dir zu füssen liegen.

barack obama ist auch ein solist, a sort of. und er hat eine werbecrew, die in die geschichte eingehen wird. wer z.b. seine mailkampa verfolgt hat (hier abonnieren), weiss, was ich meine. wer nicht, hat davon gehört, dass er mit geld sammeln der master ist.* das kommt nicht von ungefähr.

viele obama mails sind nichts weiter als spendenaufrufe. hoch emotional getextet und immer mit einem uralten werbertrick unterlegt: eine verlosung mit kleinem einsatz und hohem gewinn. er bettelt nicht nur um spenden, er gibt auch was zurück. eine methode, die nicht erst seit vorgestern funktioniert.

im mail von heute kann man 5 backstage pässe für die voraussichtlich historische election night in chicago gewinnen. dort kann man obama hinter der bühne erleben, kurz bevor er als erster schwarzer präsident der usa vor das publikum tritt (ca. 200 milliarden leute auf allen kanälen). barack backstage – wahnsinn. 5 absolute magic moments – der hammer.

und als sei das noch nicht genug, packt die obamakampa noch einen obendrauf:

If you're selected, you and a guest will be flown to Chicago, put up in a hotel, and given a front row seat to history.

nun weiss natürlich jeder, dass bei diesem edlen rundumsorglos packet zehntausende oder hunderttausende mitmachen werden und die 5 backstagepässe die pure lotterie sind. darum hat man immer noch einen zweiten trumpf in der hinterhand:

And if you make a donation of $30 or more today, you'll also receive a "Change the World" T-shirt.

mit anderen worten: für 30 bucks hast du ein limited edition t-shirt auf sicher und die gewinnchance auf die magic backstagepässe dazu. wenn du das t-shirt nicht brauchst und nur zocken willst, bist du mit einem beliebigen betrag dabei. – simpel, aber wirkungsvoll und auf der im mail verlinkten landing page top abgehandelt.

überhaupt: die alte verlosungsnummer kommt natürlich in den neuesten und besten web schläuchen daher. man studiere mal barackobama.com.

übrigens konnte man im obamamail von vorgestern 5 x 2 front row seats an der gleichen party gewinnen. barack resp. sein texter schrieb dazu:

This movement for change has been a testament to the power of ordinary Americans coming together to achieve extraordinary things.

I look forward to having you there on Election Night.

Thank you,

Barack

man darf gespannt sein, ob uns obama auch als präsident noch anmailen und plätze zum smalltalk im oval office verlosen wird.

das war jetzt ein derber seitenhieb. natürlich zittere auch ich für obama. directly from the berner voralpen.

der edelzwicker steht bereit.

* wer auch davon nichts gehört hat, sollte sich mal sputen.
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Link

30. Oktober 2008

man on wire: philippe petit


er ist einer der genialsten künstler der gegenwart: philippe petit, ein begnadeter seiltänzer, eine lebende legende, ein revolutionär der lüfte. jetzt kommt sein grösster coup in die kinos: ein ilegaler seillauf von 1974 zwischen den twin towers in new york.

ilegal heisst: unbemerkt auf die türme schleichen, eine seilanlage (1 tonne gewicht) reinschmuggeln, installieren (über nacht) und dann drüberlaufen (417 m höhe, ungesichert). das alles bevor dich die polizei verhaftet. – unmöglich, denkt man.

petit bereitete sich sechs jahre auf diesen ilegalen wahnsinnslauf vor. noch während dem bau der twin towers recherchierte er, wie er das seil unbemerkt nach oben bringen und wo resp. wie er es verankern kann. er schaffte es sogar, sich als journalist auszugeben und den bauleiter der twin towers zu statischen details zu interviewen. zudem galt es, eine tonne material unbemerkt auf die dächer zwei der bestbewachten gebäude der welt zu bringen.

1974 war es soweit. petit schlich sich zusammen mit sechs kumpels, verkleidet als delivery mens und mit gefälschten ausweisen, in das gebäude. erst lange nach einbruch der dunkelheit konnten sie mit der montage der seilanlage beginnen. zuerst wurde mit pfeil und bogen ein dünnes und leichtes seil von einem turm zum andern geschossen. daran zogen sie das stahlseil in die gegenrichtung und fixierten es. darüber hinaus waren vier abseglungen anzubringen, die normalerweise am boden verankert werden.

hier ein einduck vom "gelände", mit dem sie es zu tun hatten:


und hier eine skizze, wie seil und abseglungen anzubringen waren:


mit anderen worten: eine mehrstündige kletter- und montageaktion am rand der 417 meter hohen towers. das war sicher kein schleck.

petit lief nach einer langen und anstrengenden nacht morgens kurz nach 7 uhr sechs mal zwischen den türmen hin und her, er brauchte dafür 45 minuten. selbstverständlich nicht ohne auf dem seil abzusitzen, sich hinzulegen, darauf zu knien und einbeinig zu stehen (der zweite fuss liegt an der wade) – den standardfiguren der gehobenen hochseilkunst. selbstverständlich ungesichert.

tausende von menschen im finanzdistrikt, auf dem weg in die büros, schauten zu. die weltpresse war vor ort, radiostationen berichteten live (hier ein tondokument hören).

am ende seines legendären auftritts wurde petit verhaftet und später vor gericht gestellt. wegen der enormen publizität und seiner aussergewöhnlichen, weltweit anerkannten leistung wurde er lediglich zu einer gratisvorstellung für new yorks kinder verurteilt – die er im central park mit einem seillauf über den belvedere lake einlöste.

petit hat sein kunstwerk auch signiert:


dem genialen twin tower frühwerk gingen zwei weitere spektakuläre und ilegale läufe voran:

1971 zwischen den türmen der kathedrale notre dame in paris:



und 1973 über die sydney harbour bridge (der kleine punkt zwischen den türmen):



schrägseil zum eiffelturm

ein verrückter, dachten wohl die behörden von paris, als petit um eine bewilligung für einen schrägseillauf auf die zweite etage des eiffelturms bat. über 15 jahre kämpfte er dafür. immer wieder krebsten die behörden unter fadenscheinigen vorwänden zurück, obwohl petit alle technischen anforderungen für die ca. 800 m lange seilanlage erfüllte und bis hinters koma beweisen konnte, dass dem guten alten turm kein noch so kleines teil gekrümmt wird und statisch alles im grünen bereich liegt.

es klappte dann 1989. unter dem damaligen bürgermeister jacques chirac und zum 200. geburtstag der deklaration der menschenrechte.


das schrägseil ist sozusagen die königsdisziplin der seiltänzer, weil der artist dabei die knie beugen muss, was die haltung des gleichgewichts enorm kompliziert.

petits seillauf zum eiffelturm (2. etage, 800 m distanz, ca. 1 stunde) wurde von 250'000 menschen bestaunt und von der weltpresse gefeiert. er hat das projekt (und andere) in seinem eindringlichen buch "über mir der offene himmel" beschrieben – radikal, philosophisch, poetisch.

es beginnt so:


petit publiziert in diesem buch auch seine fantastischen regie-skizzen:


auch in der schweiz hat philippe petit ende der 70er einen hochseillauf gemacht und zwar im rahmen eines workshops an der scuola teatro dimitri in verscio/tessin. er lief über die maggia (vielleicht war es auch ein anderer fluss), über mehrere hundert meter distanz.

neben seinen spektakulären ilegalen seilläufen trat petit immer wieder an grossen und aussergewöhnlichen events auf. so z.b.:

- 1975 zur eröffnung des superdome in louisiana, dem damals grössten gedeckten stadion der welt.
- 1986 zur wiedereröffnung der renovierten freiheitsstatue in new york.
- 1991: VIENNALEWALK (Austria) High wire performance evoking the history of cinema for the opening of the Vienna International Film Festival under the direction of Werner Herzog.
- 2002 spazierte er für david letterman über den broadway

aktuell plant der 59jährige ausnahmeartist gerade seilläufe über die bucht von sydney, über die vulkanischen landschaften der osterinseln (als hommage an die rapa nui und ihre gigantischen steinstatuen) und einen gang über den little colorado river, 1200 fuss weit, 1600 hoch.

neben diesen grossereignissen – sie sind mit immensem technischen und logistischem aufwand verbunden – tritt philippe petit immer noch und immer wieder spontan in parks auf. in grundsolider komödiantenmanier spannt er ein schlappseil zwischen baum und kandelaber, zeigt eine kleine soloshow, geht mit dem hut herum und verschwindet wieder. viele seiner zuschauer wissen gar nicht, was für einem crack sie da zuschauen.

hier ein video von einem solchen auftritt:



der twin towers dokumentar-krimi man on wire kommt demnächst in die kinos. hier schon mal der trailer:



und eine schöne fotostrecke gibts hier.

bildquellen: die hier verwendeten bilder schwirren wild im netz herum, wir danken den autoren ;-)

+ + + + +

update 4.1.09: der film startet in der deutschschweiz am 12.3.09 > cineman.ch
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23. Oktober 2008

tschäpp@


um das millennium herum meinte jeder fünfte grafiker oder photoshopler, er müsse irgendwo in seiner headline oder seinem firmennamen das damals äusserst hippe zeichen @ hinpappen. so wie heute jeder irgendwie noch ein 2.0 oder ein beta an seine online bude anmalt. grauenhaft.

jetzt kommt der berner stadtpräsident alexander tschäppätt in seinem wahlkampf wieder mit dem ollen @. ein echter berner, zehn jahre zu spät, könnte man meinen. doch etwas ist anders. tschäpätt heisst wirklich tschäpp@ und das @ kommt erst am schluss. soweit ist das wortspiel sinnig und stimmig.

mit dem altmodischen @ markiert er bodenständigkeit im umgang mit dem internet. vermutlich mailt er sogar selber. nur – er hätte mehr aus der idee machen müssen. konsequent weitergedacht hätte er z.b. die domain bärn.ch kapern müssen und dann mit tschäpp@bärn.ch kommen können.

hat er aber nicht. er hat eigentlich gar nichts. der gute verzichtet nicht nur auf plakate, postkarten und gadgets, sondern auch auf eine website. er hat zwar eine unter der etwas anmassenden domain stapi.ch, aber dort kann man lediglich sein einzigstes werbemittel bestellen – einen stapi-stadtplan. print only.

stapi stadtplan? wer heute nicht die berner tagespresse studiert hat (tschäpp@ hat einen plan), muss das ding auf gut glück bestellen, um zu erfahren, was es ist. ansonsten hats auf dieser website sozusagen rein gar nix, nicht mal sein voller name steht da irgendwo. neuzuzüger, touristen und holländische schurnis stehen hier voll im schilf.

ob der slogan weiter so wiklich der richtige ist, ist sicher geschmackssache. er würde auch für einen svpler gut passen und ist etwa gleich bieder wie der von newsnetz (nichts verpassen). insofern nix gross falsch daran, hüstel.

für einen politiker, der ohne nennenswerte konkurrenz zur wiederwahl antritt, passt der slogan perfekt. auch wenn er nicht mal halb so gut ist, wie z.b. ein ähnlicher von valser: alles wird besser, valser bleibt gut. – so gesehen ist es auch egal, dass der slogan auf tschäpp@'s houmpeitsch nicht wieder vorkommt.

dort steht wie gesagt sozusagen rein gar nix, weil der long time stapi eh gewählt wird und ergo für seinen wahlkampf 08 nur 40'000 bucks locker macht und die gehen weitgehend für die druckerei und das austragen der stapi stadtpläne in alle haushaltungen drauf.

was will man da noch gross mit einer houmpeitsch?
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22. Oktober 2008

swissman by zgraggen schagg


zgraggen schagg stellt die richtigen fragen zur richtigen zeit:

Kann Swissman die Schweiz retten? Oder versinken wir in Armut? Müssen wir nach Darfur auswandern?

seine antwort ist epochal einfach. und ein grosses lesevergnügen.

btw: mein interview mit zgraggen schagg vom august 2006 ist immer noch das einzige, das je mit dem schillernden berglerblogger geführt wurde (er gibt keine interviews mehr). dort sagt er u.v.a.: Es gibt einen chinesischen Fluch: "Mögest du in interessanten Zeiten leben."

via ugugu
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21. Oktober 2008

finanz 9/11 schöpft neue worte


woher haben die eigentlich immer diese neuen worte wie z.b. hier bei SpOn die praktische neuschöpfung "bankster"?

na von hier ;-)
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17. Oktober 2008

miriam meckel: professoral dilettieren 1.0


nicht nur die medienbranche hinkt der entwicklung im web hoffnungslos hinterher. auch in lehre und forschung döst man flott vor sich hin.

miriam meckel kennt man vor allem aus der klatschpresse, weil sie die lebensabschnittspartnerin von anne will ist, der deutschen moderatorin mit gleichnamigem wellnesstalk.

frau meckel ist:

Professorin für Corporate Communication und geschäftsführende Direktorin am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen, Schweiz und Beraterin für Kommunikationsmanagement und Public Affairs.

toll. kürzlich war sie gast bei focus. wo sie u.a. ausführlichst davon erzählte, dass sie selbstverständlichsterweise auch bloggt und twittert. das gehöre für sie ja quasi berufshalber dazu. finde ich auch.

also mal vorbeischauen was die frau kommunikationsprofessorin so macht im web

… und wiedermal die köstliche leere von purer ernüchterung spüren:

• ganz zuoberst, dort man wo auf jeder website eine art header findet, tut sie etwas, was schon lange out ist und v.a. die aufmerksamkeit vom eigentlichen kontent ablenkt: sie streamt zitate in jeden seitenaufruf. als ob das nicht schon schlimm genug wäre, ersetzt dieses uninspirierte pfadfindergimmick tatsächlich den ganzen header. kein wort darüber, wem diese website gehört, kein logo, keine wortmarke, nix. auf der ganzen startseite null absender. – für eine professorin in mediadings schon mal oberpeinlich.

• direkt darunter empfängt die gute ihre leser mit einem bild mit null professoralem anspruch. das könnte genauso gut eine sekretärin von procter & gamble oder eine nebendarstellerin in einer ärztesoap sein. weiter hinten, auf fünf von sieben unterseiten kommen dann noch weitere bilder, immer oben links. man bekommt schwer den eindruck, dass der frau professorin das rumschleppen in der klatschpresse gar nicht so unrecht ist.

• dann kommt der erste satz unter dem titel "worum es geht". nicht nur dieser titel ist irgendwie suboptimal: Hier habt Ihr die Gelegenheit, Eure Gedanken loszuwerden und neue Ideen in den Webdiskurs einzuspeisen. soso, loswerden + einspeisen. in den webdiskurs. aber klar doch. – man fragt sich unweigerlich, ob die publikationswütige superfrau ihre bücher wirklich selber schreibt. oder ihr blog von erstsemesterstudis gehandelt wird.

• dann, wir sind immer noch in der seitenleiste, kommt schon mal werbung für frau meckels neuestes buch. find ich für eine professorin etwas gar aufdringlich.

• heiter weiter gehts mit der erwähnung einer kruden auszeichnung, deren wertigkeit sich mir erst beim zweiten hingucker erschlossen hat. #berner

• gut ist, dass die startseite gleich mit dem blog losgeht (die website der zukunft wird ein blog sein, hat turi mal gesagt). aber wo sind hier die comments? ah ja, man muss den beitrag zuerst anklicken, dann kommen sie. hätt ich natürlich von anfang an getan, wenn ich unter dem beitrag standardmässig gelesen hätte: comments: 128.

• 128 comments? boah... aha, die studis speisen sich mit hunderten von beiträgen in den webdiskurs ein und werden ihr zeugs los. supi. und voten die frau professor bei diesem ominösen superblog award hoch. oder ist das eine unverschämte behauptung? egal, als professor würd ich so einen gevoteten klitschenpreis nicht mal zuhinterst in meinem blog erwähnen.

• die blogroll heisst bei frau professor links. auch gut, kann man machen. aber mit diesen links können sie es auch lassen frau meckel. spiegel online und die new york times finden wir auch sonst. motto: entweder eine gepflegte blogroll oder keine.

für eine professorin in kommunikationsdings doch etwas gar dilettantisch das alles, finde ich.

aber vielleicht läufts ihr ja bei twitter besser. dort kann man ja nicht viel falsch machen.

denkste. hier kommt das gewisse nichts in reinkultur: am 30. april 08 hat sie den account (mit ganzkörperfoto) eröffnet. seither gibts dort gerade mal 1 tweet und 38 followers. frau professor selbst followt vier leuten, darunter barack obama (2x) und hillary clinton. zudem, nennt sie sich hier plötzlich nicht mehr professorin für corporate communication, sondern professor for media management. wie jetzt? schon mal was von corporate wording gehört? MAN MUSS ES ÜBERALL GLEICH HINPAPPEN, FRAU MECKEL.

irgendwie passt es, dass die frau professorin auch noch in der jury für den deutschen fernsehpreis sitzt, der von reich-ranicki kürzlich grandios abgelehnt worden ist, weil da grösstenteils nur schrott ausgezeichnet wird. interessant, wie sie in dieser jury dem alten oberlästerer kontert. irgendwas von qualität steht da.

natürlich schreibt sie zu dieser brisanten story auch in ihrem blog einen eher tv-freundlichen eintrag (119 comments). ganz ohne disclosure. qualitativ nicht sauber, frau mediadings. (und das ausrufezeichen im titel ist sowas von bäähh...., ums mal kommunikativ in der gassensprache zu sagen).

ich werde jetzt glaubs auch professor. doktoriert wurde ich ja schon. kennt jemand ne passende uni?

bis es soweit ist, frau meckel, empfehle ich ihnen dringend das hier.
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eilmeldung: gott war ein prokrastinator



ein top clip für ein top buch. den rest erklär ich euch später.

via prokrastination.com
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productplacement bei 20min

super, frau toloy, sie machen das ganz gut. sie sind eine gute miss schweiz. sie setzen sich auf jedes noch so schepps in ihre wohnung gestellte sofa. ich hoffe, dass sie dieses teure ding nicht das ganze jahr rumschleppen müssen. oder es wenigstens behalten können.

gar nicht super macht ihr das, 20min, plumper kann man es nicht mehr machen. das sofa steht so schepps im raum, dass noch der letzte einrichtungsmuffel merkt, dass es da nicht hingehört.

und natürlich müsst ihr es noch von der rückseite zeigen, wo die krasse fehlverortung noch deutlicher wird:

klarer fall von productplacement, wenn auch schuderhaft plump gemacht. die frage, ob das den standesregeln der medienbranche noch gerecht wird, erübrigt sich. diese regeln werden heutzutage immer mehr verletzt. erstaunlicherweise selbst von ehemaligen qualitätsverlagen wie z.b. der tamedia. wie z.b. auch dieser fall zeigt.
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14. Oktober 2008

paul krugmann: erster blogger mit nobelpreis

a funny thing nennt der gute seinen nobelpreis. – paul krugman ist, so behaupte ich einfach mal, der erste blogger mit nobelpreis. zwar nicht fürs bloggen (haha), aber immerhin ist er einer von uns. einer ist immer der erste. wie moritz leuenberger weltweit der erste bloggende medienminister war (behauptung nr. 2). anyway: die sache kommt langsam in schwung … ;-)

via basic thinking
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facts 2.0 für big brother award nominiert


dr. bugsierer hats schon immer gesagt: das kommt nicht gut.

jetzt hat facts 2.0 resp. die tamedia auch noch eine nomination des big brother awards am hals (kategorie business). wegen mitlesens von privaten mails der user.

die gewinnerinnen und gewinner werden am kommenden samstag in bern bekanntgegeben.

wir halten die daumen.
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12. Oktober 2008

finanz 9/11: fragmentarisch rumdenken


mehr als ein bisschen fragmentarisch rumdenken zu diesem finanz 9/11 kann man ja nicht. zu volatil das alles. die nachrichten von soeben sind grad mal so relevant wie noch kürzlich die zeitung von vorgestern. verschiedene online medien haben auf die irre newskadenz an den zusammenbrechenden finanzmärkten reagiert und sog. krisenticker installiert. wie an sportveranstaltungen, wo die lage minütlich ändert. cool. ich schlage "krisenticker" zum wort des jahres vor.

als im oktober 1991 die spar und leihkasse in thun hopps ging, sinnigerweise auch im zuge einer immobilienkrise, ging ein beben durchs berner oberland, ein zittern durch die schweiz und ein raunen durch die weltmedien. damals standen die sparer auch in thun schlange vor den bankschaltern, wollten ihr geld und kriegten es nicht.

ein image gau für das hiesige bankwesen. man stand kopfschüttelnd und sprachlos vor ausgerechnet dem fiasko, das man gerade in der schweiz nie für möglich gehalten hätte. dass hier eine bank hopps gehen könnte, war schlicht nicht vorstellbar. hier nicht. man kann schliesslich auch das matterhorn nicht verschieben. unmöglich.

heute machen uns die geldsäcke geschossartig klar: thun war nur ein lauer wellnesskonkurs. heute crashen weltbanken und der rest der finanzindustrie wird gerade irgendwie verstaatlicht. innert tagen. falls die akut geforderten kleinstaaten nicht auch schon pleite sind, wie gerade island. wir erleben gerade weltgeschichte. wie toll.

im tagesanzeiger ein grosses interview mit 2 psychiatern. endlich mal ein anderer blickwinkel. tenor: die psychiatrischen dienste werden von bankern überrannt. ähnlich wie die edelnutten. gestrandete aus der finanzindustrie stürmen an beiden orten die sprechstunden. die zürcher ärzte betonen allerdings:

Es ist nicht die primäre Aufgabe der Psychiatrie, das Vertrauen in die Wirtschaft wiederherzustellen.

das leuchtet ein. trotzdem, dr. hättenschwiler dröselt auf, was in den finanzwirrköpfen gerade abgeht:

Der Mensch hat ein Angsthirn, und er hat ein Vernunfthirn. Unter normalen Umständen dominiert das Vernunfthirn das Angsthirn. Dann denken wir ruhig und handeln rational. Geschieht etwas Bedrohliches, schaltet sich jedoch das Angsthirn ein, mit der Folge, dass wir unter Umständen nicht mehr vernünftig denken können. Dann gibt es nur noch zwei Reflexe: Fliehen oder Kämpfen. Das Beruhigende ist: Panikreaktionen gehen vorbei, selbst wenn die Bedrohung sich nicht so rasch verzieht. Es gehört zu den Fähigkeiten der menschlichen Psyche, dass sie sich an Bedrohungen anpassen kann. Wenn Sie also nach einem Ratschlag fragen: Abwarten und den Kopf abkühlen lassen.

und:

Je ausgeprägter das Gefühl von Machtlosigkeit, umso grösser die Ängste. Hinzu kommt: Die meisten Leute verstehen nicht, was passiert. Zudem erhalten sie den Eindruck, dass selbst die Experten nicht mehr begreifen, was vor sich geht. Und was man nicht begreift, macht eben Angst.

soweit die herren psychiater. – hey, politiker, hier müsst ihr nachlegen, investieren, das schlimmste abfedern. sonst laufen euch die verwirrten geldsäcke aus dem ruder. (und überhaupt: die psychiatrischen dienste laufen eh schon seit jahren mit rasant steigenden frequenzen am limit. tut was, ihr schlaftabletten.)

tja, politiker sein möchte man in diesen trüben tagen schon gar nicht. meine güte – was für gigantische ideologische verrenkungen, die sich die meisten politker zu machen grad gezwungen sehen, kriegen wir da zu sehen. der hammer. da gibts für die psychiatrie sicher auch noch ein paar neukunden. so ist etwa der chef der kantonalen finanzdirektoren, christian wanner, quasi schon am rand der einlieferung. – im tagi interview sagt er:

Ich persönlich verspreche, das Beste zu geben, dass weder Sparguthaben noch Arbeitsplätze verloren gehen. Alle andern müssten dies ebenfalls versprechen. Das mag nicht nach sehr viel tönen. Aber derzeit weiss ich nichts Besseres.

aber ich, herr wanner: kaufen sie socken. am besten die hier:



sie erinnern sich an den swissair crash? soweit ich mich erinnere, hat der die kleinigkeit von irgendwas um 1 millarde gekostet. ein trinkgeld im vergleich zu den hunderten von milliarden, die heute auch in der schweiz zur disposition stehen. allein die stadt zürich rechnet wegen dem finanzcrash schon für 2008 mit 400 mio. weniger steuereinnahmen. ähnlich wird es andere städte treffen, die am tropf der geldsäcke hängen. tschüss kantonaler finanzausgleich, sagt herr wanner zwischen den zeilen.

alle am limit irgendwie. und die leidige schuldfrage steht auch noch latent im raum. man ist geneigt, jeden nachbarn, jeden arbeitskollegen, jeden kumpel, der an der börse gerade viel geld verliert, in sippenhaft zu nehmen. kann man das? oder sind das nur ahnungslose pechvögel, die nix anderes als die andern gemacht haben – nämlich den falschen geldsäcken vertraut. das ist kein verbrechen. aber sozialer sprengstoff, wie die oben erwähnten psychiater betonen.

nun, es ist klar, die politiker und die geldsäcke sind die verbrecher. sie haben den ganzen salat mit ihrer grenzenlosen und obszönen gier nach macht und geld schliesslich angezettelt. wider besseres wissen, sie waren gewarnt (wie übrigens bei den meisten anderen krisen auch). sie gehören zur rechenschaft gezogen.

ihr gebahren ist ja sehr bizarr. es kulminiert derzeit im wüstenstaat dubai. daniel binswanger im magazin:

Beelendend ist nur schon, wenn man sich die Ödnis des vermeintlichen Luxus-Biotops zu Gemüte führt, das im Wüstensand den neuen Standard für die Bedürfnisse der Superreichen setzen soll. Dubais Beitrag zur modernen Urbanität ist eine endlose Liste absurder Superlative: Wie viel Blattgold pro Luxussuite verbaut wurde, mit wie viel 1000 Dollar eine Hotelnacht zu Buche schlägt, wie tief ins Meer hinunter oder wie hoch in den Himmel hinauf Gastro-Restaurants oder Vergnügungsparks neuerdings gebaut werden können. Die Vorstellung, die globale Reichtumselite sei so unbedarft geworden, dass sie sich von diesen vollklimatisierten Retorten tatsächlich verführen lässt, ist als solche schon ein Albtraum.

dem möchte man anfügen: die geldsäcke in st. moritz und wollerau sind keinen deut besser.

die wortschöpfung finanz 9/11 wäre ebenfalls ein taugliches wort des jahres. was hat man sich darunter vorzustellen? nun, das in unsere köpfe eingeätzte sinnbild von 9/11 sind die einstürzenden twin towers. dramatisch zeitlupig fielen sie in sich zusammen. stockhausen sprach vom grössten kunstwerk der welt (und seine plattenverkäufe schnellten in die höhe).

finanz 9/11 meint mit dem sinnbild des einsturzes: wir kriegen eine art bankenfreie zone. bald besteht das ganze bankwesen nur noch aus einer simplen open source software, die geld rumschiebt und erspartes verzinst. der rest von all den obskuren finanzdienstleistungen ist im oktober 08 obsolet geworden. und mit ihm vieles anderes im wirtschaftlichen gefüge dieser welt. es muss alles neuaufgegleist werden. zurück auf anfang.

investieren sie in solarenergie. soll 10% rendite bringen.

oder in socken, am besten hier: