17. Oktober 2008

miriam meckel: professoral dilettieren 1.0


nicht nur die medienbranche hinkt der entwicklung im web hoffnungslos hinterher. auch in lehre und forschung döst man flott vor sich hin.

miriam meckel kennt man vor allem aus der klatschpresse, weil sie die lebensabschnittspartnerin von anne will ist, der deutschen moderatorin mit gleichnamigem wellnesstalk.

frau meckel ist:

Professorin für Corporate Communication und geschäftsführende Direktorin am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen, Schweiz und Beraterin für Kommunikationsmanagement und Public Affairs.

toll. kürzlich war sie gast bei focus. wo sie u.a. ausführlichst davon erzählte, dass sie selbstverständlichsterweise auch bloggt und twittert. das gehöre für sie ja quasi berufshalber dazu. finde ich auch.

also mal vorbeischauen was die frau kommunikationsprofessorin so macht im web

… und wiedermal die köstliche leere von purer ernüchterung spüren:

• ganz zuoberst, dort man wo auf jeder website eine art header findet, tut sie etwas, was schon lange out ist und v.a. die aufmerksamkeit vom eigentlichen kontent ablenkt: sie streamt zitate in jeden seitenaufruf. als ob das nicht schon schlimm genug wäre, ersetzt dieses uninspirierte pfadfindergimmick tatsächlich den ganzen header. kein wort darüber, wem diese website gehört, kein logo, keine wortmarke, nix. auf der ganzen startseite null absender. – für eine professorin in mediadings schon mal oberpeinlich.

• direkt darunter empfängt die gute ihre leser mit einem bild mit null professoralem anspruch. das könnte genauso gut eine sekretärin von procter & gamble oder eine nebendarstellerin in einer ärztesoap sein. weiter hinten, auf fünf von sieben unterseiten kommen dann noch weitere bilder, immer oben links. man bekommt schwer den eindruck, dass der frau professorin das rumschleppen in der klatschpresse gar nicht so unrecht ist.

• dann kommt der erste satz unter dem titel "worum es geht". nicht nur dieser titel ist irgendwie suboptimal: Hier habt Ihr die Gelegenheit, Eure Gedanken loszuwerden und neue Ideen in den Webdiskurs einzuspeisen. soso, loswerden + einspeisen. in den webdiskurs. aber klar doch. – man fragt sich unweigerlich, ob die publikationswütige superfrau ihre bücher wirklich selber schreibt. oder ihr blog von erstsemesterstudis gehandelt wird.

• dann, wir sind immer noch in der seitenleiste, kommt schon mal werbung für frau meckels neuestes buch. find ich für eine professorin etwas gar aufdringlich.

• heiter weiter gehts mit der erwähnung einer kruden auszeichnung, deren wertigkeit sich mir erst beim zweiten hingucker erschlossen hat. #berner

• gut ist, dass die startseite gleich mit dem blog losgeht (die website der zukunft wird ein blog sein, hat turi mal gesagt). aber wo sind hier die comments? ah ja, man muss den beitrag zuerst anklicken, dann kommen sie. hätt ich natürlich von anfang an getan, wenn ich unter dem beitrag standardmässig gelesen hätte: comments: 128.

• 128 comments? boah... aha, die studis speisen sich mit hunderten von beiträgen in den webdiskurs ein und werden ihr zeugs los. supi. und voten die frau professor bei diesem ominösen superblog award hoch. oder ist das eine unverschämte behauptung? egal, als professor würd ich so einen gevoteten klitschenpreis nicht mal zuhinterst in meinem blog erwähnen.

• die blogroll heisst bei frau professor links. auch gut, kann man machen. aber mit diesen links können sie es auch lassen frau meckel. spiegel online und die new york times finden wir auch sonst. motto: entweder eine gepflegte blogroll oder keine.

für eine professorin in kommunikationsdings doch etwas gar dilettantisch das alles, finde ich.

aber vielleicht läufts ihr ja bei twitter besser. dort kann man ja nicht viel falsch machen.

denkste. hier kommt das gewisse nichts in reinkultur: am 30. april 08 hat sie den account (mit ganzkörperfoto) eröffnet. seither gibts dort gerade mal 1 tweet und 38 followers. frau professor selbst followt vier leuten, darunter barack obama (2x) und hillary clinton. zudem, nennt sie sich hier plötzlich nicht mehr professorin für corporate communication, sondern professor for media management. wie jetzt? schon mal was von corporate wording gehört? MAN MUSS ES ÜBERALL GLEICH HINPAPPEN, FRAU MECKEL.

irgendwie passt es, dass die frau professorin auch noch in der jury für den deutschen fernsehpreis sitzt, der von reich-ranicki kürzlich grandios abgelehnt worden ist, weil da grösstenteils nur schrott ausgezeichnet wird. interessant, wie sie in dieser jury dem alten oberlästerer kontert. irgendwas von qualität steht da.

natürlich schreibt sie zu dieser brisanten story auch in ihrem blog einen eher tv-freundlichen eintrag (119 comments). ganz ohne disclosure. qualitativ nicht sauber, frau mediadings. (und das ausrufezeichen im titel ist sowas von bäähh...., ums mal kommunikativ in der gassensprache zu sagen).

ich werde jetzt glaubs auch professor. doktoriert wurde ich ja schon. kennt jemand ne passende uni?

bis es soweit ist, frau meckel, empfehle ich ihnen dringend das hier.
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Kommentare:

  1. ich glaube, frau professor hat sich bei mir inspirieren lassen: Porträt ist wichtig, Ausrufezeichen eine Botschaft!!!
    Aber dass sie sich schämt, auf La Triperie zu verlinken - das finde ich jetzt gar nicht mehr gut!!!

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  2. exgüse, ich bin's nochmal, weil das muss ich noch loswerden: Dieser Award!!!! Hahahaha. Gehört zu einem Einkaufszentrum? Brüll - ich kann nicht mehr!!!! Sorry!!!!! HiHiHiHiHi schon lang nicht mehr so gelacht seit ich in den 80ern beim NewWaveCoiffeur war!!!!

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  4. Bugsierer...
    ganz anderes Thema...
    würdest du als mein Mentor nicht einen Gastblog bei mir hinterlassen wollen...
    ich möchte diese Woche viele Gastblogs veröffentlichen, da ich selbst für die Wahlen von kommendem Sonntag alles gesagt habe...
    oder so...

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  5. Ein typischer Bugsierer-Post wie man ihn gerne liest.

    Die ganze Sache beweist einmal mehr, dass ein tolles Diplom an der Wand noch lange keine Garantie dafür ist, dass die Diplomierte auch Talent hat... (darüber mag auch der Publikationsaktivismus nicht hinweg täuschen).

    Übrigens, an der Uni für unterhaltende Schreibkunst und kritische Blicke in Bloggerian suchen die noch angehende Professoren...

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  6. Ich kann ja einige Kritikpunkte nachvollziehen. Aber:

    "direkt darunter empfängt die gute ihre leser mit einem bild mit null professoralem anspruch."

    Wie sollte ein Bild mit professoralem Anspruch denn aussehen? Brille, Dutt und die Reitgerte in der Hand, um die professorale Strenge auszustrahlen? Sorry, diese Kritik ist platt und dumm.

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  7. @ ch: zugegeben, etwas unglücklich formuliert. aber mit einem guten fotografen kann man da sicher noch optimieren.

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  8. Kritik darf sein, aber ich glaube Sie sind ein bisschen neidisch, misgünstig auf die Professorin ...

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