28. Juli 2006

Floyd Landis: Nerven wie Drahtseile
























Für die meisten Veranstaltungen wäre das ein Gau von jener Sorte, der eine Marke für lange Zeit in der Versenkung verschwinden lassen kann. So wie seinerzeit beim Weinskandal in Oesterreich, nach dem für viele Jahre fast niemand mehr im restlichen Europa österreichischen Wein trank. Ob es für die Tour de France auch ein Gau mit solch dramatischen Auswirkungen wird, ist fraglich. Sie ist ein Koloss unter den Sportevent-Marken.
Interessanter erscheint mir im Moment die Nervenstärke von Floyd Landis. Vor der Tour der Megaskandal in Spanien, dann das konsequente Durch- greifen der Tourleitung: ein Viertel der ganzen Fahrerfeldes wird ausgeschlossen, inkl. eine handvoll Favoriten. Ein richtiger A-Skandal, er gibt weltweit zu reden. Nicht im Sportteil, auf den Titelseiten.
Greg Landis darf starten. Wenn er gedopt war (die B-Probe steht noch aus), dann muss man dem Mann wenigstens ein Kränzchen winden: Er hat Nerven wie Drahtseile. Da tobt direkt vor seiner Nase der grösste Dopingskandal in der Geschichte der Tour und Landis spaziert an den Start, als ob nichts wäre. Fährt die Tour, gewinnt sie in der 17. Etappe fulminant und steht dann in Paris strahlend auf dem Podest. Gedopt. Aber er lächelt weiter und posiert sogar kaltblütig mit dem stolzen Andy Rhis, dem auf der letzten Phonak-Tour sein erster Toursieg geschenkt worden war. Kaum auszudenken, wie der jetzt, vier Tage später, in seinem Büro in Stäfa rumtobt.
Ziemlich kaltblütig, sowas. Mit was ist das zu vergleichen? So in Sachen Nervenkitzel? Ein Banküberall? Ist gegen das Husarenstück von Floyd Landis ein Nasenwasser. Kurze Aufregung, grosse Gewinnaussicht. Krieg führen im Irak? Für einen Profiblender wie Bush kein Problem. Heimlich alle Microsoftaktien aufkaufen? Wäre thrilltechnisch auch nicht schlecht. Wir sehen: Floyd Landis ist wenigstens in Sachen Nervenstärke der Master. Wobei man ja sagen muss, dass es auch für den mentalen Bereich wunderbar effiziente Präparate gibt. Werden die Herren eigentlich auf Kokain getestet?
Bei aller Aufregung muss hier auch gesagt sein, dass auf der Tour gedopt wird, seit es sie gibt. Vom Absinth über Opium bis zu Epo hat man dort schon alles ausprobiert und vieles mit Erfolg angewendet. Hätten all die Fahrer jeweils die Verpackung ihres Präparats fotografiert, könnte ich jetzt locker die Dopingbox Collection aufziehen und dann hätte ich schon drei Blogs. Ungedopt.
(Karikatur geklaut bei: www.karikatur-cartoon.de)

Gratis für Blogger: Mindjet Mindmap

Zur Abwechslung mal was Seriöses und höchst Erfreuliches: Bei Yoda stand zu lesen, dass nun endlich auch Blogger in der Schweiz von Firmen beschenkt werden, um so ihre Produkte bekannt zu machen. Der Branchenleader in Sachen Mindmapping-Software lanciert jetzt in der Schweiz eine Web-Log-Initiative und verschenkt seine Software an aktive Blogger. Clever. Sehr clever.

Konkret:
Mindjet ist überzeugt, dass Blogs die Kommunikation revolutionieren und herkömmliche Grenzen zwischen informeller und formeller Kommunikation nachhaltig aufweichen. Für diese Online-Medienschaffenden bietet Mindjet die Möglichkeit, die MindManager Software für die Windows- oder Mac-Plattformen kostenlos zu beziehen.
Mit Mindjet MindManager können Blogger im Brainstorming und bei der Erarbeitung ihrer Artikel schnell Informationen erfassen, strukturieren und kommunizieren. Diese Informationen können durch Hyperlinks zu Webseiten, E-Mail-Adressen, Office-Dokumenten oder Mediadateien direkt in der Map angereichert werden. Die Stärke der MindManager Software liegt vor allem in der Umsetzung der Informationen in konkrete Web-Logs.

Very clever. Ein wenig mehr konzeptioneller Background könnte vielen Bloggern nicht schaden. Gut, ich hab für dieses Blog auch kein Konzept gehabt, sondern mich als krasser Neoblogger einfach mal ins kalte Wasser gestürzt. Aber für dieses Blog hatte ich ein Konzept. In meinem Kopf. Dazu brauchte ich keinen MindManager. Aber das ist die Ausnahme. Weil die Idee zur Ashtray Collection aus einer Sammlung entstanden ist, die wie folgt entanden war: Immer, wenn ich die Bilder von der Digicam auf den iMac überspielte, machte ich im neuen "Film" jeweils ein Bild von meinem Aschenbecher. Dann je eines von den anderen, die herumstanden. Ein Spleen. Dann wars plötzlich eine Sammlung und von dort nicht mehr weit bis zu meiner neuen Spezialitätenbloglaube.

Soweit zur Ausnahme. Die Regel ist, dass man ein Konzept braucht. Wofür auch immer. Selbst Luigi hat ein Konzept. Manchmal braucht man auch eher ein Projekt. Ein schriftliches, um Leute zu überzeugen oder um sich klar zu werden, was man will und was man kann oder nicht kann. Ich mache mir manchmal Mindmaps, sehr simpel auf einem A4-Blatt, oft mit guten Resultaten, manchmal mit sehr guten.

Super, dachte ich also, ich will ja schon lange mal ernsthaft elektronisch mindmappen. Ich hab also noch gestern Abend ein kurzes mail losgeschickt und schon heute kurz nach 14 Uhr nicht nur eine freundliche Antwort bekommen, sondern gleich einen Downloadlink plus Lizenzschlüssel. Wow, smart.

Leider hat die Sache einen kleinen Hacken: Der MindManager läuft nur mit dem Tiger, nicht mit dem Panter. Sagt der nette Mann vom PR-Büro, das die Lizenzen in der Schweizer Blogospäre verteilt. Tja. Schade. Ob's nicht vielleicht doch läuft? Vielleicht sagen die ja nur, das es nicht geht. Runterladen? Probieren? Das wäre ein Knüller, wenns ginge. Würd ich sofort bloggen. Schon nur wegen dem Traffic. Also probierte ich. Und war wohl nicht der einzige Blogger, der sich bei Mindjet seine Gratislizenz runterladen wollte – in der Hälfte hängte sich das zähflüssige Downloading an den Entlastungsnagel. Im Moment läuft gerade der 2. Versuch.

Henusode. Yoda kann seine Lizenz auch nicht einsetzen, er funzt Ubuntu. Das kann man ja noch nachvollziehen, dass die Linux-Klientel nicht die primäre Zielgruppe von Mindjet ist. Aber ein Panter? Da sind doch noch einige in Betrieb, meine Herren. Zumindest in der grafischen Branche, wo vielerorts das gute alte QuarkXpress noch zum Einsatz kommt, das auf Tiger eben nicht funzt.

Wie auch immer. Es bleibt eine höchst erstaunliche und positive Aktion mit ziemlich viel Win-Win-Charakter. Immerhin kostet Mindmap je nach Version zwischen 250 und 350 Euro. Leistet sich nicht jeder, und schon gar nicht jeder Blogger. Sicher braucht nicht jeder Blogger einen MindManager. Aber für die, die nicht nur ihren persönlichen Trash ins Netz stellen, sondern an diesem Web2.0-Dingens interessiert sind, kann MindMap sicher nicht schaden. Ich hab mal ein Mindjet MindMap gesehen von einem 50-Millionen-Projekt. Einem echten! Von einem besessenen Unternehmer. Das Teil war einsfünfzig breit und zweineinhalb Meter hoch, er hat es mit einem Plotter ausgedruckt. Der Wahnsinn. Der Mann hat sein Industrieprojekt bis zur letzten Schraube auf zwei Quadratmetern aufgezeichnet. Bis zur letzten Schraube. Jahrelang hat er daran gearbeitet, immer wieder, immer detaillierter ist das Projekt geworden, er hat es realisiert und nicht aufgehört, weiter an seinem Mindmap zu schrauben, seine Company weiterzubringen, weiterzuentwickeln.

So heavy hätte ich ja nicht einsteigen wollen. Aber so die eine oder andere Idee für eine Spezialitäten-Bloglaube hätte ich da noch. Nach nur drei Monaten Bloggen hab ich jetzt schon zwei Blogs im Netz. Das ist ja schon so ne Art von Blogwerk. Im Kleinen. Ab wievielen Blogs ist man ein Blog-KMU? Wurde das schon definiert? Gibt's dazu schon ein Wiki? Also zwei Blogs sind natürlich schon anstrengender als ein Blog. Schon nur die Anmelderei für das Readerswatching und dieses Technokrati – ach, ich fummle einfach nicht gern in solchen Geräten rum. Plötzlich will da wieder einer seinen HTML-Code in meinen reinkopieren, igitt wie intim, da bin ich misstrauisch, da versteh ich zu wenig von (vom Code, nicht vom Int...). Anyway, was ich eigentlich sagen wollte: fürs geschwätzige Private-Proll-Blogging braucht man den MindManager nicht.

Darum verteilen die PR-Jungs von Mindjet die Lizenzen wohl eher selektiv. Würde wohl auch übers Ziel hinausschiessen, wenn die jedem Stubenblogger eine Lizenz hinterhermailen würden. Bei mir aber wäre das Teil gut aufgehoben und wenn es nicht schwerer zu kapieren ist wie ein Word, würd ich es sicher auch benutzen und ab und zu davon schreiben. Aber das gute Stück läuft nicht. Ich habs probiert. Es tut keinen Wank. Es liegt im Applications-Ordner und reagiert auf Doppelklick null. Kein Fenster geht auf, kein Startversuch, nichts. Sie haben die Wahrheit gesagt, es läuft nur auf Tiger. Ist irgendwie auch symphatisch.

Das Symphatischste an der für mich leider gescheiterten Aktion war aber, dass ich die Gratislizenz bekommen habe, obwohl ich mich "nur" unter meinem Nickname Der Bugsierer, also ohne meine wahre Identität um eine Lizenz beworben hatte. Das ist ziemlich cool. Das ist ziemlich Web 2.0.

26. Juli 2006

Leu hat sich geoutet: Ein Heavy-User

Schon am ersten Tag eine Empfehlung von leumund himself für die neu lancierte ASHTRAY COLLECTION. Wow.
Auffallend dabei: Seine Outing-Serie dauert nun schon den zweiten Tag. Gestern hat er in einem längeren Beitrag bekannt gemacht, dass er zu Hause keinen Internetanschluss mehr hat: "Auf eine längere Zeit. Mit dem Ziel kreativer zu sein und die Zeit effizienter zu nutzen.". Dieser Wunsch ist verständlich, bei seinem Output in den letzten fünf Jahren.
Heute nun outet er sich in seinem Beitrag über die brandneue Ashtray Collection auch noch als "süchtiger Raucher". Zwar gibt er das nur zwischen den Zeilen zu, aber es wird deutlich: Er ist der klassische heavy-user, der herr Leu. Wir sind gespannt auf seinen Aschenbecher.

NEUES MITMACH-BLOG MIT/FÜR RAUCHER

Medienmitteilung:

Guten Tag

Nein, das ist keine Guerilla-Marketing-Aktion eines Tabakmultis. Obwohl es eine... – ach, lassen wir das.

Ja, das ist ein Lanzen-Brech- und Mitmach-Blog für Raucher und ihre Aschenbecher.

ANSATZ

> Erstens:
Der Aschenbecher – nach Feuerzeug und Streichholz das wichtigste Accessoire des gemeinen Rauchers – führt ein
klägliches Mauerblümchendasein. Er wird in seiner soziokulturellen Bedeutung unterschätzt.

> Zweitens:
Der Raucher als solcher steht heute im Ruf eines rücksichtslosen Unmenschen und sieht sich einer zunehmend absurden Verfolgung ausgesetzt.

Beidem wollen wir mit einem neuen Blog einen kleinen und augenzwinkernden Kontrapunkt entgegensetzen.

Die Kurzformel für unser KONZEPT könnte lauten:

> Der Aschenbecher und sein Raucher

Fast jeder Raucher hat seinen Lieblingsascher. Oder mehrere. Manche pflegen ihr Gerät wie andere Leute ein schönes Weinglas. Viele haben zu einem oder mehreren ihrer Aschenbecher eine persönliche Geschichte. Oft sind es Objekte der Erinnerung. Nicht selten Objekte mit einer starken persönlichen Symbolkraft.

Die meisten Raucher wählen sich ihre Aschenbecher zu Hause oder im Büro sehr bewusst aus. Zudem muss man sie fast nie austauschen, weil sie ihren Dienst Jahrzehnte zu verrichten im
Stande sind. Aber man kann. Wenn im Leben plötzlich ein neuer Ascher auftaucht, mit einer schöneren oder bedeutenderer Erinnerung, mit einer anderen Funktion vielleicht. Das ist eine
Kultur.

Mit der ASHTRAY COLLECTION wollen wir diese Kultur dokumentieren. Von möglichst vielen Rauchern aus aller Welt. Aber fangen wir mal klein an. Mit einer Vorlage von zehn
Aschenbechern und ihrer Geschichte. Dann lassen wir es wachsen. Ohne Businessplan.

Ich bin Ihnen dankbar, wenn Sie die dieses neue Blog ihren Möglichkeiten und Ihrem Gusto folgend kommentieren, kritisieren, empfehlen und verlinken.

> Wenn Sie das tun, schicken Sie mir doch bitte eine kurze Mitteilung, damit wir in unserem "Medienecho" darauf hinweisen können.

Ich freue mich auf Ihren Besuch in der Ashtray Collection.

Für Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Zögern Sie nicht, mir zu schreiben.

Mit besten Grüssen

Der Bugsierer

25. Juli 2006

Ist Zgraggen Schagg gedopt?

Ein Topblogger, dieser Zgraggen. Ich blogge das jetzt nicht, weil ich sonst nichts zu bloggen hätte. Ich hätte haufenweisen zu bloggen. Aber das blogge ich erst übermorgen. In einem anderen Blog. Aber das ist eine andere Geschichte. Hier geht's jetzt um den Zgraggen Schagg. Er befindet sich seit einigen Tagen in einer absoluten Hochform. Unglaublich. Jeden Tag ein post, jeden Tag ein Brüller.
Gestern hat er eine sehr delikate britische Studie in fünf Haupt- und zwei Nebensätzen zu einem wahren Kabinettsstück gemacht. Vorgestern gab's den 3. Teil seiner Serie "Bergbauern – überall im Weltall" und zwar mit einer Pointe, die sich gewaschen hat. Da kann noch mancher Profisatyriker in Funk und Fernsehen sich was abschneiden davon. Vorvorgestern hat er den Weg, den Roger Köppel mit der Weltwoche gehen wird, mit dem der Bergbauern verglichen – bergab.
Der Zgraqggen Schagg publiziert jeden Tag 1 x. Meistens nur eine handvoll Sätze. Er ist ja nicht nur Blogger, sondern vor allem Bergbauer. Ein Urner erst noch. Als der Gotthardtunnel und damit die ganze Nord-Süd-Achse Palermo Amsterdam nach dem Bergsturz kürzlich wieder eröffnet wird, schreibt er nur zwei Sätze, aber die habens in sich:
Am nächsten Freitag geht die Gotthard-Autobahn wieder auf.
Bei mir geht dann das Schlafzimmer-Fenster wieder zu.

Extrem träf, der Bursche. Ob Internet-Zensur in China, Benzinpreis, Wildverbiss, 88-Gipfel oder oder über "seinen" Herr Dr. Blocher, er bringt immer eine träfe Pointe. Ich stelle mir manchmal vor, wie er das als Bergbauer macht mit der Bloggerei. Steht er in aller Herrgottsfrühe auf, melkt seine Kühe, bringt den Mist auf den Mist und setzt sich dann in die Küche zum Frühstück? Dort liest er vielleicht die Zeitung und verschafft sich einen Überblick über die heissesten News des Tages. Vielleicht macht er sich auch nur einen Kaffee und setzt sich an den Computer und liest dort die News und macht sich ein paar Notizen. So machen die das bei 10vor10 auch. Irgendwie.
Jedenfalls kommt dann gegen Mittag meist der erste Beitrag in seinem Blog. Manchmal wird es auch Nachmittag, hin und wieder auch Abend. Manchmal gibt es auch zwei pro Tag. Immer sind es nur ein paar Sätze, die aber gut getunt sind und oft ist die Pointe ein Brüller. In den letzten Tagen war es nicht nur oft, sondern immer. Ist der etwa gedopt?
Hat er einen Ghostwriter? Kaum. Welcher Topsatyriker kann sich schon in einen Urner Bergbauern reindenken? Unmöglich. Und wovon sollte er sowas finanzieren? Kosten ja wie Anwälte, diese Topsatyriker. Und die Vorstellung, der Zgraggen Schagg würde irgendwelche Direktzahlungen vom Bund an eine Satyreagentur in Dübendorf umleiten, ist ja auch absurd. Klar, bei den Bauern kann man nie wissen. Einige von denen haben schon für ganz andere Dinge Kohle umgeleitet. Aber der Zgraggen? Neiiin, der ist momentan einfach in einer Topform. Den solltest Du lesen. Täglich.

24. Juli 2006

For Smokers Only – Part III

Der Testmarkt hat quasi angebissen. Die Reaktionen auf meinen neuen Mitmach-Blog sind gut bis begeistert. Ein paar Mitmacher und eine Mitmacherin haben sich auch schon gemeldet und einen entsprechenden Beitrag geliefert. Soll ja schon bisschen was drinstehen, wenn ich das Ding am kommenden Mittwoch an den Start schicke.
Mitmachen dürfen vor allem Raucher. Ganz gleich ob Zigaretten-, Cigarren- oder Pfeiffenraucher. Für die Nicht- und Mitraucher wird es bisserl schwieriger, aber sie dürfen auch.
Nein, es geht nicht um Werbung fürs Rauchen, aber auch nicht dagegen. Es geht auch nicht um verkappte Nikotin-PR. Es geht aber sehr wohl darum, dieser unsäglichen Raucherhatz einen witzigen und lustvollen Kontrapunkt entgegenzustellen.
Denn die ganze Antiraucherkampa ist ja schon äs bitzeli übertrieben. Es gibt ja noch viele andere schlimme Dinge:
Die EG-Gesundheitsminister:
Der Verzehr von Fett, Zucker, Alkohol, die Benutzung von Verkehrsmitteln, Leistungssport, Skifahren, Bergsteigen, ungeschützter Sex, das Essen in vielen Restaurants, Abmagerungskuren und Nasebohren, Rauchen, Reisen und fast alle anderen Tätigkeiten des Menschen gefährden die Gesundheit.

Dieser neckische Text steht als Begrüssungsformel auf der hochinteressanten Website Die Geschichte des Rauchens von Karl Pawek.
Henusode. Am kommenden Mittwoch werde ich die Kippe aus dem Ascher lassen. Wer sich bis dahin noch in der Startercrew verewigen möchte, meldet sich bei bugsierer@gmail.com.
Siehe auch Part II.

23. Juli 2006

Wort zum Sonntag II

Gestern am frühen Abend war plötzlich – nach einem kurzen und heftigen Gewitter – der Strom weg. Im ganzen Quartier. Scheisse, dachte ich – was jetzt? Da erinnerte ich mich an meinen Aufenthalt in Beira, der zweitgrössten Stadt von Moçambique, an der südlichen Ostküste von Afrika. Ich war nur drei Wochen dort. Zu Besuch bei einem Freund, der dort lebte, darum war es um so intensiver.
Beira hat zwischen 200 - 300'000 Einwohner, so genau weiss das niemand. Die meisten davon leben ohne Strom, ohne Wasser (im Haus), also auch ohne sanitäre Anlagen. Mozambique ist eines der ärmsten Länder der Welt. Es gibt es 52% Analphabeten. 1.2 Millionen AIDS-Kranke. 21% Arbeitslose. 70% der Bevölkerung leben an der Armutsgrenze. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt knapp 40 Jahre. Weit verbreitet (very high risk) sind Diarrhöe, Malaria, Hepatitis, Typhus, Pest und Bilharziose. Einwohner total: 19 Millionen. Internet user: 138'000 (in der Schweiz sind es knapp 5 Mio.).
Es gibt in Moçambique praktisch keine Touristen, schon gar nicht in Beira. Ich fand dort nicht mal eine Postkarte. Hier gibt's von jedem Bauernkaff eine. Ausländer in Beira sind entweder Mitarbeiter von Entwicklungsorgansiationen oder mehr oder weniger dubiose Geschäftemacher (Import/Export). Kleiderläden z.B. gibt es in dieser grossen Stadt praktisch keine. Die Leute decken sich weitgehend mit gespendeten Waren aus Europa ein. Spital gibt es in Beira gerade mal eines, die Warteschlange davor ist jeden Tag 500 Meter lang und es ist das einzige im Umkreis von 500 km.
Ziemlich happig das alles. Wenn man es nicht selber gesehen hat, weiss man von gar nix. Wenn du da drin hockst in so einer verlorenen Stadt, bist vor allem einmal sprachlos. Es ist rundum heavy. Mindestens 10 mal am Tag dachte ich: die werden den Anschluss an europäische Standards nie schaffen. Nie. Unmöglich.
Die Portugiesen haben das Land anfangs der 70er fluchtartig verlassen müssen und haben alles mitgenommen. Alles, was sie mitnehmen konnten. Da war keine klapprige Schreibmaschine mehr im Land. Die Portugiesen hatten flott gelebt dort. Mitten in Beira haben sie – vor ca. 100 Jahren– ein Grand Hotel gebaut. Ein wunderschönes Gebäude (siehe Bild oben). Direkt am Meer gelegen, mit Tennisplatz, Swimmingpool, Park und Golfplatz in der Nähe. Es war eine Topadresse im südlichen Afrika. Ein Paradies für die Kolonialherren, vor allem reiche Engländer aus Zimbabwe, wo es kein Meer hat.
Heute leben in diesem ehemaligen Grand Hotel ca. 1'000 Obdachlose (siehe Bild unten). Es hat dort weder Strom noch Wasser noch Fenster noch irgendwas. Aber es hat ein Dach. Noch. Immerhin.
Mein Freund, den ich in Beira besuchte, lebte in einem Viertel, wo alle Europäer leben, wo das Wasser- und Stromnetz erstens vorhanden und zweitens noch eingermassen intakt war. Wasser gab es aber nur morgens zwischen 8 und 10 Uhr, dann wurde es abgestellt und in ein anderes Quartier gepumpt. Man musste sich täglich mit Kübeln und Kanistern einen Vorrat anlegen. Stromausfälle gab es regelmässig. Hier gibt es das alle paar Jahre, wenn überhaupt. Dort jede Woche. Und wir taten jedes mal das gleiche: wir tranken die kalten Biere aus dem Kühlschrank weg, solange sie noch kalt waren. Denn man wusste nie, ob der Strom in 2 Stunden oder in 2 Tagen wieder kommt.
Daran dachte ich gestern Abend, als hier plötzlich der Strom weg war. Also ging ich zum Kühlschrank, setzte mich zu Luigi und wartete, bis der Strom wieder da war. Es dauerte eine knappe Stunde. Keine Chance, den Kühlschrank leerzutrinken.

22. Juli 2006

Voilà: Herr Gott hat mich erhört

Endlich Wasser. Von oben. Super frisch. Original nass. Dazu eine kühle Brise. Sofort alle Fenster aufreissen und die träge Hitze aus der alten Hütte blasen. Eine Flasche Wein aufmachen. Raus zu Luigi aufs Raucherbänkli. Dem symphonischen Klang der Regentropfen lauschen. So guet. Er hat mich erhört, der Herr Gott. Danke, herr Gott. Hat zwar ein bisschen lange gedauert, aber immerhin. Ich werde Sie und Ihre Crew weiterempfehlen.

Grandios: Bildlegenden-Contest

Diese Idee find ich einfach grandios. Wieder mal gibt's drüben beim Waschsalon einen Bildlegenden-Contest. Bei der letzten Ausgabe hat meine Wenigkeit (fast) gewonnen. Leider ist beim Waschsalon das Bild von damals nicht mehr vorhanden, nur noch die Einsendungen. Dafür kann man es bei mir noch sehen.

21. Juli 2006

Ich nenne ihn Luigi

Er ist immer noch da. Den ganzen Nachmittag schon. Hockt eine Stunde auf dem einen Blatt, dann eine halbe auf einem andern. Immer schön am Schatten. Ich nenne ihn Luigi. Weil er wie ein Italiener ist, der den ganzen Nachmittag auf der gleichen Piazza sitzt und nur ab und zu den Tisch wechselt. Zwar sitzen Italiener bei weitem nicht so stoisch und regungslos an ihren Tischchen auf der Piazza, aber der Käfer ist ja kein richtiger Italiener. Er tut nur so. Bekommt jede gute Stunde was von meiner Zigi ab, guckt sich die Gegend an und geht dann wieder ein Blatt weiter. Immer auf dem gleichen Geranium. Und denkt sich seine Sache. Hier hat er seine Ruhe. Kein anderes Getier weit und breit. Keine Feinde, keine Futterneider, keine Menschenschuhe, kein Stress, keine Lämpen, kein gar nix. Nur ich und die Zigi. Ansonsten hat Luigi das Fenstersimms und das ganze Granium für sich allein. Das gefällt ihm. Die Aussicht ist auch okay. Ausser dem Mercedes, der da parkiert ist. Luigi hätte lieber einen Lancia. Oder noch besser ein Fuder Heu. Aber wer parkiert hier schon ein Fuder Heu? Totalmente impossibile. Bei meiner Vieruhrzigi hat er mir von hinten in die Zeitung geschaut. Heavy, diese Benzinpreise. Und dieser Köppel. Wo der nur die Kohle her hat, um sich ne ganze Zeitung zu kaufen? Luigi ist froh, dass ihm das alles am Arsch vorbei geht. Luigi hat ein gutes Leben. Verhockt Nachmittage auf einem Granium, rollt mit den Augen, vibriert sich die Hitze aus dem Panzer, schweigt Löcher in die Luft und wechselt dann wieder das Blatt. Gut – er hat auch seine Probleme. Zum Beispiel die steinalte Ente in Nachbars Garten. Degoutant. Oder die Kinder von gegenüber. Die haben ihn kürzlich in ein Glas gesperrt und einen ganzen Tag an der brütenden Sonne auf dem Gartentisch stehen lassen. War eine Affenhitze da drin. Und der Blick nach draussen wie durch ein umgekehrtes Fernrohr. Total schräg ist ihm das eingefahren. Luigi hat nichts gegen Kinder, aber das war zu viel. Heavy traumatisch. Seither schläft er schlecht. Aber das wird schon wieder, denkt Luigi. Er kennt das. Grenzerfahrungen halt. Wie damals, als von oben ein heavy Stück Scheisse geflogen kam und ihn halb zudeckte. Seither geht er nicht mehr auf die Matte, wo die Guschtis weiden. Die können ihn mal. Da hockt er lieber auf dem Granium und schaut sich den Mercedes an.

Was es alles so gibt...

Er sitzt da und tut nix. Ich sitze auf dem Raucherbänkli vor dem Haus, hinter mir ein Chischtli mit Geranien. Dort hockt er gemütlich auf einem Blatt. Raucht mit. Wartet. Schaut sich die Gegend an. Lässt die Fühler vibrieren ab und an. Tut sonst keinen Wank. Hält ev. Ausschau nach was zu essen. Vielleicht ist er Vegetarier und frisst demnächst das Graniumchischtli leer. Seine Hinterbeine sind der Hammer. Muss ein Weitspringer sein.
Was es alles so gibt...?

20. Juli 2006

For Smokers Only – Part II

Meine Entwicklungsabteilung brütet. Nicht vor Hitze, sondern vor dem neuen Projekt unter dem Arbeitstitel "For Smokers Only". Es gedeiht in der brutalstmöglichen Sommerhitze zu einem veritablen Lustobjekt. Das Grundsätzliche ist gefixt, jetzt geht's ans Eingemachte. So viel kann ich schon mal verraten: Für dieses Vorhaben ist meine kleine Bloghütte zu klein. Wir werden ein Schwester-Blog eröffnen. Wir haben es schon aufgesetzt, basteln an einer Art Redaktionskonzept, versorgen es mit Vorwort und Mitmachanleitung, mit spannenden Links und was es halt an Kontent noch so braucht, um die geneigten Leser zu verwöhnen.
Wie gesagt: Es ist ein Mitmachblog und soll von den Rauchern dieser Welt gefüttert werden. Ja, von den Raucherinnen auch. Darum suchen wir noch immer ein paar vertrauenswürdige Menschen aus der näheren und ferneren Blogsphäre, die für den Launch in ein paar Tagen schon mal was anliefern. Was genau erfährst Du hier: bugsierer@gmail.com. Und dann wirst Du zu den ersten gehören, die sich in einer einmaligen, exklusiven, lustvollen und wunderbaren Smokers-Community die Hand reichen. Ruhm und Ehre wird über Dich hereinstürzen – Deine Enkelkinder werden begeistert sein. Go for it!