du willst mit deiner 16metersegelyacht jahrelang um die welt segeln und hast nicht genug geld dazu? kein problem: mach kinder und mach charity. so schipperst du jahrelang sorgenfrei auf den weltmeeren rum.
so gehts:
mit mehreren kindern auf einer segelyacht unterwegs zu sein und diese womöglich auch noch auf hoher see zu gebähren – das ist ein superber aufhänger für alle medien dieser welt und damit die basis deines geschäftsmodells schlechthin. kinder sind für medien immer gut, kinder auf einer segelyacht noch viel besser.
diesen medien tischst du als feigenblatt deiner mehrjährigen ferienreise ein möglichst pfiffiges charity projekt auf. es spielt keine rolle, woraus das besteht oder was es unterstützt, hauptsache charity.
wichtig ist, dass die idee einfach ist. z.b. so: sammeln von abfall an den schönsten badestränden der welt, dortiges absingen eines alpsegens, testen und promoten von schweizer green tech an bord.
deine segelyacht taufst du "mutter erde" und das ganze projekt nennst du "top-to-top". du verkaufst dein dings als, sagen wir... "global climate expedition". "expedition" tönt immer gut. dieser zeitgeistige slogan berechtigt dich automatisch, deine website mit einem unep logo zu dekorieren (United Nations Environment Programme).
du bist damit deine eigene, von höheren instanzen heiliggesprochene umweltkampa und kannst von nun an auch volunteers anheuern, die dir das deck schrubben, die takelage ölen und die kombüse in schuss halten.
ab und zu gehst du in schulen, vorzugsweise irgendwo am ende der welt, und gibst dort den kindern mit ihren tränendrüsigen kulleraugen crashkurse über abfallentsorgung – das ist gut für das klima und die kameras. ab und an steigst du auf hohe berge, wo du wiederum einen alpsegen gen himmel schmetterst – das ist noch besser für die kameras.
achte immer darauf, dass du vor der kamera stets dein kampa-shirt an hast und dass dich die reporter mindestens einmal beim beten mit deinen kindern am familientisch abfilmen.
mit der zeit hast du genug stoff beisammen für ein buch. und wer ein buch hat, hat auch genug stoff für gelegentliche vortragsreisen, die heute aber multivisionsshow heissen. für die promotion deines climate dings jettest du also gerne auch mal klimabereinigt in die schweiz, um hier in mehrzweckhallen die einkünfte von deinen main sponsors, partners und donors sinnvoll abzurunden.
die säle werden brechend voll sein. denn ein solch trändendrüsiges package inkl. süffigem abenteuer approach kaufen dir heute selbst sog. seriöse infotainment gefässe wie 10vor10 GENAU SO ab. sie verzichten sogar darauf zu erwähnen, dass dein drei monate alter säugling ein angeborenes nierenleiden hat und gerade kürzlich notfallmässig – a sort of – von der rega in die schweiz geflogen werden musste.
von solchen petitessen lässt man sich aber in einer anständigen infotainmentsendung den charitymodus nicht unterbrechen. heute haben ja selbst leute wie gadaffi ein charity projekt, wer könnte da schon dagegen sein. überhaupt: infotainment ohne charity ist schon fast eine seltenheit und das showbiz funktioniert ohne charity auch nur noch bedingt.
mit anderen worten: wenn du es richtig machst, ist das finanziell sorgenfreie umrunden der welt mit deiner 16meteryacht keine hexerei mehr. denn, liebe wellnessweltretter, charity ist heute nicht mehr nur ein marketingkanal neben anderen, sondern ein businessmodell an sich.
und das beste: ob deine charity idee aus dem leerschaufeln der sahara oder oder dem einbetonieren des leutschenbach besteht, egal, es wird niemand blöde fragen stellen.
vom wunderbaren google dienst street view befürchten ja einige zeitgenossen, er würde ihre privatsphäre knapp über der schmerzgrenze touchieren. so hat auch in der schweiz der oberste datenschutzbeauftragte in sachen street view das bundesverwaltungsgericht angerufen.
das verfahren ist noch nicht abgeschlossen, aber eigentlich könnten sie es sich ersparen, denn die entwicklung geht natürlich munter weiter. jetzt kommt quasi die steigerung im quadrat: die iphone drone für jedermann.
das müssen sie sich mal anschauen. via wifi und dank quadricoptertechnologie kinderleicht steuerbar, ZWEI kameras an bord, beheizte kombüse, alles da.
da können sie bei street view gesichter ausgümelen bis sie keine pixel mehr haben...
es gibt immer um neujahr herum ein neues bundesratsföteli und es darf immer der kommende bundespräsident bestimmen, wie das bild komponiert sein soll. da hatten wir schon die schrägsten sachen zu ertragen, meine güte.
dieses jahr durfte frau leuthard ran und sie führte bildregie vom strübsten. im hintergrund sehen wir ein verpixeltes bundeshaus. verpixelt ist aber bildsprache aus den 90ern. oder den 80ern? egal, photoshop gabs jedenfalls damals auch schon und so mag fau leuthard in ihre pr-abteilung geraunt haben: macht mir mal den bundesrat in zweierkolonne vor verpixeltem bundeshaus.
da nur die praktikantin zugegen war, kam es dann raus, als ob es die praktikantin gemacht hätte. die zufälligen proportionen und null luft am rechten bildrand sind ja nur die augenfälligsten gestaltungssünden. bei genauerem hinsehen: die 7 bundesräte plus kanzlerin sind doch eher sehr dilettantisch ins bild gefotoshoppt und die gesichter sonderbar unscharf. das hätte selbst der webmaster von den limmatnixen besser hingekriegt.
irritierend daran ist, dass dieses geschmacklose und lausig gemachte bild durch alle instanzen des bundeshauses durchgewinkt worden ist. offensichtlich ist da im ganzen laden niemand, der frau leuthard sagt, wie grottenschlecht das gemacht ist.
erfahrungsgemäss muss man davon ausgehen, dass solcherat beratungsresistenz auch in den relevanten bereichen eher die regel als die ausnahme ist. verbunden mit dem augenfällig fehlenden qualitätsbewusstsein warten wir gelangweilt auf weiteren schabernack unserer frau bundespräsidentin.
zum neujahr das beste von gestern – eine persönliche und unvollständige best-of-liste aus dem letzten jahr:
TWITTER rar & wahr:@sibylleberg eine der wenigen prominenten, die glaubwürdig rüberkommen (beispiel: "Ich kenne nur Alleinstehende die warten. Auf einen eigenen Menschen. Und ich kenne nur Paare die warten, auf einen anderen Menschen."). jetzt muss ich dann doch mal ein buch von frau berg lesen. empfehungen? faked:@westerwave gefälschte twitter accounts sind ein witziges phänomen bei twitter, dieser ist derzeit mein liebster. refaked:@DB_Info gefälschte twitter accounts führen nicht selten zu rechtshändeln oder abschaltung durch twitter. dieser hier wurde von @ugugu ganz unkompliziert an die Deutsche Bahn "zurückgegeben". newcomer:@abtmartin der abt vom weltberühmten kloster einsiedeln wurde vom schweizer fernsehen zu einem twitter-test überredet – und hat feuer gefangen.
WERBEWELT rebranding: namics.ch ein rebranding, das der bestehenden marke nicht nur gerecht wird, sondern diese um neue facetten bereichert, ist eine der grössten herausforderungen in der werbekommunikation. man kann da viel kaputt machen. oder viel gewinnen – so wie namics, der führende schweizer internet dienstleister. die haben eine sog. dynamische wortmarke erfunden. ich habe hier darüber geschrieben. newcomer blog: blog.persoenlich.com die werbewelt hat, ähnlich wie die medienbranche, noch kaum begriffen, wie das web wirklich tickt. seit einem jahr gibt es im sog. online-portal der schweizer kommunikationswirtschaft nun wenigstens ein blog, in dem man ohne grosse anmelderei kommentieren kann und wo zuweilen auch dezidiert die eigene branche kritisiert wird. allerdings will die diskussion nie so richtig in gang kommen, was wohl nicht zuletzt an der fehlenden kommentarbenachrichtigung liegt (dem zentralen technischen standardelement einer dynamischen blogdebatte). aber immerhin – das blog ist ein novum in einer so selbstverliebten branche, die selbstkritik generell als störung empfindet.
FINANZKRISE rede:der woz-sprecher an der ubs-gv die finanzkrise an sich hatte ja was einmalig endzeitstimmiges. und ein paar monate nach dem tsunami führen sich die bankster schon wieder auf, als würde die welt ihnen allein gehören. zum davonlaufen. aber letzten endes – wer wollte das bestreiten. blogpost: fred david: obacht: andacht! fred david ist einer doyen's des schweizer journalismus, seit 40 jahren schreibend unterwegs, u.a. für spiegel, weltwoche und cash. er wundert sich, warum wir eigentlich in den sog. leitmedien nicht wirklich alles erfahren über die fiananzkrise. ich teile seine verwunderung. das aufschluss- und lehrreichste zur finanzkrise habe ich nicht in den leitmedien gelesen, sondern irgendwo im netz – wie z.b. hier.
SWISS WEB webshow newcomer:sprain.tv inhaltlich könnte er für meinen geschmack noch etwas zulegen, aber dennoch: er moderiert, filmt, schneidet, vertont und vermarktet seine webshow so virtuos wie "ein grosser". dabei ist manuel reinhard "nur" ein gelernter vermessungszeichner. allerdings einer, der gleich nach der lehre – wohl aus lust an der materie – zum webworker umgesattelt hatte und heute die webtools aus dem ff beherrscht. mit diesen skills wäre er in der alten medienwelt noch ein gefragter quereinsteiger gewesen (jedes lokal-tv würde sich ab so einem talent die hände reiben). in der neuen medienwelt werden solche protagonisten die regel sein. sprain ist der erste in der deutschschweiz, der das so virtuos vormacht. messe relaunch: community36 (ex orbit) man muss nicht alles neu erfinden, aber man kann. messen gehören zu den am wenigsten neu erfundenen topics. darum kann man den versuch, die nachfolgerin der guten alten orbit in die 10er jahre zu katapultieren, nicht genug loben. obwohl das neue event erst im nächsten jahr über die bühne geht, gehören schon das konzept und der mut dazu zu den best of 09. weiterbildung:video guide sf.tv noch nie war es so einfach, sich weiterzubilden. noch nie hatten so viele menschen eine video kamera. wie man damit umgeht, zeigt der hervorragende video guide vom schweizer fernsehen. dass er von mona vetsch, der heidi abel der nullerjahre, moderiert wird, da muss man durch.
APPs iphone app:TV Screen by 20Min ein fernseher im hosensack war doch schon immer DER bubentraum. web app:teuxdeux.com to do listen stehen im ruf, die stimmung in den keller zu ziehen. diese ist zu schön dafür.
MUSIK live cd:tom waits, glitter and doome er ist und bleibt der groovemaster, erst recht live, und ist im vergleich zu anderen stars an glaubwürdigkeit kaum zu überbieten. ein starker fels in der brandung des abgehobenen plasticshowbiz. übrigens sind auch seine frühwerke der hammer: closing time, blue valentine, rain dogs etc. überraschung:yello die miterfinder des techno sind mittlerweile die altherren der lässigkeit, gut gelagert und noch nie so trinkreif wie heute. dieter meier ist der einzige dandy der schweiz, boris blank der (fast) einzige computermusiker, der den computer zum swingen bringt. mit drei interessanten gästen haben sie sich auf dieser cd quasi selber neu erfunden (als mentoren). sehr schön gemacht. hörbeispiele hier.
ballade:masi ein wunderschönes schlaflied. ein ohrenschmaus. auch der rest der cd ist ein kleines meisterwerk. masi ist einer der meist unterschätzten songschreiber hierzulande. den balladentest hat er jedenfalls nicht nur in diesem schlaflied voll bestanden – pour marlene:
mundart newcomer:männer am meer mundart ist in aller munde. sogar die werbung macht mit. göla singt auch wieder berndeutsch und selbst tante francine bernert sich in die charts. gut so. auch wenn dabei viel banales rauskommt: das ist im englischen sprachraum nicht anders. man muss sich an perlen wie die "männer am meer" halten. witzig, ironisch, selbstbewusst, augenzwinkernd, poetisch, frech und erfrischend selbstkritisch die texte. spritzig, zeitgeistig, ohrwurmig und schön instrumentiert die musik. dargereicht mit einer fröhlich süffisanten lockerness, die man bei so manch anderer band vermisst. als hörbeispiel ein cooler song über das leben mit dem computer – ctrl+c:
mundart reloaded:kummerbuben in den letzten jahren haben verschiedene musiker altes liedgut neu vertont. am bekanntesten dürfte das guggisberglied von stephan eicher sein. die kummerbuben aus bern haben sich voll und ganz dem "röseligarte" verschrieben und machen aus den alten liedern neue popsongs. vorne eine charismatische stimme, hinten eine kraftvolle kapelle – der hammer. hier ein lied, das es mir besonders angetan hat – gäntu:
best gender song:polo hofer der erfinder des mundartrocks läuft gegenwärtig zu künstlerischer altershochform auf. er hat sich in den letzten jahren mit allerlei genussmittelbedingten fisimatenten rumschlagen müssen. und mit "prototyp" ein tolles album abgeliefert, auf dem er sich erstmals konkret zu einem beliebten gender thema äussert – jupi jupi:
quick&dirty:dworni der webdsigner david worni aus burgdorf ist ein typischer early adopter – probiert alles aus, wenn es noch beta ist. er war in seiner jugend aktiver musiker und bastelt heute alle paar wochen einen song mit garage band. motto: 1 abend, 1 song fertigmachen. alles nicht ganz ernst gemeint, aber vielleicht hat es gerade deswegen diesen eigenen charme. jedenfalls sind die paar songs, die so entstanden sind, um weiten besser als so manches, was man uns tagtäglich in den radios vorspielt. zum neuen jahr passt dieser song – wäut:
bloggen ist eine sehr junge disziplin. im vergleich zur langen tradition des journalismus ist bloggen noch nicht viel mehr als eine kleine episode. allerdings eine, die in wenigen jahren sehr viel staub aufgewirbelt hat. v.a. journalisten sind höchst aufgeschreckt und mahnen bei den bloggern journalistisches handwerk an. und überhaupt, wenn da jeder einfach publizieren kann, dann... ähm... ist das doch einfach ungeheuerlich.
henusode.
aber was ist nun wirklich das selbstverständnis des gemeinen bloggers? darüber wurde in den letzten jahren viel debattiert. nichtendenwollende threads voll von visionen und thesen. ellenlange debatten um moralische ansprüche und publizistische verantwortung. sehr interessant.
jetzt, wo das bloggen aus dem dunstkreis von ein paar insidern heraustritt und social media zur vielversprechenden aufmischung verkrusteter umgangsformen werden könnte, liefert helge fahrnberger, ein blogger-urgestein aus wien, ein auf drei punkte eingedampftes
medienkompetenz fällt nicht vom himmel wie gebratene tauben in den schoss von investmentbankern. in den schulen war medienunterricht schon immer quasi ganz abwesend. eine lücke, die sich im zug der technischen entwicklung (internetz etc.) zum veritablen krater hochpotenziert hat.
erst recht problematisch wird die situation zu hause. wie sollen eltern ihren kindern medienkompetenz vorleben, die weder eine zeitung lesen noch wissen, was ein browser ist? von dieser sorte gibts en masse. es gibt auch immer noch sehr viele lehrer, deren medienkompetenz im internet sich darin erschöpft, eine e-mail mit einem anhang auszustatten (ferienfotos, stundenpläne werden per post verschickt).
das bildungswesen ist aber nicht die einzige abteilung, die dem medialen tsunami hinterherhinkt. auch die gesetzgebung muss sich auf den verschiedensten stufen neu sortieren (datenschutz, copyright, biometrie, etcpp.). in der wirtschaft stellt das internet auch gerade einige dinge auf den kopf. und dann ist da ja noch dieses social media dings.
es ist kompliziert geworden.
ein kleines, aber sehr erfreuliches licht im tunnel ist das iphone-projekt in goldau. eine ganze (5.) schulklasse wurde mit einem iphone ausgestattet. die idee dahinter:
Damit haben die Kinder jederzeit und überall ein Gerät zur Verfügung, mit dem sie lesen, schreiben, rechnen, zeichnen, fotografieren, Musik und Töne hören und aufzeichnen, telefonieren sowie im Internet surfen und kommunizieren können. Die Kinder sollen das Gerät innerhalb und ausserhalb der Schule als Teil ihrer persönlichen Lern- und Arbeitsumgebung nutzen und damit emanzipiert und kritisch mit zukünftig immer verfügbarer Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) umgehen lernen. > Mehr
in einem blog wird über das regelmässig über das projekt berichtet, was ich sehr spannend finde. schon nach wenigen monaten habe ich als leser dieses blogs das gefühl: das muss man machen. sofort. mit allen kids. was natürlich nicht geht, weil schon allein die lehrkräfte dafür fehlen würden. ganz zu schweigen von den schulbehörden, die sich, wie man hört, noch immer vielerorts per telefonkette zu den sitzungen aufbieten.
in goldau wird aber trotzdem noch gut ein jahr mit dem iphone weiter getestet. dann wird es einige monate dauern, bis ca. 2012 eine auswertung inkl. empfehlung an die zuständige politische instanz geht. dort bleibt sie erstmal liegen, weil die politik auf andere fiasköse hotspots fokussiert ist. und weil sich die politische instanz das internet immer noch hartnäckig ausdrucken lässt, landet das goldstück aus goldau ca. 2014 auf einer harddisk in der aparatschick-zentrale. ausserdem sind iphones bis dahin hoffnungslos veraltet und man muss wieder neu testen.
jetzt einfach mal so als worst case szenario zu ende fatalisiert.
ps: wo wir gerade am steigern der medienkompetenz sind: sf.tv hat einen hervorragenden online lehrgang "grundlagen fürs videofilmen" gemacht.
viel härter als das boulevardflaggschiff aus dem gleichen verlag (tamedia) das gleiche thema abhandelt:
unglücksrabe – das ist schon so moderat, dass es von der nzz sein könnte.
oder hat der praktikant einfach die artikel vertauscht?
gut, in diesen vorweihnachtstagen drehen eh alle am limit. die allg. fiaskösen zustände lassen sich dieses jahr auch unter aufbietung zusätzlicher kreditkarten nur bedingt wegshoppen.
die berichtertstattung aus kopenhagen (ausriss oben von newsnetz) tönt – teilweise – wie kriegsberichterstattung aus weissichnichtwo. das schlimme daran ist, dass wir uns schon fast daran gewöhnt haben. das zweitschlimmste, dass immer öfter keine andere sprache übrigbleibt, als die der kriegsberichterstattung.
was passiert eigentlich genau in diesem internetz? war früher alles besser? hat jemand den überblick? was wird sich verändern? was hat sich schon verändert?
in den letzten tagen gab es zu diesen und weiteren wichtigen fragen ein paar postings, die ich hier gerne weiterempfehle:
1) frank schirrmacher, mitherausgeber der frankfurter allgemeinen zeitung faz, gibt in diesen tagen ein neues buch heraus: "Payback. Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen". der spiegel hat ein kapitel daraus vorab veröffentlicht. sehr gelungen ist die gegenrede von sascha lobo unter dem titel "Die bedrohte Elite".
der berliner journalist philipp banse hat vier hoch interessante interviews mit prominenten bloggern geführt. ein spannender einblick in die schöne neue medienwelt.
weitere interviews mit sascha lobo, stefan niggemeier und johnny häusler gibts hier.
ich habe mich am dienstag sehr gewundert, den höchst kruden "orientalisten" heinz gstrein zum wiederholten mal als talkshowgast im club bei sf.tv zu sehen. der mann erzählt jeweils furchtbar schräges zeug und gibt ganz unverblühmt den intellektuell abgeklärten islamophobiker:
«Das Minarett ist in erster Linie ein Zeichen für die Unmenschlichkeit in der muslimischen Welt – genauso wie Hakenkreuze für die KZ und Hammer und Sichel für den Gulag.»
vorgestellt wurde der scharfmacher jeweils als ehemaliger nzz-nahostkorrespondent und professor an der universität wien.
jetzt lese ich etwas konsterniert, dass der typ weder nzz-korrespondent war noch professor in wien. sowohl die uni wien wie nzz chefredaktor spillmann distanzieren sich dezidiert von gstrein und seinen aussagen.
aber es kommt noch dicker:
«Wir haben Herrn Gstrein als Referenten des Initiativkomitees eingeladen, nicht als Professor. Vielleicht wären in diesem besonderen Fall jedoch zusätzliche Recherchen angebracht gewesen», sagt die Leiterin Christine Maier.
mit anderen worten: nicht nur das initiativkomitee hat einen gefakten professor auf tour geschickt, sondern sf.tv hat ihn auch noch ungeprüft adoptiert.
da muss man doch gleich dreimal leer schlucken.
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update: es kommt noch peinlicher für den schlafsaal im leutschenbach: die baz hat den ollen gstrein schon am 28.11.09 als hochstapler enttarnt. trotzdem war es möglich, dass er drei tage später im club auftrat. aber offensichtlich lesen die sf-schurnis die basler zeitung nicht. man fragt sich, ob sie überhaupt etwas lesen über die scharfmacher, die sie in der heikelsten politdiskussion ever mehrmals auftreten lassen.
man fragt sich auch, warum die medien diesen politischen hochstapler erst jetzt enttarnen und ihn monatelang durch die schweiz touren lassen, ohne dass mal jemand in wien oder bei der nzz nachfragt und seine reputation überprüft.
und: dass sich einer so lange in so exponierter weise am rechten rand als nzz-korrespondent ausgeben kann, ohne dass die nzz das merkt, ist auch kaum zu fassen.