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2. Juli 2009

gaunerzinken?


web 2.0 ist ja schön und gut, aber die menschen teilen ihr wissen seit urzeiten mit einem freien medium.

schon mal was von zinken gehört? zinken sind grafische zeichen, mit denen die leute ihr wissen teilten, die sog. mitteilungszinken. zur anwendung kamen sie in den verschiedensten lebenslagen: wo muss man arbeiten für eine mahlzeit? wo wohnt der polizist? wo geht der weg nach X lang? wo sollte man eher fromm betteln und wo gerade nicht?

ich erinnere mich an die 80/90er, da war hin und wieder die rede von zinken. wikipedia dazu:

Kennzeichnungen in der Tradition der historischen Zinken werden auch in der Gegenwart benutzt, oft in Zusammenhang mit Bettelei und Wohnungseinbrüchen. In den 1990er Jahren traten in Österreich Einbrüche in Verbindung mit Zinken so häufig auf, dass die Lokalpresse warnende Berichte darüber veröffentlichte. In den 1980er Jahren verschwanden in Italien Fernlastzüge mit wertvoller Fracht, nachdem sie zuvor mit Geheimzeichen gekennzeichnet worden waren. Drückerkolonnen, Sektenvertreter und Prospektverteiler platzieren grafische Zeichen an Haus- und Wohnungstüren.

Eine sehr moderne Variante mit alten Mitteln ist das so genannte WarChalking (engl. chalk ‚Kreide‘), bei dem offene oder öffentlich zugängliche WLANs kenntlich gemacht werden.

an unserer haustür sah ich schon beim ersten besuch ein grafisches etwas, das mich an einen gaunerzinken erinnerte (bild oben). heute hab ich endlich mal nachgeschaut. falls es wirklich ein gaunerzinken wäre (eine art "stenografierter ;-), würde er "bissiger hund" bedeuten.




aber hier gab es aber zumindest in den letzten 15 jahren keinen bissigen hund. wir haben hier nur selbstschussanlagen, natozäune und edelzwicker.
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25. September 2008

20minuten: not very zeitgeisty

die antikrautskampa wird jetzt auch auf altbackenen sprachlichen heimatschutz ausgedehnt – 20minuten geht voran. ausgerechnet. schon allein die headline "mundart wird zunehmend teutonisiert" hat einen grenzrassistischen touch.

der punkt ist aber, dass hier ein journalist wider besseres wissen ein uraltes sprachliches phänomen zum skandal hochschaukelt. denn: sprache hat sich immer verändert und wurde immer mit fremden wörtern angereichert. man redet da von ein- oder ausgewanderten wörtern oder wörtern mit migrationshintergrund.

zum beispiel:

fertik - Überbleibsel vom Bau der Bagdadbahn. Das Abfahrtskommando ,,Fertig!‘‘ ging ins Türkische ein, und ,,fertik‘‘ hieß dann auch der Zugbegleiter.

Poltergeist - Hat sich mit deutschem Sinn im ganzen anglo-amerikanischen Sprachraum durchsetzen können. Auch das brasilianische Portugiesisch benutzt das Wort für unerklärliche Phänomene.

Zeitgeist - Das Phänomen Zeitgeist scheint mit dem deutschen Wort so gut ausgedrückt zu sein, dass das Englische darauf zurückgriff. Das Adjektiv ,,zeitgeisty‘‘ folgt allerdings schon den Wortbildungsgesetzen der Gastsprache.

quelle

das goethe institut und der deutsche sprachrat haben in einem publikukmswettbewerb nach solchen wörtern geforscht: "Sprachinteressierte aus 45 Ländern haben sich am Wettbewerb beteiligt. Insgesamt gingen 3.500 Einsendungen aus 42 Sprachen ein, darunter auch Hindi, Atztekisch (Nahuatl), Japanisch, Malaiisch, Jiddisch, Norwegisch, Schwyzerdütsch, Kiswahili oder Kalaallisut (Grönland). Das am häufigsten eingereichte Wort war mit über 150 Einträgen: "Fisimatenten". 69-mal wurde das Wort "Tohuwabohu", 44-mal "Hängematte", 39-mal "Schokolade" und 35-mal "Döner" eingesandt." (da die entsprechende website gerade im umbau ist gucken sie hier.)

da man bei 20minuten von all dem keine ahnung zu haben scheint, warten wir gespannt darauf, dass das wackere gratisblatt demnächst die türken in die pfanne haut, weil hier alle von döner reden und nicht von einem garnierten fleischklappbrot.

ach ja, da wird noch der professionelle bedenkenträger von diesem sprachverein zitiert. der macht mich sowas von fertik.
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