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16. Dezember 2006

clay regazzoni: er war mein held


clay regazzoni ist gestern bei einem autounfall ums leben gekommen. in meinem schlafzimmer der 70er hing ein poster von ihm. zusammen mit dem von joe siffert, niki lauda und natürlich jim clark. und cassius clay.

clay regazzoni hiess irgendwie gleich wie cassius clay, der boxer, für dessen kämpfe wir jeweils nachts um drei aufstanden, um sie im fernsehen zu sehen, live aus dem madison square garden in new york, das war tv-mässig ein strassenfeger, nachts zum tv-gucken aufstehen tat man nur für cassius clay und die liveübertragung der appollo 11-mission (erster bemannter flug zum mond) – das alles faszinierte den bub bugsierer.

regazzoni fuhr auf so geilen marken wie ensingn, tecno oder shadow. er war ein charmeur und frauenversteher, er trank gern mal einen und er sagte, was er dachte. gerade kürzlich hat er die heutigen formel 1 fahrer quasi als höseler bezeichnet und schumi eine art milchgesicht. da kannte er nichts. sagte immer was er dachte. was schon damals selten war, aber nicht so selten wie heute. heute sagt ja keiner von denen irgendwas, was nicht in einem pr-windkanal ausgetestet wurde.

regazzoni war ein harter hund, das schleckt keine geiss weg. 1980 beendete ein spektakulärer unfall seine f1-karriere:

Beim Grand Prix in Long Beach war er nach einem großartigen Rennen schon Vierter, als in einer Bremszone im schnellsten Teil der Strecke sein aus Titan gefertigtes Bremspedal brach. Er raste ungebremst in einen geparkten Brabham, sein Wagen zerschellte an einem Betonblock und Regazzoni war seitdem querschnittsgelähmt. (quelle: wikipedia)

aber er sattelte einfach um. von der formel 1 in einen lastwagen. in schwer getunten trucks nahm er an der paris-dakar rallye und ähnlichen rennen teil. diese trips sind kein zuckerschlecken. er fuhr im vorderen mittelfeld gut mit, hielt seinen namen konstant im gespräch, zum beispiel auch als tv-moderator, und engagierte sich in der forschung für querschnittlähmung. ein lebemann blieb er bis zuletzt. mein idol irgendwie auch. er machte sein ding, er pflegte seinen persönlichen brand, er stellte sich regelmässig quer zu den stromlinienförmigen standardmeinungen der dienstlächelnden promigilde, klopfte da und dort auf den tisch oder haute auf den putz. regazzoni war glaubwürdig.

sein abgang ist filmreif. der rennfahrer regazzoni, 67, eine turbulente karriere hinter sich, kracht auf einer autobahn in einen lastwagen. ende.

wer schreibt das drehbuch?

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inside:
-> schumi ging mit einem big bang

outside
-> clay regazzoni official website
-> wikipedia: clay regazzoni, jim clark, cassius clay/muhamad ali
-> madison square garden, the worlds most famous arena

24. Oktober 2006

schumi ging mit einem big-bang

schumi ist zweifelsohne einer der besten rennfahrer aller zeiten. aber er hatte kein charisma. charisma hatte er in einigen reportagefotos, wenn er am arbeiten war. da kann er aber nichts dafür. ein guter fotograf kann ein bild mit charisma-touch von jedem menschen machen. sobald schumi posierte oder den mund aufmachte, hatte er die ausstrahlung eines langweilers und phrasendreschers. er war ein begnadeter rennfahrer, ein excellenter teamplayer, fleissig und ehrgeizig. dadurch wurde er zum dritten grossmeister der formel 1 nach fangio und senna.

aber er ist eine transuse. und trotzdem eine gute halbe millarde dollars reich. mit seinem geld hat er aber akzente gesetzt, die im highend-showbusiness eher selten sind. schumi hat den tsunami-opfern 12 mio. dollars (oder euro?) gespendet, eine der grössten einzelspenden weltweit. und er hat sich nicht im ordinären monaco oder sonst einer klitschigen steueroase niedergelsassen, sondern am beschaulich seriösen und deswegen bei superstars sehr beliebten, wenn auch etwas teureren genfer see.

furioses finale

jetzt fuhr er sein letztes rennen, das auch eines seiner glanzstücke war. von startplatz 12 aus und trotz einer reifenpanne mit zusätzlichem boxenstopp fräste er in einem parforceritt der ersten güte auf platz 4. dramatischer hätte es nicht sein können. kein langweiliger schumi-sieg aus der poleposition, sondern ein unglaublicher vierter platz, von ganz hinten erkämpft in einem packenden rennen, eine perfekte f1-galavorstellung. das wird in erinnerung bleiben und ist dünger für die legendenbildung, die für die zweite karriere des schumi von grosser bedeutung sein wird. ein furioses finale auch, das demjenigen des zinedine zidane diametral entgegensteht.

die italienische presse meldet: "ferrari hofft, dass er als manager zurückkehrt." als nachfolger von jean todt? nun, er wird es sich vermutlich aussuchen können. kennt man schon einen nachfolger von ecclestone? nebenbei wäre auch ein uno-mandat denkbar. schumi wird auf der ganzen welt geliebt. gerade hat ihm scheich mohammed bin raschid al maktoum eine insel vor dubai geschenkt. wert: 4.5 mio. euro.

geradezu poetisch zu schumis abgang gibt sich die internationale sportpresse:
l'unione sardo (it): schumis letztes wunder.

the independent (eng): er verabschiedete sich in brasilien so, wie er 1991 in belgien angefangen hatte: als held.

le figaro (fr): er verlässt die formel 1 auf dem höhepunkt seiner kunst.

nzz (ch): nichts wird in der formel 1 mehr so sein wie 2006.

daily mirror (eng): er ging mit einem big-bang. es gab kein wunder für den mann, der auf wasser fahren könnte. aber schumacher war nah dran.
jo siffert: mehr charisma

okay. schumi ist der grösste. in sachen charisma war joe siffert aber grösser. gut, das ist schlecht vergleichbar, das war in den 60ern. aber der hatte eine autowerkstatt in fribourg, er mechte selber an seinen boliden rum, trank gerne wein, hatte immer schöne frauen um sich, er war ein lebemann und ist eine legende. «er vermittelte den Eindruck, immer genau das zu tun, wozu er Lust hatte – und das war das Einzige, wozu er auch fähig war».

zu seiner beerdigung in fribourg– nach seinem tödlichen unfall 1971 in brands hatch (eng) – kamen 50'000 menschen.