31. August 2008

moritz leuenberger: bundesrat 2.0



am letzten freitag adelte unser medienminister, bundesrat moritz leuenberger, das blogcamp zürich mit seiner aufwartung. er hielt eine session rund um sein blog, er beantwortete fragen und stellte sich anschliessend der fotoaktion des bekannten schweizer bloggers christian leu (leumund.ch).

auf diesen fotos sehen wir einen bundesrat, wie man ihn in den medien sonst nicht sieht. völlig locker lichtet er sich selbst per fernauslöser (das war die leu'sche idee hinter dieser fotoaktion) zusammen mit anderen bloggern ab. als ob er sowas jeden tag macht. er fühlt sich sichtlich entspannt unter dem bloggervolk, er ist einer von ihnen, einer unter gleichgesinnten.

er hat begriffen, was bloggen ist (nämlich die sog. königsdisziplin des web 2.0). er schätzt den rückkanal als eine direkte politische inspirationsquelle. er hat sogar schon feedbacks aus seinem blog in ein buch einfliessen lassen. er mag an seinem blog, was alle blogger mögen: du kannst schreiben, was du willst.

wir haben also einen bundesrat und medienminister 2.0. man kann nicht genug betonen, wie cool das ist. denn immer noch haben sehr sehr viele politiker null ahnung davon, was im web eigentlich abgeht. eines der krassesten beispiele für einen sagenhaft uninformierten spitzenpolitker ist der deutsche wirtschaftsminister michael glos, der offen zugibt:

"Ich habe Gott sei Dank Leute, die für mich das Internet bedienen."

mit anderen worten: der mann wird nie begreifen, wie das internet tickt und was daraus politisch abzuleiten wäre und ist damit als spitzenpolitiker eigentlich untauglich. und mit ihm tappen tausende von politkern, beamten, journalisten, wirtschaftsführern und anderen würdenträgern im dunkeln. sie meinen noch immer, man müsse sich den google auf der festplatte installieren und ein anhang sei eine ehefrau.

kurz und gut: wir werden von einem heer von ahnungslosen regiert, verwaltet und zugetextet. da ist doch so ein bloggender medienminister wirklich ein geschenk.

+ + + + +

mehr moritz
> lesetipp: im rahmen einer fallstudie der forschungsstelle für informationsrecht (universität st. gallen) zu politischer kommunikation beantwortete moritz leuenberger fragen zu seinem blog.
> hörtipp: moritz leuenberger und hugo stamm diskutieren an den solothurner literaturtagen über das schreiben. podcast.
> surftipp: auf der uvek website publiziert moritz leuenberger texte, reden, interviews, videos und audios.
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28. August 2008

was moritz am blogcamp erwartet


hoffentlich wird moritz leuenberger morgen am blogcamp 3.0 nicht erschrecken, wenn er auf all die blogger trifft. er soll ja schon ein wenig lampenfieber haben.

vielleicht können wir unsern bloggenden medienminister und bekennenden kunstafficionado via die grossartige künstlerin katia kelm an die wahre seele des gemeinen bloggers heranführen:

sie sagt zum blogger an sich:

portraits zu kneten ist nichts für perfektionistinnen wie mich und schon garnichts für gesichter, die man gleich wieder vergisst. dieser freund dagegen braucht garnicht zum modell sitzen zu kommen. den knete ich blind.

zudem muss man sagen: blogger zum modellsitzen zu kriegen ist eine äusserst dankbare
aufgabe. man gibt ihnen ein laptop und schon sitzen sie 4 stunden lang still.

katja kelm hat reihenweise blogger geknetet, wie z.b. den oben und diesen hier:

solche selbstbewussten eigenbrötler gibt es wirklich. sie vermerkt weiter:

jetzt wo blogs schon in einem atemzug mit dem faxgerät, dem telefon mit wählscheibe und der malerei genannt werden weil e-mail, handy, die fotografie und twitter sie ablösten, möchte ich nochmal kurz vor dem endgültigen aus ein denkmal setzen. ein denkmal für blogger.

( ... )

deshalb bilde ich blogger ab, wie sie WIRKLICH sind — und zwar keine omnipräsenten superstars sondern blogger wie du und ich. ich versuche damit auch den no-names ein wenig unter die arme zu greifen und ihnen gesichter zu verleihen, wie sie noch keiner sah (oder sehen wollte)!

z.b. so:


ein rundgang auf katja kelms website zeigt wunderschöne kunst, eine leidenschaftliche, witzige und textstarke künstlerin, und einen neuen zugang zum blogger als solchem. nicht nur für moritz.

> viel vergnügen bei katia kelm

entdeckung des tages via rivva

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in 31 tagen um die welt


diese grafik am morgenhimmel erinnert mich daran: der copilot ist unterwegs, in 31 tagen um die welt und er berichtet wie immer hautnah darüber – zuletzt aus yaounde/kamerun:

Die rote Erde ist überall. Sie klebt an den Autos, an den Schuhen und vermutlich auch am Flugzeug. Das ganze Land Kamerun sieht aus wie ein verwahrloster Tennisplatz. Uneben, überall spriesst Grünzeug aus dem Boden und dazwischen eben diese rote Erde.

> mitreisen bei splitduty aka nff
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27. August 2008

rivella färbt 20minuten um

persönlich.com fragte den geschäftsführer von 20minuten, markus kohler:

Herr Kohler, Sie haben für einen Werbekunden die Printversion und das Online-Portal von "20 Minuten" ganz in gelb eingefärbt. Ist das publizistisch vertretbar?

seine antwort:

Wichtigster Punkt in der Entscheidungsfindung war für uns die Bedingung, dass der redaktionelle Teil weder im Print noch im Online tangiert wird. Das ist der Fall.

wirklich? die umfärbung eines ganzen titels tangiert also den redaktionellen teil nicht? soso.

und wie ist es mit der bemerkung von persönlich-kommentator markus h.?:

Dass die Chefredaktion offenbar nicht einmal etwas dagegen einzuwenden hatte, ist erschreckend. Dass sie sich nicht einmal entblödet, auf Seite 18 in der gleichen Ausgabe auch noch einen "redaktionellen" Artikel über Rivella gelb zu bringen, ist ein publizistischer Skandal.

herr kohler, für wie blöd halten sie die leser von persönlich.com? warum bringen sie es nicht fertig, solche fettnäpchen zu vermeiden? fahren sie doch ihre crossmediaschiene, kennzeichnen sie sie sauber als solche, seien sie transparent. hätten sie das ding mit einem ehrlichen und leidenschaftlichen editorial zur letzten nationalen limonade aufgemacht, wäre es sogar noch ein wenig kreativ gewesen.

alles weitere hat david bauer aufgedröselt.
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25. August 2008

frau blocher will in den bundesrat – via sonntagszeitung

gestern in der sonntagszeitung: eine ganzseitiges interview mit frau blocher, der abgew. bundesratsgattin. EINE GANZE SEITE.

thema: die schulreform harmos.

was zeichnet diese frau aus, um mit ihr ein ganzseitiges interview zu bringen? wo liegen ihre kompetenzen genau? erfahrungen? publikationen? projekte?

nun, sie ist in erster linie mal die frau ihres mannes, des pompös abgew. bundesrats. dass sie noch mutter von vier kindern und lehrerin ist, spielt keine rolle, das sind tausende andere auch. sie ist frau blocher, basta. das muss für eine ganze seite reichen, oder? man schickt am besten gleich zwei reporter. und die dichten der guten frau blocher gleich am anfang des textes die passende funktion an: aushängeschild der svp gegen missstände im schulwesen.

aha – aushängeschild. interessant. nicht etwa "sprecherin gegen...". das wäre zu offiziell. frau blocher ist mehr ein offiziöser trumpf. als aushängeschild ist man irgendwie freier in der rede. da kann man dann auch solche sachen schwurbeln:

Mir ist es unheimlich, wenn der Staat die Erziehung übernimmt. Es drohen stets Indoktrination, Gleichschaltung und Verlust der Individualität. Wir haben das in China erlebt, wo die Kinder zu unserer Begrüssung alle dieselbe Blume zeichneten.

sie darf solcherlei polemik in der sonntagszeitung ohne gegenfrage der zwei schurnis ausbreiten und zwischen den zeilen das projekt harmos mit chinesischen zuständen vergleichen. ausgerechnet die frau des svp-übervaters darf sich ausgerechnet über indoktrination und gleichschaltung auslassen. dass das seriöser journalismus ist, soll mir niemand erzählen. das ist purer wahlkampf, behaupte ich.

frau blocher will in den bundesrat und die sonntagszeitung bereitet das terrain vor. die wussten (wie im fall nef) schon immer mehr als die anderen. wetten?
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22. August 2008

komatexten


in den letzten tagen haben wir in den medien wiedermal eine beispielhafte skandalisierung eines themas erlebt. stichwort: botellon. die indizien: sprachliche details.

von einem 17jährigen organisator war die rede. organsiator? der mann hat nichts weiter als auf facebook den termin eingestellt, das dauert keine fünf minuten. von organisieren kann da keine rede sein. jeder, der schon mal ein familienfest für 50 leute organisiert hat, weiss das.

die weltwoche hat gestern von "orchestrieren" gesprochen. das kommt der sache schon näher. soziale netzwerke sind erstklassige instrumente, um einen apero zu orchestrieren. im sinn von: hey kollegen, lasst uns einen heben gehn.

wenn dann aus den gemeinten 10 kollegen plötzlich ein paar tausend werden, hast du allerdings ein problem. selbst dann, wenn du nicht zu einem besäufnis aufrufst, sondern nur zu einem lustigen abend, an dem jeder seine drinks selber mitbringt.

eigentlich würde das ja schon reichen für eine gute schlagzeile, völlig: ein paar tausend jugendliche treffen sich zu einem fröhlichen picknick resp. drinknick. sie bringen sogar die abfallsäcke selber mit. aber die medien machen nicht nur ein besäufnis daraus, sondern ein massenbesäufnis. sie sprechen von abfallbergen, von kinderkomatrinkern, vom weltuntergang quasi.

nehmen wir also an, ich würde bei facebook zu einer kollektiven meditation in einem öffentlichen park (morgens um sechs) anregen und es melden sich plötzlich ein paar tausend wellnesscats an, weil man ja am rande von olympia auf allen kanälen diese tausenden von chinesen in den parks beim taitschiifrühturnen gesehen hat.

dann hab ich das gleiche problem wie der 17jährige botellon "organsiator". die medien würden mir unterstellen, das sei die verkappte gründung einer falung gong filiale.

so geht das – im vereinten boulevard. man textet die leute ins koma.
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19. August 2008

70200 formulare für die GEMA



neue technologien haben das prinzip des geistigen eigentums immer wieder auf den kopf gestellt. in den 80ern zum beispiel kamen die urheberrechtsgesellschaften mit der techno szene arg an den anschlag, da sich diese ihre musik weitgehend aus anderer musik zusammenkopierte, was abrechnungstechnisch fast nicht zu handeln war und ist.

mit dem netz hat sich die situation seit ende der 90er quasi im quadrat verschärft. diesmal sind nicht nur die urheberrechtsgesellschaften am anschlag, sondern auch die musikindustrie. wer welche rechte hat, ist von monat zu monat unklarer. wenn du einen itunessong kaufst, musst du vorher deinen anwalt anrufen. anderseits hat die uefa an der euro08 versucht, eigene tarife durchzudrücken und sie hat an der präsentation des uefaprogramms auf öffentlichen plätzen sogar die kleider- und bierordnung bestimmt.

mittlerweile sind auch viele musiker am anschlag. na ja, es reicht einfach nur noch für eine villa statt für zwei. oder so. neben den journalisten müssen auch sie ein neues geschäftsmodell entwerfen. eines davon schleicht sich gerade von hinten an: das konzert. beispiel mit schweizer kolorit: krokus. ein halbes dutzend krokus songs sind genrespezifische standards in der abteilung hard rock, jeder fan kennt sie. bloss: die alten fans haben die platte schon und die neuen (jungen) loaden down. von rohr hat das problem erkannt und trommelt das personal auf die bühne.

gut so. die haben jetzt lang genug mit aktien und liegenschaften gemacht und da rockts im moment halt nicht so. wir waren beim geschäftsmodell von musikern. die bühne. war da nicht was mit iron maiden in einem kleinen kaff im thurgau? eben. selbst eine der besten/legendärsten jazzbands aus den 70/80ern steigt wieder auf die bühne: OM.

man muss das urheberrecht nicht abschaffen, sondern umorganisieren. sagt der musiker und musiktheoretiker/philosoph johannes kreidler. und visualisiert das mit einer schönen aktion: er hat ein soundfile von 33 sekunden mit 72000 fremdzitaten hergestellt (möglich wären 44'000/sek). urheberrechtlich muss er jedes zitat anmelden, was er auch tun wird:

In einer Aktion mit Lastwagen, Papierkolonnen, Trägern und Presse, am 12.9.2008 um 11h bei der GEMA Generaldirektion Berlin, Bayreuther Straße 37 (Wittenbergplatz).

Mehr dazu auf seiner Website:

> Johannes Kreidler: Product Placements 2008
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18. August 2008

die heile welt: nur ein modell



ein wunderbares stück theater – aus dem pressetext von sf.tv:

Ob in Tokyo oder Thessaloniki – «Mnemopark», das Theaterstück für eine Modelleisenbahn und seine Erbauer, sorgt weltweit für Begeisterung. Es geht um das Klischee der Schweiz als Berg- und Bauernidylle – manifestiert in der Landschaft der Modelleisenbahn.

Doch während die Züge durch die niedliche Miniaturschweiz schnurren, erzählen die Modellbauer von der Realität im Alpenland: Schutzzölle, Agrarsubventionen, wachsende Fleischberge durch Überproduktion. Die heile Welt – eben nur ein Modell.

Auf dem Zürcher Theaterspektakel kommt das bittersüsse Stück von Stefan Kaegi nun letztmals zur Aufführung: «Mnemopark», vom 20. – 23. August. am Zürcher Theaterspektakel

> theaterspektakel.ch
> mfb-basel.ch
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bei google den chef fragen


zufällig im live-trafffic-ticker (rechts) gesehen: soeben ist jemand mit obiger suchanfrage hier gelandet. gefunden hat er wohl nicht, was er gesucht hat. aber das suchresultat ist sehr witzig.
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3-küsschen-debatte: der notkuss


die sonntagszeitung wärmte gestern ein altes und leidiges dauerthema neu auf: die 3-küsschen-begrüssung. tenor: sie gehört abgeschafft, man sucht alternativen. hier ist eine.

die forderung der sonntagszeitung ist radikal:

Diese ganze Küsserei wird zum sozialen Minenfeld, das es nun zu sprengen gilt.

bitteschön – wir haben das problem schon vor jahren im rahmen einer sozialen plastik (der stadtcharmeur von langenthal) analysiert und eine lösung entwickelt:

Der Notkuss

Das Problem ist alt, die Lösung bestechend. Du willst an der dauernden Abküsserei, sei es im Kunsthaus oder im Hockeystadion, an der Barkante oder auf dem Pausenhof, im Ausgang oder am Familienfest, aus irgendeinem Grund nicht teilnehmen, warum auch immer. Oder Du möchtest unbedingt teilnehmen, wirst aber permanent nicht berücksichtigt, warum auch immer.

Der Notkuss (Bild oben) ist das ideale Tool für beides: willst Du nicht geküsst werden, so hältst Du ihn einfach auf Kopfhöhe in die Luft – willst Du unbedingt geküsst werden, dann steck den Notkuss der Zielperson mit einem diskreten Lächeln zu.

Idee
Marco Morelli, Komödiant, Zimmerwald
Toilettenpapier, Lippenstift, mundgeküsst, Kleinserie


weitere gadgets 1.0 zur abfederung des alltäglichen wahnsinns (z.b. prinzenköder, entlastungsnagel, enthemmungsseife, wegwerfglücksente, allzweckkrone etcpp., alle ausverkauft) gibt's im

> kiosk vom stadtcharmeur
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blogoscoop: blogs-entdecken-maschine (beta)

blogoscoop ist sowas wie der nachfolger von blogscout. tag-basiertes echtzeitranking und andere nette funktionen stehen zur verfügung. also eine blogs-entdecken-maschine. tönt spannend, sieht solid aus, ging heute beta.

> blog blogoscoop
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17. August 2008

st. gallen: voll die bronx

mein lieber freund marco morelli steht mit seinem solozirkus gerade in st. gallen. dort fand übers wochenende auch das st. galler fest statt. 70'000 leute waren da, meldet tagblatt.ch heute. der bericht dort liest sich wie einer über ein kriegsgebiet.

morelli steht im kantonsschulpark, direkt am rand der altstadt, in der das megafest stattfand und die heute von diesem beissenden uringeruch durchsetzt ist, an den sich viele städte dank der euro 08 schon gut gewöhnt haben. ist jedenfalls in der presse kein wort mehr wert.

morelli wohnt in seinem alten wohnwagen direkt neben seiner kleinen mikromanege. und bekommt natürlich mit, was abgeht in diesen innenstädten. boah... da werden kleinstädte stundenweise zur bronx.

morelli erzählt von den letzten zwei nächten in st. gallen: hunderte von besoffenen, agressive stimmung, randalierende kids. letzte nacht war es bis morgens um fünf eine art spiessrutenlaufen, um seine 50 stühle, ein paar sitzbänke, den seiltanzapparat und den rest der manege (bild oben) gegen die besoffene horde zu verteidigen.

während dieser nacht gab es mehrere schlägereien in diesem park, einmal mit polizei und ambulanz. morelli musste mehrere dutzend leute davon abhalten, an seinen wohnwagen zu pissen. dazu dutzende kurztalks mit ungezogenen und rotzfrechen jugendlichen, die auf seinen stühlen nicht nur sassen, sondern sie auch durch die gegend schmissen.

es ist in st. gallen nicht anders als anderswo. auch kürzlich in solothurn war es anstrengend für ihn. zwar ein schönes zirkusplätzchen direkt vor dem gewerbeschulhaus an der schönen aare. aber nachts, wenn du dort als sologaukler im wohnwagen zu wohnen versuchst, wenn die wellness und apero promenade zur sündenmeile verkommt ... voll die bronx, mitten in der provintz.

nicht lustig, das zigeunerleben.

und warum schauen die eltern nicht zu ihren kids?
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15. August 2008

dada polizei


zürcher an die urne, bitte.
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newsnetz: notizen zur ersten woche

die erste woche newsnetz liegt hinter uns. ich habe mir ein paar gedanken gemacht über ein erstaunlich unfertiges produkt.

• kommentare


leser können artikel kommentieren. toll. das ist die zukunft: der rückkanal. allerdings ist mir nicht ganz klar, wo man kommentieren kann und wo nicht. dort, wo es schon kommentare hat, ist es kein problem, aber dort, wo es noch keine hat, ist es eins – ich jedenfalls finde den knopf nicht.

• nichts verpassen

dem slogan "nichts verpassen", mit dem das portal wirbt, wird noch nicht ganz nachgelebt. vor allem im lokalbereich liegt noch etwas potential, finde ich. auf bernzeitung.ch gibt es unter region/emmental zwar zwei drei meldungen einer bestimmten stadt, aber das ist nur die hälfte von "nichts verpassen".

erst auf der alten espace seite finde ich alle artikel der berner zeitung, die auch im print zu finden sind. mit anderen worten: ich muss jetzt zwei websites konsultieren, um nichts zu verpassen. es ist nicht nachvollziehbar, warum man auf der alten site alle artikel aus der printausgabe publiziert und auf der neuen nur teile daraus.

• domain- und markengewusel

sehr geheimnisvoll auch die geschichte mit der domain baslerzeitung.ch. sie steht zum verkauf, aber die baz will sie nicht. das verkündet nicht etwa der ceo der neu gegründeten baz(online)ag, die als herausgeberin des baz online auftritts fungiert, sondern der cfo (chief financial officer) der basler zeitung medien, also dem mutterhaus. nicht der medienstratege, sondern der finanzer. er verlautbart bei persönlich.com:

Bei der "Basler Zeitung" ist man nicht unmittelbar an einem Kauf der Domain interessiert, wie Jürgen Hunscheid, CFO der Basler Zeitung Medien, auf Anfrage von "persoenlich.com" erklärt.

sehr wuselig, irgendwie. und überhaupt: eine der simpelsten und ältesten regeln, um einen alten real life brand ins internet zu zügeln lautet: die url sollte gleich heissen wie der gut eingeführte brand. aus berner zeitung wird also bernerzeitung.ch, aus tages anzeiger wird tagesanzeiger.ch – nur aus basler zeitung wird bazonline.ch.

gut, das kann man machen, selbst dann, wenn die ganze branche weiss, dass das nur suboptimal ist und der zusatz "online" eingedampft werden kann auf das ".ch" am ende der wortmarke. wenn man aber auf den kauf der url baslerzeitung.ch verzichtet, wird das ganze brandingpuff noch wuseliger – voilà:



man wird also auf baslerzeitung.ch auch weiterhin auf eine nette kleine linkschleuder stossen.

• blogs & facts

dass tagesanzeiger.ch darauf verzichtet, die hauseigene debatten community facts.ch zu verlinken oder gar zu empfehlen, finde ich bemerkenswert. das hauseigene top blog von hugo stamm wird zwar verlinkt, aber ohne zu erwähnen, dass es ein blog ist. aber bazonline.ch verliert schliesslich auch kein wort über das eigene weblog.

dort ist man noch am üben irgendwie. jedenfalls hat peer ditmar den takeover von sich und seinem aggregator logcut durch die bzm(online)ag zwar selber gepostet, aber nur einen bericht der werbewoche gecopypastet. bitte weiterüben. die digital strategy im allgemeinen und das marketing development im speziellen wird sicher noch vertieft werden. da sind wir mal zuversichtlich.

• datierung

es gibt noch weitere details, die bei newsnetz nicht gepflegt werden und darum zu reden geben. die datierung von artikeln zum beispiel. im online news geschäft nicht weniger wichtig als im print. bei den meisten artikeln heisst es "aktualisiert vor X minuten". auch bei artikeln von gestern. dann steht da "aktualisiert um 16.54 uhr", obwohl es erst morgens um zehn ist.

bei anderen artikel heisst es "aktualisiert am xx.x.xx", also nur ein datum, keine uhrzeit. bei wieder anderen steht gar nix. zudem ist "aktualisiert" ein eher untauglicher begriff, finde ich. den leser interessiert ja wohl eher, wann ein artikel publiziert worden ist und wann allenfalls weitere infos (updates) dazugekommen (aktualisiert) sind.

erstaunlich, dass so simple sachen nicht von anfang an klappen.

• paranoia disclaimer

die branche lacht sich schief: die geschichte mit dem unsäglichen disclaimer bei tagesanzeiger.ch. dort hiess es bis vorgestern, wie schurnischreck ugugu enthüllt hat, neben anderen merkwürdigkeiten auch folgendes:

Zudem ist für Links, die von einer fremden Website auf die TA-Website führen, stets vorgängig eine ausdrückliche, schriftliche Bewilligung von Tamedia einzuholen.

klar, ich weiss, internet ist ein prozess und so. mein blog hat auch nicht schon am ersten tag so supi ausgesehen wie heute. aber immerhin tritt das newsnetz mit dem anspruch an, das attraktivste newsportal der schweiz sein zu wollen. zu diesem anspruch passt ein paranoia disclaimer aus den 90ern sehr schlecht.

• content

als alter medienjunkie ist man ja gewohnt, möglichst viele verschiedene zeitungen zu lesen. im print geht das aber schon nicht mehr so gut wie früher, immer öfter steht der gleiche text in zwei oder mehr zeitungen.

jetzt publizieren die drei grössten titel des landes unter dem gleichen onlinedach, da stellt sich natürlich die frage, ob das gut gehen kann. dabei passieren schon mal ausrutscher, die eigentlich auch in der startphase nicht passieren sollten. ein haarsträubendes beispiel hat peter hogenkamp festgehalten und dazu gesagt:

schlechtes Basler Handwerk, denn das kann ja wohl nicht der Anspruch sein.

der anspruch? der lautet immerhin:

"den Leserinnen und Lesern das attraktivste Nachrichtenportal der Schweiz zu bieten"
warum man gleich mit solchen superlativen um sich werfen muss, keine ahnung. aber bitte nicht erschrecken, wenn wir euch daran messen.


• boulevardisierung

beispiel von heute morgen:


wohlverstanden, das sind die zwei topthemen gleich unter dem megabanner zu den unterkategorien basel und schweiz. ähm... nochmal hingucken, bitte: links die tittenparade von the next big bademeister, rechts eine falsche und für jeden toten soldaten hochbeleidigende headline.

sagte da jemand was von nachrichtenportal? journalismus? wichtige themen und so?

• design

neu ist das design nicht, muss es auch nicht sein. die schriften sind angenehm gross, die bilder grosszügig, ein schön gemachtes grundgerüst. dass jede der drei partner eine eigene titelschrift hat, finde ich eher verwirrend. wie das ganze aussehen wird, wenn dann mal alle drei partner ihr eigenes zeug wirklich in die seite eingebaut haben, wird sich zeigen.

• fazit

für den mainstream user mag das ein guter start sein, online afficionados wundern sich ab der unfertigkeit und fehlenden detailtreue.


> tagesanzeiger.ch
> bazonline.ch
> bernerzeitung.ch


update 09.07h: der medienspiegler sieht den oben erwähnten matterhorn/irakkrieg-vergleich ähnlich kritisch: An Zynismus oder journalistischer Naivität kaum zu überbieten...

> medienspiegel
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14. August 2008

frachtschiffreise rund um dänemark: das bilderbuch


dieses bilderbuch (mit etwas text, hier als pdf, 1mb) liegt schon seit ewigkeiten auf meiner harddisk rum, was doch eigentlich schade ist. könnte ja sein, dass hier ein reeder mitliest und mir die reportage abkauft resp. mich auf eine neue schickt. ein schlaues buch über frachtschiffreisen gibts übrigens auch noch nicht, nur falls hier verlegerinnen mitlesen.

wer eine frachtschiffreise buchen möchte, geht bei kapitän zylmann an bord.

ich geh jetzt wieder echolote eichen.
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11. August 2008

8. August 2008

das wahlbistro: kein palaver, debatten. rund um die uhr


interessant:
kaum ist bei facts 2.0 der bär los, gehen zwei berner mit einem artverwandten projekt an den start: das wahlbistro.

das konzept: kein palaver, debatten. rund um die uhr. genauer:

Früher diskutierten Politiker und politisch Interessierte im Saal des „Bären“ oder „Rebstock“. Diese Kultur ist praktisch ausgestorben. Das virtuelle Wahlbistro ist die logische Antwort unserer Zeit. Sie können bei uns Platz nehmen und zuhören, so lange Sie wollen.

natürlich kann man auch mitdiskutieren – aber nur mit einem sehr genauen anmeldeprozedere, man muss sogar eine telefonnummer angeben. das finde ich zwar etwas gar genau, aber man will offensichtlich nix anbrennen lassen.

wie der name schon sagt, geht es "nur" um wahlen. da solche im herbst in div. berner städten anstehen, startet das wahlbistro vorerst im kanton bern. stimmt die resonanz, will man im nächsten jahr die wahlen im aargau und in graubünden mit debatten beglücken. das projekt sieht sich als ergänzung zu smartvote, der erfolgreichen wahlhilfeplattform.

die macher: monika tschumi (politikwissenschaftlerin) und mark balsiger (pr-fachmann und medienschaffender), beide vereinigt in der pr agentur border crossing. ob das gut geht, wenn eine pr-agentur politische debatten moderiert, wird sich weisen müssen. mutig ist es allemahl, so ein projekt zu lancieren.

wäre zu schön, wenn das was werden würde. in diesem sinn: ich bin gespannt und wünsche frohes schaffen.

via retoM.

update 14.8.08: heute wurde meine anmeldung vom 8.8.08bestätigt. per mail. u.a. mit dem satz:
Wir werden Ihnen bis Ende August Ihre Zugangsdaten schicken, nachdem wir Ihre Angaben überprüft haben.
bin mal gespannt, WIE das geprüft wird.
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7. August 2008

wie jetzt? baz.yourbasel oder baz.online oder bzm(online) oder newsnetz?



gute headlines sind manchmal glückssache und sie entstehen meistens nicht in fünf minuten.

schlechte headlines sind manchmal umständehalber schlecht. nicht selten liegt es an den kunden, denen der mut zur prägnanten formulierung fehlt. oft auch an den textern, die keine sind.

grottenschlechte headlines sind umso kontraproduktiver und peinlicher, je grösser der brand ist, der dahinter steht. obiges beispiel ist beides. und zwar mega.

kleine analyse: in der ersten zeile sagen sie uns, dass sie mit dem internetdings die absolut hinterletzten sind, die's noch grad knapp geschnallt haben, bevors endgültig lächerlich wird. in der zweiten zeile tun sie so, als wären sie die einzigen, die internet nach hause liefern. allerdings nur an männer. die drei kurzen sätze dekorieren sie mit drei ausrufezeichen. DREI.

wo eine grottenschlechte headline drübersteht, ist meistens auch entsprechender content drunter. das ist hier auch der fall. es fängt schon im header an:

der absender: das kürzel bzm bezeichnet das verlagshaus basler zeitung medien. das muss man erst mal wissen. die haben, um sich im onlineportal newsnetz (gemeinsam mit tagi und espace) einzubringen, eine ag gegründet. toll. wir befinden uns also im verlagsblog. oder doch nicht?

in der navigation finden wir den menupunkt redaktion. dort finden wir alle artikel, die mit redaktion getaggt sind. nicht etwa das impressom oder so. dann der menupunkt verkauf. dort sind alle mit diesem wort verschlagworteten artikel zu finden. nicht etwa die anzeigenpreise. dito in den menupunkten über uns und markt. gut, wenn mans dann mal weiss, kann man sich drauf einstellen.

interessant auch, dass sich die website blog nennt. momentan macht das ding den eindruck, als würden dort einfach alle pr-artikel parkiert, die die baz zum launch von newsnetz herausgegeben hat. von blogtypischen inhalten ist man noch weit entfernt. kann ja noch werden.

noch interessanter die url. nicht etwa bazonline.ch/blog oder blog.bazonline.ch oder noch besser blog.baz.ch. nein, sie heisst baz.yourbasel.ch. ätsch. da vermutet man glatt eine cooperation mit den touristikern. denkste. yourbasel.ch ist eine blogengine für basel.

blogengine? hm... diesen begriff braucht zwar hierzulande kein mensch, aber meinetwegen. haben die also neben dem newsnetz grad noch einen blogdienst aus dem boden gestampft. supi. wie das gemeint ist, steht dort zwar nicht, aber egal, hauptsache man hat ne eigne engine, und erst noch eine, die auf dem sinnigen theme copyblogger läuft. echt klasse, baz.

henusode. jedenfalls bloggt dort jetzt die bzm(online)ag resp. die bazonline redaktion resp. die filiale basel des newsnetz resp. baz.yourbasel – je nachdem halt.

wie jetzt genau ist vermutlich nicht so wichtig und was und wo und wer und warum werden wir erst heute abend oder morgen wirklich sehen. vielleicht.

bis hierhin ist das alles doch eher etwas schrottig, finde ich.

aber schauen sie selbst: baz.youbasel.ch
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6. August 2008

clever, diese chinesen


ach sooooo..., jetzt ist alles klar: die führen sich extra so dämlich auf drüben in peking, weil damit die sponsoren mehr beachtung finden. alles halb so dramatisch also.


vermutlich sind die wanderarbeiter, die während jahren den ganzen olympia zirkus aufgebaut haben, gar nicht aus der stadt verwiesen worden. die hocken stattdessen in den kneipen der aussenquartiere und laden sich auf einladung des IOC die hucke voll.

nach den spielen, wenn die sponsorenverträge erfüllt sind, wird alles anders:

  • das internet werden sie wieder voll laufen lassen, inkl. das nervige gedöns von amnesty und so.
  • fackelläufe finden wieder ohne polizeischutz statt, jeder darf, keiner muss.
  • visas kann man sich selber via opt-in-opt-out runterladen.
  • jeder tibeter bekommt einen eigenen swimmingpool.

war nämlich gar nicht so gemeint, all diese fisimatenten. aber irgendwie muss man die sponsoren ja ins gespräch bringen. sonst rechnet sich das ganze nicht.

clever, diese chinesen.

> quelle: werbewoche
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der alleinwohner


in der urbanen schweiz wohnt in jedem vierten haushalt ein mann – allein. drei studenten des industrial design an der ZHDK haben 8 produkte für den alleinwohner entwickelt. eine wunderschöne arbeit.

der alleinwohner, so dachten sich valentin engler, marius morger und daniel grolimund, hat ganz besondere bedürfnisse. so z.b. verfügt er oft nur über einen tisch, auf dem arbeiten und wohnen gleichzeitig stattfindet. das führt, etwa bei frauenbesuch, manchmal zu komplikationen.

die lösung: zwei ebenen, die obere kann man verschieben. unten kann man das büropuff liegen lassen, oben schon mal aufdecken. sehr clever.

alleinwohner sind manchmal einsam. sogar dafür haben die drei jungdesigner ein bestechendes produkt kreiert: ein nistkasten mit offener rückwand, den man sich aussen an die fensterscheibe klebt. so kann der alleinwohner von seinem wohnzimmer aus dem familienleben seiner kleinen freunde zugucken.


ob das die die vögel und die ornithologen auch lustig finden, sei mal dahingestellt – die idee ist jedenfalls umwerfend, finde ich.

sehr spannend sind auch die 68 nichtausgeführten ideen. zumindest ein paar davon. z.b. ein ordnungscontainer mit dem motto alles rein damit. eine hausbar, die sich nur zu zweit öffnen lässt, damit der alleinwohner nur in gesellschaft trinkt. Ein bettwäschebezug bedruckt mit siff, haaren und flecken. oder:



auch diese nichtausgeführten ideen sind auf der website dokumentiert – ein toller einblick in die arbeit von design teams.

überhaupt, diese website, auch sie ein kleiner wurf.

alles in allem: gut gedacht, gut gemacht.

> der alleinwohner

via swissmiss
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update: quasi zeitgleich hat auch neuerdings über die alleinwohner berichtet.
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2. August 2008

test

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hagen rether: zynismus ist wurst im eigenen darm



fast wäre in den 90ern das politische kabarett wegentertainert worden.
weggespült von einem oberflächlichen comedy tsunami, der den blick in die tiefe verstellte. doch: es gibt neue talente. eines davon ist hagen rether.

zugegeben, so neu ist hagen rether nicht mehr, nur an mit ist der gute bis heute vorbeigegangen. ich hab ihn erst diese woche bei spasspartout von radio drs entdeckt. ein goldstück. er sagt sätze wie:

wissen sie was zynismus ist? zynismus ist wurst im eigenen darm.

eine wucht, solche sätze.

> hagen rether bei youtube
> hagen rether website
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