17. August 2008

st. gallen: voll die bronx

mein lieber freund marco morelli steht mit seinem solozirkus gerade in st. gallen. dort fand übers wochenende auch das st. galler fest statt. 70'000 leute waren da, meldet tagblatt.ch heute. der bericht dort liest sich wie einer über ein kriegsgebiet.

morelli steht im kantonsschulpark, direkt am rand der altstadt, in der das megafest stattfand und die heute von diesem beissenden uringeruch durchsetzt ist, an den sich viele städte dank der euro 08 schon gut gewöhnt haben. ist jedenfalls in der presse kein wort mehr wert.

morelli wohnt in seinem alten wohnwagen direkt neben seiner kleinen mikromanege. und bekommt natürlich mit, was abgeht in diesen innenstädten. boah... da werden kleinstädte stundenweise zur bronx.

morelli erzählt von den letzten zwei nächten in st. gallen: hunderte von besoffenen, agressive stimmung, randalierende kids. letzte nacht war es bis morgens um fünf eine art spiessrutenlaufen, um seine 50 stühle, ein paar sitzbänke, den seiltanzapparat und den rest der manege (bild oben) gegen die besoffene horde zu verteidigen.

während dieser nacht gab es mehrere schlägereien in diesem park, einmal mit polizei und ambulanz. morelli musste mehrere dutzend leute davon abhalten, an seinen wohnwagen zu pissen. dazu dutzende kurztalks mit ungezogenen und rotzfrechen jugendlichen, die auf seinen stühlen nicht nur sassen, sondern sie auch durch die gegend schmissen.

es ist in st. gallen nicht anders als anderswo. auch kürzlich in solothurn war es anstrengend für ihn. zwar ein schönes zirkusplätzchen direkt vor dem gewerbeschulhaus an der schönen aare. aber nachts, wenn du dort als sologaukler im wohnwagen zu wohnen versuchst, wenn die wellness und apero promenade zur sündenmeile verkommt ... voll die bronx, mitten in der provintz.

nicht lustig, das zigeunerleben.

und warum schauen die eltern nicht zu ihren kids?
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Kommentare:

  1. Kids sollten ja eigentlich nicht zu Alk gelangen - eigentlich... Ob's nicht einfach 18-Jährige waren, die aber das Stadion eines Erwachsenen noch nicht erreicht haben?

    Zur gestellten Frage: Ich vermute, dass die Eltern selber überfordert sind mit ihren eigenen Problemen und/oder die Prioritäten bei der Lösung der anstehenden Problemen falsch setzen. Jeder ist sich heutzutage leider selbst der nächste... und Anstand und Respekt lernt man nicht in der Schule.

    Siehe auch Post zu einem ähnlichen Thema von Hier und Jetzt hinter meinem verlinkten Namen (nicht mein Blog)

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  2. Bruder Bernhard17/8/08 22:25

    Absolut unglaublich, der Bericht der Lokalzeitung über das Fest. Gab's Musik, Fressstände, Umzug, Rösslispiel, Tombola? Jodler, Fahnenschwinger, Landfrauen? Ich bin empört über diese tendenziöse, protestantisch anmutende Kritik des St. Galler Tagblatts, die nur heruntermacht!

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  3. @ titus: 18jährige sind für mich noch kids.

    @ bb: ist ja fast bei allen grossen events so, man berichtet nur noch über die umstände, nicht über die inhalte.

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