9. Juni 2007

jubiläum bei swissblogpress: 20 posts in 5 monaten | eine laudatio


heute war es wiedermal soweit: ich entdeckte ein frisches posting von swissblogpress in meinem feedreader. das 20ste in diesem jahr. eine laudatio zum jubiläum.

am 27. oktober letzten jahres hab ich mich als jungblogger erfrecht, das projekt swissblogpress etwas zu zerzausen. das hat mir viele feinde und viele freunde (stammleser) gebracht. aufgenommen wurde ich dann nicht, weil noch zu jung. dafür haben die drei vorzeigemitglieder leumund, kultpavillon und pendlerblog schon nach einem halben jahr die segel bei swissblogpress gestrichen. die ersten beiden, weil ihnen der verein irgendwie zu schwachwindig war, letzterer, weil ihm selbst der schnauf ausging (es war ein kalter abgang aus dem nichts).

diese drei abgänge wurden am 18. märz 07 verbloggt, wie auch eine gute handvoll neuzugänge. die nächsten posts kamen dann schon am 26.3., gleich zwei an einem tag. und vier tage später schon wieder eins – für sbp eine eigentliche blog-kaskasde, denn dann passierte wieder fast ein monat lang gar nix. undsoweiter – 20 posts in einem jahr. der hammer.

die zwei besten posts finde ich die vom finanzblogger, den man immer wieder gerne liest. der rest ist mir irgendwie zu langfädig oder zu abgehoben oder schon hundertmal gelesen. und sonst? ach ja, der gute yoda hat unter dem namen thurgau noch ein paar zeilen über eine neue domain aus meiner blogküche gepostet, was mir sagenhafte 2 klicks gebracht hat. das tat mir dann doch irgendwie fast leid, so wenige lesen da mit?

sbp-pool: unverschämt teuer

anfangs des jahres konnte man (bei yoda?) lesen, dass es jetzt dann gleich mit werbung losgehe. scheint aber irgendwie nicht geklappt zu haben. dafür finden wir auf vielen sbp-blogs diese unsäglich hässlichen mega-banner mit eigenwerbung. slogan: bottom up und reichweitenstark. aha. wie weit reichts denn? schauen wir doch mal nach auf der sbp-website, die ja kürzlich – kaum ein halbes jahr alt – auch schon eine kleine, aber wirklich nur eine gaaanz kleine aufhübschung bekommen hat. nur über die reichweiten steht quasi nix drin. ausser dass gegenwärtig 10 sbp-blogs als pool buchbar sind. der hammer.

und wer verkauft das ganze? oder versucht es wenigstens? genau, www.web2com.ch. die haben doch das auch bei blogwerk mal versucht, aber schon bald fand man dort, dass man das wohl doch besser selber macht. web2com ist eine "publi groupe company". also eine tochter des grössten anzeigenvermittlers der schweiz. so landet dort auch quasi alles, was man auf einer einigermassen bekannten schweizer website buchen kann, von annabelle über immoclick bis zofingertagblatt. bisher ist vom werbekuchen der publigroupe für sbp noch nichts abgefallen.

warum? es mag am preis liegen. ein skyscraper (120x600) kostet bei den 10 sbp-blogs stolze 3'900 (exkl. mwst.), notabene für eine woche. bei blogwerk kostet es 800. dieser preisunterschied ist doch sehr frappant. web2com gibt für die 10 sbp-blogs 350'000 pageimpresions an (auf diesem pdf). das macht pro blog im schnitt 35'000 und pro tag 1'166. entweder hab ich da etwas falsch verstanden oder ich habe einfach sonst das gefühl, dass das etwas gar viel ist (bei mindestens der hälfte der blogs sogar unanständig viel). blogwerk jedenfalls hält sich mit solchen zahlen eher etwas zurück, sagt nichts konkretes, dafür aber was glaubwürdiges – man spricht hier von mehreren tausend trendsetters, die man allmonatlich erreiche.

ein gemischtwarenladen mit hohen streuverlusten

es mag auch an der zusammensetzung dieses kurligen pools liegen: da gibts ein linkes politblog (das mitunter auf billigflüge ab basel verlinkt, wie geht denn das zusammen?); ein leidenschaftlich gemachtes musikblog mit recht spezialisierten inhalten vor allem für junge; ein finanzblog, das zwar sehr kompetent, aber doch eher fernab vom finanzmainstream auftritt; ein eher eigenwilliges/eigenbrötlerisches und basel-lastiges blog aus einer pr-agentur; ein sehr persönliches weltanschauungs- und politblog; ein zweisprachiges mp3-blog (d/e), und als zugpferd noch bloggingtom, eines der meistgelesenen blogs der schweiz. kurz und gut: ein gemischtwarenladen erster güte.

mit anderen worten: streuverluste noch und noch. buche ich was it-lastiges, liege ich bei mindestens einem drittel der sbp-blogs falsch. buche ich ein banner für ein politisches buch, ebenso – und wer bucht schon 3'500 franken für ein buch?. – müesli ginge vielleicht, das essen vielleicht sowohl mp3-freaks wie auch agile börsenzocker. aber die müesliversender haben selber ein blog. schwierig schwierig. auch für einen club, der sich als "erstes bottom-up Blognetzwerk der Schweiz" bezeichnet. bottom-up? von unten nach oben? was bitte ist das für ein terminus? ach ja, kommt von der börse. also ist es hier, wo es um marketing geht, wie geahnt nur eine worthülse.

neben dem vieldiskutierten werbepool trat sbp noch mit anderen hehren ansprüchen an. der originalton auf der sbp-website tönt immer noch sehr ambitiös:

Das als Verein organisierte Netzwerk unterstützt seine Mitglieder in technischen Belangen, Rechtsfragen, Vermarktung, etc. Swissblogpress fördert die publizistische Qualität und damit auch die Glaubwürdigkeit von Blogs. Ein wichtiges Ziel von sbp ist die Steigerung der öffentlichen Aufmerksamkeit für Blogs. Dazu wirkt sbp als Anlaufstelle für alle Belange rund ums Bloggen in der Schweiz.

mich dünkte das schon damals im letzten herbst ein mammut-programm, was die da verkünden. heavy, was die so alles machen wollen. toll. fördern, unterstützen, aufmerksamkeit steigern, anlaufstelle sein, technisch, für rechtsfragen, vermarktung organisieren – einfach alles supi-supi-supi. nur – wollen wir mal punkt für punkt durchgehen? so mal rein rethorisch und spekulativ?

anspruch 1: unterstützt seine Mitglieder in technischen Belangen, Rechtsfragen, Vermarktung
wie weit das sbp-management (oder wer auch immer für diesen part zuständig ist) irgendwelche unterstützung an seine mitglieder ausgeliefert hat, kann ich nicht beurteilen. ich habe aber noch nie in einem blog gelesen: oh, die von sbp haben mir soeben mit einem kniffligen wordpress-trick weitergeholfen. es sind auch keine rechtshändel bekannt, die es zu betreuen galt, aber wenigstens könnten sie sagen, wer dieses mandat ausfüllen würde, ob hauseigene juristen oder freelancer/jus-studenten. die vermarktung ist nicht nur nicht in gang gekommen, sie wird auch noch läppisch aufgegleist (sowas kurliges bucht zu diesem preis niemand, da wett ich eine kiste edelzwicker drauf).

anspruch 2: fördert die publizistische Qualität und damit auch die Glaubwürdigkeit von Blogs
hat jemand was bemerkt davon? wo könnte sowas stattgefunden haben? im sbp-blog? dort gabs wie eingangs erwähnt in diesem jahr ganze 20 posts und ausser dem finanzblogger seine zwei hätte man den rest (bis auf den austritt von leu und konsorten) ebenfalls weglassen können, was der publizistischen qualität im allgemeinen und der glaubwürdigkeit von blogs im speziellen nicht im geringsten etwas hätte anhaben können. finde ich.

anspruch 3: Steigerung der öffentlichen Aufmerksamkeit für Blogs
auch dieser part lief quasi inkognito ab. niemand hat das geringste mitbekommen. ich behaupte jetzt einfach mal kühn, dass der zunehmende traffic in meiner eigenen kleinen bloghütte nicht das verdienst von sbp ist. so mag es auch anderen ergehen. ich glaube auch nicht, dass das sbp-management briefe an ringier und tamedia und weiss der geier wen geschrieben hat, um diese von der lancierung von themenblogs und rückkanälen zu überzeugen.

anspruch 4: Anlaufstelle für alle Belange rund ums Bloggen in der Schweiz.
anlaufstelle? für alle belange? wie, alle belange? politisch? technisch? kulturtechnisch? kann man kurse buchen? dürfen auch blöde fragen gestellt werden? und wenn ja, an wen? die konatkadressen des präsidiums sind ja immer noch unter "impressum" gut versteckt, also schreibts euch eure belange woanders in die comments-heisst-das-doch. oder hab ich was verpasst? ist schon jemand aufgelaufen?

unter dem strich bleibt – nichts

in keinem der vier obigen ziele ist auch nur ansatzweise etwas geleistet worden. null. zero. ausser dass man eine zweite aufnahmerunde durchgezogen (7 eintritte vs. 3 austritte, eine desaströse quote) und ein überteuertes und unprofessionell formuliertes werbeangebot angeleiert hat (das noch von miemandem gebucht worden ist), ist ja quasi nix gelaufen. NICHTS. ach ja, das sbp-blog gibt es noch, mit den bereits erwähnten 20 einträgen in 5 monaten, kicher. ich meine, sowas muss man sich ja erstmal getrauen: sich blognetzwerk nennen, obige ansprüche formulieren, mit einem unsäglich dummen eliteanspruch an den start gehen und dann in 5 monaten nur 20 post abliefern, von denen nur die des finanzbloggers wirklich was bloggishes hergeben. ziemlich abgebrüht, würd ich meinen.

henusode. was ist zu tun? als cand. blogberater empfehle ich, den verein an der kommenden gv aufzulösen und stattdessen einen neuen zu gründen: swisswebpress. der grund liegt auf der hand: webseiten gibt es exorbitant viel mehr als blogs. es müssen hunderttausende sein allein in der schweiz. wenn ihr dann noch das anmeldeprozedere in ein schlankes one-two-three-sign-up eindampft und den mitgliederbeitrag auf 10 stutz runterfährt, werdet ihr sicher ein paar tausend webseitenbetreiber finden, die es cool finden, in so einem club dabei zu sein. auch wenn er nichts tut ausser mitgliederbeiträge einkassieren. das müsste doch zu machen sein.

und jetzt weiter im depot für die short cuts.

Kommentare:

  1. Henusode

    Deine Kritik nehmen wir Ernst und vieles wissen wir selbst auch schon und sind daran Gegensteuer zu geben - und das alles in der Freizeit, ohne Reise- oder Verpflegungsspesen, geschweige den n Sitzungsgelder, bei einem Vorstand wo jeder auf gute 100% «Nebenerwerbstätigkeit» neben Blog und sbp kommt.

    Vielleicht finden sich noch andere, die Mitziehen möchten, an Ideen fehlt es nicht. Aber es ist hart, heute freiwillige Mitstreiter zu finden. Sport, Kultur, Politik, Kirche ... alle können darüber ein Lied singen - aber die meisten klagen nicht, versuchen sich zu arrangieren.

    Dank noch für die Blumen an mein Finanzblog und «nicht im Mainstream» ist es, weil es genügend gemainstreamte Finänzler gibt. Es gibt auch andere, ich scheine nicht der Einzige zu sein - eben «ganz-anders», aber dazu später auf dem Finanzblog mehr.

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  2. das ist mir schon klar, dass es viel zu tun gibt und dass immer weniger leute für gratis-arbeit zu haben sind. aber das interessiert niemanden. ich messe euch an euren eigenen ambitiösen ansagen und da ist es nun halt mal so, dass irgendwie die stones angesagt waren und jetzt nicht mal göla auf der bühne steht. warum das so ist, kann man diskutieren, aber es bleibt ein grounding.

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  3. Erstaunlich! Man(n) gründet einen Verband (Verein), verlangt Mitgliederbeiträge und wundert sich, dass das in Arbeit ausartet?

    @ Stephan

    Willkommen in der Realität :-)

    So wie euch gehts allen Vereinigungen und Verbänden. Es reicht aber nicht, einfach mal gross zu lafern, man(n) sollte dann schon auch noch liefern. Sonst ist die Glaubwürdigkeit futsch und das Image als Verband dahin, falls man(n) so eines überhaupt schon aufbauen konnte...

    @bugsierer

    Toll Idee, die swisswebpress. Lass uns das machen: Du Präsi, ich GF? Oder umgekehrt.

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  4. Hervorragend analysiert und genauso hervorragend ge- und beschrieben, bugsierer!

    Warum das Ganze m.E. schon zu Beginn zum Scheitern verurteilt war:
    1) Es war getragen vom guten Willen von ein paar Bloggern mit einer - an sich - guten Idee
    2) Sie haben versucht, andere mit ins Boot zu holen (auch eine gute Idee); mich auch, damals.
    3) Sie haben dann über ein Wiki verschiedene "Diskussionen" gestartet, z.B. zum Namen "SwissBlogPress". Meine Inputs und Ideen dazu wurden abgewürgt: "Wir haben die Domain schon registriert." Auch zu anderen Themen, auch von anderen. Sollten hier vorgefertigte Ideen abgenickt werden?

    Ich habe mich dann entschieden, noch vor dem Launch wieder auszusteigen.

    Ich bin gerne dabei, wenn's darum geht, gemeinsam eine neue Idee auszuhecken und umzusetzen (auch in der Freizeit, auch mit Aufwand). Und sich gegenseitig mit Ideen zu "befruchten". Ich bin auch stark genug, um zwischendurch den "advocatus diaboli" zu geben und unbequeme Fragen (im Sinn der Sache, nicht zur eigenen Profilierung!) zu stellen.

    Aber hier habe ich feststellen müssen, dass ich da nicht reinpasse. "Die ticken anders, auch ok" war meine Erkenntnis. (Nein: ich war nicht die beleidigte Leberwurst.) Und habe vermutet (ja, ja, die Lebenserfahrung ...), dass das Ganze nie zum Fliegen kommt.

    Ich würde heute gerne zugeben, dass ich mit meiner Einschätzung falsch gelegen hätte, wenn sbp ein Erfolg geworden wäre. So bleibt mir die Genugtuung, dass meine Fähigkeit, Situation (auch) mit dem Bauch einschätzen zu können, noch immer bestens funktioniert. Auch ein "Gewinn" - und was für einer! :-)

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  5. @ daniela: wir machen doppel-präsi und lagern den rest nach bangalore aus.

    @ marcel: merci für deine komplimente und die ausführliche replik. – genau dieses bauchgefühl schätze ich auch. ist halt warscheinlich eher uns alten knackern eigen als den jungen elite-bloggern.

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