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9. Juni 2007

jubiläum bei swissblogpress: 20 posts in 5 monaten | eine laudatio


heute war es wiedermal soweit: ich entdeckte ein frisches posting von swissblogpress in meinem feedreader. das 20ste in diesem jahr. eine laudatio zum jubiläum.

am 27. oktober letzten jahres hab ich mich als jungblogger erfrecht, das projekt swissblogpress etwas zu zerzausen. das hat mir viele feinde und viele freunde (stammleser) gebracht. aufgenommen wurde ich dann nicht, weil noch zu jung. dafür haben die drei vorzeigemitglieder leumund, kultpavillon und pendlerblog schon nach einem halben jahr die segel bei swissblogpress gestrichen. die ersten beiden, weil ihnen der verein irgendwie zu schwachwindig war, letzterer, weil ihm selbst der schnauf ausging (es war ein kalter abgang aus dem nichts).

diese drei abgänge wurden am 18. märz 07 verbloggt, wie auch eine gute handvoll neuzugänge. die nächsten posts kamen dann schon am 26.3., gleich zwei an einem tag. und vier tage später schon wieder eins – für sbp eine eigentliche blog-kaskasde, denn dann passierte wieder fast ein monat lang gar nix. undsoweiter – 20 posts in einem jahr. der hammer.

die zwei besten posts finde ich die vom finanzblogger, den man immer wieder gerne liest. der rest ist mir irgendwie zu langfädig oder zu abgehoben oder schon hundertmal gelesen. und sonst? ach ja, der gute yoda hat unter dem namen thurgau noch ein paar zeilen über eine neue domain aus meiner blogküche gepostet, was mir sagenhafte 2 klicks gebracht hat. das tat mir dann doch irgendwie fast leid, so wenige lesen da mit?

sbp-pool: unverschämt teuer

anfangs des jahres konnte man (bei yoda?) lesen, dass es jetzt dann gleich mit werbung losgehe. scheint aber irgendwie nicht geklappt zu haben. dafür finden wir auf vielen sbp-blogs diese unsäglich hässlichen mega-banner mit eigenwerbung. slogan: bottom up und reichweitenstark. aha. wie weit reichts denn? schauen wir doch mal nach auf der sbp-website, die ja kürzlich – kaum ein halbes jahr alt – auch schon eine kleine, aber wirklich nur eine gaaanz kleine aufhübschung bekommen hat. nur über die reichweiten steht quasi nix drin. ausser dass gegenwärtig 10 sbp-blogs als pool buchbar sind. der hammer.

und wer verkauft das ganze? oder versucht es wenigstens? genau, www.web2com.ch. die haben doch das auch bei blogwerk mal versucht, aber schon bald fand man dort, dass man das wohl doch besser selber macht. web2com ist eine "publi groupe company". also eine tochter des grössten anzeigenvermittlers der schweiz. so landet dort auch quasi alles, was man auf einer einigermassen bekannten schweizer website buchen kann, von annabelle über immoclick bis zofingertagblatt. bisher ist vom werbekuchen der publigroupe für sbp noch nichts abgefallen.

warum? es mag am preis liegen. ein skyscraper (120x600) kostet bei den 10 sbp-blogs stolze 3'900 (exkl. mwst.), notabene für eine woche. bei blogwerk kostet es 800. dieser preisunterschied ist doch sehr frappant. web2com gibt für die 10 sbp-blogs 350'000 pageimpresions an (auf diesem pdf). das macht pro blog im schnitt 35'000 und pro tag 1'166. entweder hab ich da etwas falsch verstanden oder ich habe einfach sonst das gefühl, dass das etwas gar viel ist (bei mindestens der hälfte der blogs sogar unanständig viel). blogwerk jedenfalls hält sich mit solchen zahlen eher etwas zurück, sagt nichts konkretes, dafür aber was glaubwürdiges – man spricht hier von mehreren tausend trendsetters, die man allmonatlich erreiche.

ein gemischtwarenladen mit hohen streuverlusten

es mag auch an der zusammensetzung dieses kurligen pools liegen: da gibts ein linkes politblog (das mitunter auf billigflüge ab basel verlinkt, wie geht denn das zusammen?); ein leidenschaftlich gemachtes musikblog mit recht spezialisierten inhalten vor allem für junge; ein finanzblog, das zwar sehr kompetent, aber doch eher fernab vom finanzmainstream auftritt; ein eher eigenwilliges/eigenbrötlerisches und basel-lastiges blog aus einer pr-agentur; ein sehr persönliches weltanschauungs- und politblog; ein zweisprachiges mp3-blog (d/e), und als zugpferd noch bloggingtom, eines der meistgelesenen blogs der schweiz. kurz und gut: ein gemischtwarenladen erster güte.

mit anderen worten: streuverluste noch und noch. buche ich was it-lastiges, liege ich bei mindestens einem drittel der sbp-blogs falsch. buche ich ein banner für ein politisches buch, ebenso – und wer bucht schon 3'500 franken für ein buch?. – müesli ginge vielleicht, das essen vielleicht sowohl mp3-freaks wie auch agile börsenzocker. aber die müesliversender haben selber ein blog. schwierig schwierig. auch für einen club, der sich als "erstes bottom-up Blognetzwerk der Schweiz" bezeichnet. bottom-up? von unten nach oben? was bitte ist das für ein terminus? ach ja, kommt von der börse. also ist es hier, wo es um marketing geht, wie geahnt nur eine worthülse.

neben dem vieldiskutierten werbepool trat sbp noch mit anderen hehren ansprüchen an. der originalton auf der sbp-website tönt immer noch sehr ambitiös:

Das als Verein organisierte Netzwerk unterstützt seine Mitglieder in technischen Belangen, Rechtsfragen, Vermarktung, etc. Swissblogpress fördert die publizistische Qualität und damit auch die Glaubwürdigkeit von Blogs. Ein wichtiges Ziel von sbp ist die Steigerung der öffentlichen Aufmerksamkeit für Blogs. Dazu wirkt sbp als Anlaufstelle für alle Belange rund ums Bloggen in der Schweiz.

mich dünkte das schon damals im letzten herbst ein mammut-programm, was die da verkünden. heavy, was die so alles machen wollen. toll. fördern, unterstützen, aufmerksamkeit steigern, anlaufstelle sein, technisch, für rechtsfragen, vermarktung organisieren – einfach alles supi-supi-supi. nur – wollen wir mal punkt für punkt durchgehen? so mal rein rethorisch und spekulativ?

anspruch 1: unterstützt seine Mitglieder in technischen Belangen, Rechtsfragen, Vermarktung
wie weit das sbp-management (oder wer auch immer für diesen part zuständig ist) irgendwelche unterstützung an seine mitglieder ausgeliefert hat, kann ich nicht beurteilen. ich habe aber noch nie in einem blog gelesen: oh, die von sbp haben mir soeben mit einem kniffligen wordpress-trick weitergeholfen. es sind auch keine rechtshändel bekannt, die es zu betreuen galt, aber wenigstens könnten sie sagen, wer dieses mandat ausfüllen würde, ob hauseigene juristen oder freelancer/jus-studenten. die vermarktung ist nicht nur nicht in gang gekommen, sie wird auch noch läppisch aufgegleist (sowas kurliges bucht zu diesem preis niemand, da wett ich eine kiste edelzwicker drauf).

anspruch 2: fördert die publizistische Qualität und damit auch die Glaubwürdigkeit von Blogs
hat jemand was bemerkt davon? wo könnte sowas stattgefunden haben? im sbp-blog? dort gabs wie eingangs erwähnt in diesem jahr ganze 20 posts und ausser dem finanzblogger seine zwei hätte man den rest (bis auf den austritt von leu und konsorten) ebenfalls weglassen können, was der publizistischen qualität im allgemeinen und der glaubwürdigkeit von blogs im speziellen nicht im geringsten etwas hätte anhaben können. finde ich.

anspruch 3: Steigerung der öffentlichen Aufmerksamkeit für Blogs
auch dieser part lief quasi inkognito ab. niemand hat das geringste mitbekommen. ich behaupte jetzt einfach mal kühn, dass der zunehmende traffic in meiner eigenen kleinen bloghütte nicht das verdienst von sbp ist. so mag es auch anderen ergehen. ich glaube auch nicht, dass das sbp-management briefe an ringier und tamedia und weiss der geier wen geschrieben hat, um diese von der lancierung von themenblogs und rückkanälen zu überzeugen.

anspruch 4: Anlaufstelle für alle Belange rund ums Bloggen in der Schweiz.
anlaufstelle? für alle belange? wie, alle belange? politisch? technisch? kulturtechnisch? kann man kurse buchen? dürfen auch blöde fragen gestellt werden? und wenn ja, an wen? die konatkadressen des präsidiums sind ja immer noch unter "impressum" gut versteckt, also schreibts euch eure belange woanders in die comments-heisst-das-doch. oder hab ich was verpasst? ist schon jemand aufgelaufen?

unter dem strich bleibt – nichts

in keinem der vier obigen ziele ist auch nur ansatzweise etwas geleistet worden. null. zero. ausser dass man eine zweite aufnahmerunde durchgezogen (7 eintritte vs. 3 austritte, eine desaströse quote) und ein überteuertes und unprofessionell formuliertes werbeangebot angeleiert hat (das noch von miemandem gebucht worden ist), ist ja quasi nix gelaufen. NICHTS. ach ja, das sbp-blog gibt es noch, mit den bereits erwähnten 20 einträgen in 5 monaten, kicher. ich meine, sowas muss man sich ja erstmal getrauen: sich blognetzwerk nennen, obige ansprüche formulieren, mit einem unsäglich dummen eliteanspruch an den start gehen und dann in 5 monaten nur 20 post abliefern, von denen nur die des finanzbloggers wirklich was bloggishes hergeben. ziemlich abgebrüht, würd ich meinen.

henusode. was ist zu tun? als cand. blogberater empfehle ich, den verein an der kommenden gv aufzulösen und stattdessen einen neuen zu gründen: swisswebpress. der grund liegt auf der hand: webseiten gibt es exorbitant viel mehr als blogs. es müssen hunderttausende sein allein in der schweiz. wenn ihr dann noch das anmeldeprozedere in ein schlankes one-two-three-sign-up eindampft und den mitgliederbeitrag auf 10 stutz runterfährt, werdet ihr sicher ein paar tausend webseitenbetreiber finden, die es cool finden, in so einem club dabei zu sein. auch wenn er nichts tut ausser mitgliederbeiträge einkassieren. das müsste doch zu machen sein.

und jetzt weiter im depot für die short cuts.

28. November 2006

swissblogpress: bugsierer geht eigene wege


abgelehnt. das war nicht anders zu erwarten bei einem blog, das bei swissblogpress als erstes grad mal das logo abschaffen und den namen ändern wollte. dass die absage allerdings ganz ohne begründung kam, war eine überraschung. eine mehr.

auf eine erste nachfrage kommt dann doch die auskunft: das alterskriterium ist nicht erfüllt. korrekt. ist auch im fall von blogkritik.ch korrekt, aber dort in meinen augen erst recht falsch entschieden. irgendwie kleingeistig. ein guter fussballtrainer, ein regisseur, ein konzertveranstalter, ein zirkusdirektor oder ein smarter unternehmer hätte blogkritik.ch resp. den schillernden blogicki mit handkuss genommen.

gewiss, sbp ist kein zirkus. irgendwie ist das aber schade. es ist auch kein varietee, dazu ist und wirkt es zu stumm. wer sich so weit aus dem fenster lehnt und dann jegliche debatte so wortlos aussitzt, macht denkbar schlechte unterhaltung. – nun, ich fragte nochmals nach, da ja mein blog auch im februar 07 dem alterskriterium noch nicht entsprechen werde. darauf kam die antwort:
So viel ich mich erinnere, hat im Vorstand ausser dem Alter nichts gegen dein Blog gesprochen. Die Chance ist also sehr hoch.
so so. sehr hoch. gut gut. aber das problem bleibt ja, jungs. das ist doch nicht logisch, das groovt nicht. das sind von 5 fehlenden monaten nur zwei weniger, was soll das? wer soll euch das glauben? das ist eine floskel und diese floskel ist eigentlich auch euer gutes recht. bei 30 aspiranten würd ich auch nur die 15 nehmen, die die strategie, so diffus sie auch ist, von sbp weiter tragen. und nicht die, die blöde fragen stellen schon alles auf den kopf stellen wollen, bevor sie überhaupt dabei sind. diese besserwisser. yes, würd ich genau auch so abwickeln. ich wäre sogar für eine art kuratoren-modell. bin ich immer. funktioniert einfach alles viel besser, wenn eine kleine gruppe mit viel kompetenzen ausgestattet wird oder noch besser wenn ein echter entrepreneur die dinge solo an die hand nimmt. wie in montreux, in willisau, bei swatch, bei globetrotter, bei blogwerk.

macht es doch umgekehrt:
nur auf einladung


also, liebe sbp, macht es doch umgekehrt: nicht "man kann sich bewerben", sondern "wir laden ein". damit erspart ihr euch erstens viel arbeit, zweitens macht es das ganze interessanter, drittens wäre es ehrlicher, weniger überheblich, viertens mit diesem prinzip eine veritable standesorganisation, die bei allen playern gut sortiert und vielversprechend dasteht: sbp-mitglied wird man nur auf einladung, wow!. gmailer wurd man ja bis vor kurzem auch nur so und in britischen herrenclubs kommt man bis heute anders nicht rein. auf einladung, auf vorschlag von mindestens x mitgliedern.

wie ich auf eine einladung von sbp reagieren würde, hängt vom weiteren output dieses clubs ab. wenn da bis februar nicht um 500% mehr kontent + aktion daherkommt, dann gibt es nur noch vernachlässigbare gründe, in dieses gebilde einzusteigen. da schick ich dann den huni lieber direkt dem blogicki.

es ist mir ehrlich gesagt zu blöd, liebe sbp, im februar in einem zweiten aufwasch aufgenommen oder erneut abgelehnt zu werden. dies hängt weniger mit meinem nur vermeintlich verletzten ego zusammen, als viel mehr mit der erfahrung, dass beratungsresistente mitplayer ganz schwierige zeitgenossen sind. sehr zeit- und nervenintensiv kann das werden. ich könnte euch lieder davon singen. ganze liederabende gäbe das.

nix grosses, aber ausgegoren

ferner müsste auch eure kommunikation completely neu hochgefahren werden, das wäre die zweite voraussetzung. es kann doch einfach nicht sein, dass ein blogverein auf kritik so gut wie nicht eingeht, comments im eigenen blog kaum rückkommentiert, dass im blog 21 tage funkstille herrscht und die website inhaltlich und usability-mässig immer noch in einem bedenklichen zustand vor sich hin dämmert. also ehrlich jungs, wie bitteschön stellt ihr euch das vor mit dem gepflegten qualitätsbloggen, wenn ihr nicht mal selbst die basics von kommunikation 2.0 eingermassen vorlebt? nöö, das wär dann nicht mein verein.

da reiss ich dann doch lieber selber was an. und ich habe sogar eine idee in der pipeline. nix grosses, aber ausgegoren.

mehr dazu in den nächsten tagen.

ps: irgendwelche gwundernasigen, aber verschwiegenen prototyp-tester am lesen hier? so eine handvoll könnt ich noch brauchen. > gib ein zeichen in den comments oder per mail (siehe oben rechts). danke.

22. November 2006

radikal recherchiert: arnie vs. condi

momentan verhandelt ja das directors board von swissblogpress über die neuaufnahmen von frischen qualitätsblogs. als kandidat muss man in dieser heiklen phase, in der alle augen der ch-blog-elite auf einen gerichtet sind, natürlich themenzentriert höllisch vollgas geben und ab und an auch weltpolitische zusammenhänge haarscharf recherchiert auf den point bringen:



















das tool dazu via yoda

6. November 2006

sbp: ... ausser wir werden verarscht

die medienfachfrau daniela a. caviglia hat sich in ihrem blog mit pep mit dem schweigen der elte-lämmer von swissblogpress befasst. ihr fazit in drei punkten:

1. die kommunikation von swissblogpress ist grottenschlecht.
2. die gründung von swissblogpress ist misslungen
3. ... ausser wir werden verarscht

wen es überhaupt noch interessiert: lesen!

3. November 2006

swissblogpress: von fettnäpfchen zu fettnäpfchen

wie wärs eigentlich mit einem sbp-watschblog? der stoff dazu wär reichlich vorhanden. schon nach einer woche. tolle leistung. bevor wir aber mit der tür in die bloghütte stürzen, seien hier ein paar beobachtungen und bemerkungen für die geschichtsbücher festgehalten.

mit dem begriff "elite" hat sich sbp in ein blubberndes fettnäpchen gesetzt – und scheint sich dort genüsslich und saunamässig auszuruhen. weder die beiden ko-präsis noch die mitgliederblogs fühlen sich bemüssigt, gross in die diskussion einzugreifen. zu meinem kritischen posting von letzter woche hat einzig der unmündige leser stellung bezogen (mit einer gratulation zu meiner analyse) und auch in anderen blogs war er der fleissigste und praktisch einzige sbp-kommentierer. selbst im sbp-blog wird auf die comments null rückkommentiert.

null diskursive ambitionen

in den 13 mitgliederblogs findet sich nur ein einziges posting, das die diskussion aufgreift: der leumund beklagt sich etwas betupft über die jungen wilden – zum teil zu recht. in vielen blogs wurde sbp auf die angestrebte vermarktung sowie auf das elite-fettnäpchen reduziert, oft mehr gehässig als analytisch. das ist ungerecht, liegt aber an der dürftigen information zum unausgegorenen gesamtkonzept von sbp.

auch die neuesten postings im sbp-blog verheissen wenig kommunikationsfreude, null diskursive ambitionen und konzeptionelle ratlosigkeit. man spricht hier schönfärberisch von "guten nachrichten": es hätten sich fast 30 blogs um eine mitgliedschaft beworben. die schlechte nachricht ist aber: das aufnahmeprozedere dauere bis ende november und benachrichtigt würden die gesuchsteller bis anfang dezember (der ja bis zum 10. dauert). machen die das alles per post? oder zu fuss?

den kommunikativen vogel schiesst das sbp-präsidium aber mit diesem statement ab – meint doch da der eine ko-präsi (feuillet):
die idee, mehr öffentliche aufmerksamkeit für blogs zu schaffen, ist auf ein positives echo gestossen. wir freuen uns, swissblogpress mit neuen, interessanten blogs anreichern zu dürfen. danke für euer interesse.
ich musste diesen satz dreimal lesen, aber er steht wirklich so da. kein wort zu den ganzen diskussionen, keine replik zur allgemeinen kritik, nichts als positives echo wird da vermeldet. ähm, das ist irgendwie, nun ja, wie soll ich sagen, ähm, – not-very-blog-like sowie eine eklatante verdrehung der tatsachen. das echo war nämlich vorwiegend kritisch bis ablehnend, viele blogs haben sogar offen bekundet, dass sie sich nur anmelden, um entweder einfach mal einen schuh reinzuhalten oder dann um die sache ev. noch rumzureissen.

gesprächsstoff als qualitätsmerkmal?

und weiter heisst es da vom anderen ko-präsi (schenkel):
nun sind wir also eine woche mit swissblogpress online. die reaktionen sind unterschiedlich ausgefallen. jedenfalls haben wir für gesprächstoff gesorgt.
aha. für gesprächsstoff gesorgt. super. welcher art denn? und ist das ein qualitätsmerkmal? aber es kommt noch dicker:
«was ist swissblogpress genau?», mag sich noch immer die eine oder der andere fragen. vielleicht wissen wir das selbst noch nicht bis ins detail. wir wollten vor einer woche einmal mitteilen: es gibt uns. wir haben diese und diese vorstellungen unserer ziele. und wir sind offen für neue mitglieder. mehr nicht.

spassfaktor als maxime

super. das ist, als würde ein neugegründeter handballverein mitteilen, er habe soeben einen ball und zwei tore gekauft und wolle direkt in der nati-a einsteigen, aber das regelwerk müsse man erst noch studieren. weiss sbp jetzt nur vielleicht nicht, was er eigentlich will, oder gar nicht? ach ja, im nächsten satz kommt ja die antwort: man wollte eifach mal mitteilen, dass es sbp gibt. und hat dazu mal schnell ein paar fiitschers in den klapprechner gehackt, was in einer stunde oder zwei sicher zu machen war. mehr zeit hatte man nicht, wie die unprofessionellste aller entschuldigungen bestätigt:
wir engagieren uns ehrenamtlich für dieses anliegen. da kann es gut vorkommen, dass noch nicht alles so rund läuft. hauptsache aber ist: wir sind motiviert, neue projekte anzureissen, und haben dabei viel spass.
nun ja, der spassfaktor ist auch im vereinsleben nicht zu vernachlässigen. aber ehrenamtlichkeit ist leider keine taugliche entschuldigung für solcherart selbstüberschätzung. schon gar nicht in diesem fall, in dem sbp von neuen mitgliedern qualität einfordert und sich selber gebährdet wie eine sekundarschulklasse am ende einer medienwoche.

wo bleibt die debatte?

mit anderen worten: das unklare und erklärtermassen nichtvorhandene konzept von sbp sowie das elite-fettnäpchen kann als mittelgrosser start-fauxpas durchgehen. dass aber die sbp-jungs auf die ganze kritik nur quasi rudimentär bis gar nicht eingehen, das ist doch sehr schwach. der gemeine blog-newbie und altwilde fragt sich da, inwiefern die herren altblogger das konzept der offenen kommunikation in der blogosphäre kapiert haben resp. es in ihrer eigenen sache ernst nehmen. sie fordern qualität – und die besteht bei einem gepflegten blog ja zu einem guten teil aus kommentar und rückkommentar, aus dem diskurs, der debatte, dem streitgespräch. genau darauf lässt sich sbp bis heute null ein und glänzt stattdessen mit einer miserablen website, mit null konzept, mit dem rückzug ins schneckenhaus und mit banalen schönfärbereien.

das alles ist fatal. das lässt wenig hoffnung zu auf die halbwegs professionelle umsetzung der hehren sbp-ziele. und die fragen müssen erlaubt sein, wie man mit diesem laienhaften konzeptionellen und publizistischen niveau die glaubwürdigkeit von blogs fördern will. oder das vertrauen von werbetreibenden gewinnen. oder die publizistische qualität fördern.

was braucht es noch, um die sbp-gründer aus der reserve zu locken?

27. Oktober 2006

swissblogpress: viele offene fragen


den gründern von swissblogpress sei hier ausführlichst gratuliert. sie haben eine organsiation auf die beine gestellt, die sich für blogs einsetzen will. nicht nur für die eigenen mitgliederblogs, sondern für blogs ganz allgemein. für ein phänomen also, dessen kurz- und mittelfristige potenz breiten kreisen noch nicht bewusst ist. leider ist die neugründung dieses blognetzwerks nicht ganz glücklich geraten.

die frage ist ja: warum bloggen wir? in den 70ern lautete die frage: warum schreiben wir? damals entstanden die ersten alternativen medien, ausschliesslich gedruckt natürlich, es entwickelte sich – dank der neuen technologie des offsettdrucks, die solche publikationen erst möglich resp. zahlbar machte – eine neue autorenszene. schon damals merkten die traditionellen medien erst spät, dass die alternative presse immer mehr an beachtung fand.

den ersten alternativen medien von damals wäre es nie in den sinn gekommen, einen eigenen verlegerverband zu gründen. jeder werkelte in seinem eigenen gärtchen. das war auch noch die zeit, als man entweder an die demo oder an die vernissage ging. aber nicht beides. heute kannst du um zwei an einer demo gegen das neue asylgesetz mitmarschieren und um fünf im kunstmuseum an einer vernissage mit dem cüpli rumstehen. in der marketingsprache nennt man das "der situative konsument". umgangssprachlich kann man auch sagen: heute mc-donalds, morgen schweizerhof.

interessengemeinschaft für blogger

internet-sei-dank ist das heute alles gaaanz anders. die digitale vernetzung hat alles auf den kopf gestellt und das innert weniger jahre. das phänomen "weblog" hat verschiedenste facetten, eine davon ist die gründung von swissblogpress. 13 völlig unterschiedliche blogs tun sich zusammen und gründen eine art ig. eine interessen-gemeinschaft. aber das ist ein ausdruck aus den 70ern, heute und blogbezogen nennt sich das blognetzwerk.

man will sich um technische belange, um rechtsfragen und um die vermarktung kümmern. vermarktung? auch das ist neu in solchen gebilden. man stelle sich vor, die gruppe olten (heute autorinnen und autoren der schweiz) hätte damals das wort "vermarktung" schon nur in den mund genommen – unmöglich. dass sich heute die blogger ganz offen dazu bekennen, nach möglichkeit und adsense sei dank auch ein wenig geld mit ihren blogs verdienen zu wollen, ist also eine neue qualität der alternativen publizistik. und sicher ein legitimer anspruch.

dass man sich bei swissblogpress in technischen und rechtlichen belangen gegenseitig unter die arme greifen will, entspricht den standardmässigen features eines solchen verbgandes. jeder autoclub bietet technische und rechtliche beratung an. beide aspekte sind auch in sachen blogs von grosser relevanz. so mancher blogger scheut sich vor den irrungen und wirrungen einer eigenen wordpress- oder sonstwie-installation, so mancher blogger läuft mangels erfahrung einem anwalt ins offene messer. ganz zu schweigen vom thema kontentklau.

viele offene fragen

ein weiteres anliegen von swissblogpress ist die steigerung der öffentlichen aufmerksamkeit für blogs. auch dies ein standard-feature eines verbandes, der sich rund um ein neues und noch unbekanntes produkt organisiert. als breit abgestütztes blognetzwerk kann man in dieser richtung sicher einiges erreichen. wenn man kann. denn die umsetzung dieses vorhabens bedeutet professionelle pr-arbeit. und die will zuerst beherrscht und dann auch noch gemacht werden.

wer das bei swissblogpress wie machen wird, wurde nicht mitgeteilt. zwar ist in der gründungs-crew eine pr-agentur mit dabei, aber die tut sich momentan noch mit keinen konkreten plänen hervor. es fällt überhaupt auf, dass swissblogpress zwar einige gewichtige sachen ankündigt, aber zu keinem thema konkret wird. das einzig konkrete ist ein schlagzeilen-agreggator, der jedoch neben slug.ch oder zuri.net nur wenig usability-glanz versprüht.

klar, so ein verein soll wachsen können und es ist schon eine reife leistung, dass sich da überhaupt 13 blogs zusammengerauft haben. aber äs bitzeli konkreter hätte es da und dort schon sein dürfen. z.b. bei der leserbeglaubigung, derzeit (und noch lange zeit) ein heiss diskutiertes thema. da interessiert doch, wie diese beglaubigung vonstatten gehen soll. mit welchen kriterien, mit welchen tools, mit welchem terminplan?

sehr viele offene fragen

oder der "austausch in unserem netzwerk". klingt gut, aber wie wird der organisiert? übers netz oder offline mit tagungen? dann wird da der "rechtsschutz (optional)" angesprochen resp. angeboten. was heisst hier optional? wer betreut diese rechtsschutzstelle? ein jurist? gratis? apropos gratis: ich erfahre auch nirgends, was die mitgliedschaft bei swissblogpress kostet. apropos geld: swissblogpress spricht von einem vermarktungsprogramm. wow! das ist ambitiös. da erwarten wir natürlich nicht schon bei der gründung ein fertiges konzept. aber ein paar worte dazu schon. ein ansatz, eine idee und vielleicht auch nur die lapidare mitteilung, dass da jemand an einem konzept gerade arbeitet.

hm. das ist alles ein bisschen schmal, finde ich. so schmal wie die website von swissblogpress, die bei genauerer betrachtung einen eher unausgegorenen eindruck hinterlässt. so erfahren wir erst auf der seite "kontakt", wer in diesem verein das präsidium inne hat. das gehört aber eher in die abteilung "über uns". dafür ist die kontaktseite einzig mit einem kontaktformular ausgestattet, was heutzutage doch nicht wirklich state-of-the-art ist. wenigstens eine direkte e-mail-adresse zu einem der co-präsidenten wäre in der rubrik "kontakt" auf einer website, die die sache der blogs fördern will, das minimum. ja, man findet die entsprechenden daten dann auf dem pdf mit der pressemitteilung. aber warum erst dort und nicht nach einem klick auf der website?

auch der rest der swissblogpress-website ist etwas gar minimalistisch geraten. in der rubrik "über uns" finden wir 14 zeilen zu oben angesprochenen plänen. notabene zu einem halben dutzend teilbereichen, die per se einen hohen anspruch markieren, aber hier in einer eher oberflächlichen ankündigungsmanier verharren. in der rubrik "blogger" erfahren wir, wie man mitglied werden kann. vielleicht wäre hier der rubriktitel "mitglied werden" sinnvoller. hier werden vier hauptaktivitäten von swissblogpress (austausch, leserbeglaubigung, vermarktungsprogramm und rechtsschutz) noch einmal genannt. plus die aufnahmekriterien, die ebenfalls eher vage formuliert sind.

zu viele offene fragen

der stärkste punkt in dieser neugründung ist das aufnahmeverfahren. der vorstand prüft die anträge und gibt den mitgliedern eine empfehlung ab. das mag hoffentlich verhindern, dass swissblogpress zu einem verein für katzen- und kuschelblogs wird. aber auch dieser aspekt ist doch eher ein schwebender. wer ist im vorstand? alle 13 gründungsmitglieder? wird einstimmig oder nach mehrheit entschieden? müssen alle vereinsmitglieder für eine aufnahme sein oder nur ein teil? und was ist mit "qualitativ hochstehend in einem spezifischen themenbereich" genau gemeint? würde da mein hochspezialisiertes aschenbecherblog schon durchgehen?

meine kritik mag pingelig oder kleinmütig oder spielverderberisch anmuten, aber es hat einfach zu viele inhaltliche und andere fehler auf dieser website, als dass man zu dieser durchaus begrüssenswerten neugründung nur jubeln könnte. weitere beispiele gefällig? in der rubrik newsletter kann man keinen newsletter abonnieren, das ist erst demnächst möglich, wird da verlautbart. liebe swissblogpress, solche scherze kennen wir von selbstgemachten handballvereins-websites zur genüge, aber für einen blogverein ist das etwas peinlich. und warum bitteschön wird uns in der rubrik "medien" nur ein hochauflösendes logo zu 615 kb angeboten und das erst noch in einem ollen .eps-format? 99% der zielmedien für dieses projekt (nämlich alle onlinemedien) bräuchten ein schlankes 50-kb-jpg.

der name: irreführend und unglücklich

zum schluss noch ein wort zum namen und zum logo dieses projekts. swissblogpress. da fragt man sich natürlich, was das "press" am ende dieses namens soll. irgendwie steht dieser begriff sehr schief in der landschaft. da doch blogs was ganz anderes sind als press, also presse, also gedruckt. und das ist zweifellos das erste, was der gemeine rezipient da rausliest: irgendwas mit blogs und presse. was aber nur ein marginaler teil des projekts zu sein scheint, nämlich die bekanntmachung von blogs auch in der gedruckten presse. alle anderen pläne dieser organsiation haben mit dem begriff press nix zu tun.

warum nicht gleich "swissblognetwork"? oder meinetwegen mit pünktchen: "swiss.blog.network". das würde im namen, der ja eine marke werden soll, schon das wichtigste sagen. und wer im namen schon alles wichtige gesagt hat, braucht keine baseline mehr (oder kann sie für eine andere aussage benutzen). bei swissblogpress liegt man in der baseline mit dem begriff "blognetzwerk" ziemlich nahe am kürzlich gelaunchten blogwerk. unglücklich ist das. sehr unglücklich. erstens verwechslungsgefahr, zweitens unpräzise abgrenzung, drittens könnte die nähe zu blogwerk theoretisch zu begehrlichkeiten führen.

wohl aber nur theoretisch, da peter hogenkamp, der mitinhaber und chef von blogwerk, sicher schlaueres zu tun hat, als solchen hahnenkampf 1.0 auszufechten. trotzdem, es schleckt keine geiss weg: blognetzwerk und blogwerk sind sich aus sicht eines optimalen namings viel zu nahe. phonetisch und inhaltlich. so nahe, dass ich als mitglied, so ich denn aufgenommen werde, als erstes dafür weibeln würde, sofort diesen namen zu ändern.

denn nicht nur der name ist nur suboptimal, sondern auch das logo. auch hier ist die bildaussage unklar und die gefahr gross, dass etwas anderes daraus gelesen wird, als eigentlich gemeint ist. mögliche interpretationen sind: das logo eines kleinstädtischen verkehrsverbundes, im sinn von: drei vorortsbahnen sind zu einem cityexpress eingedampft worden. oder: alle für einen, gemeinsam packen wirs an. eine aussage, die man auch beim schweizerischen cafetierverband antreffen könnte. dabei müsste die bildliche aussage doch etwas mit vernetzung zu tun haben, dem wichtigsten und prägensten aspekt der ganzen bloggerei.

ich würde also – wie gesagt: falls ich denn aufgenommen werde – nicht nur für die änderung dieses logos weibeln, sondern für dessen ersatzlose streichung. eine gute wortmarke braucht kein logo nebendran. oder sieht jemand bei google noch ein logo? der brand (formerly known as wortmarke) ist das logo.

geschichte schreiben

irgendwie hat es auch was positives, dass swissblogpress so unkonkret startet. man kann sich einbringen und mitdenken und mitmachen. vielleicht haben die gründer (wo bleibt die quoten-gründerin?) extra nur grob ein paar ziele definiert und überlassen die genauere marschrichtung bewusst der sprutzligen eigendynamik in der bloggerszene. das könnte spannend werden. das hätte man auch spannend moderieren und anteasern können. "du bist swissblogpress", oder so.

keine frage also, ich werde mich noch heute um eine aktive mitgliedschaft bewerben (und eine offerte für den mitgliederbeitrag einholen). ich will dabei sein, wenn in der schweiz mediengeschichte geschrieben wird – dieser erste blogverein (welch 2.0-untaugliches wort!) wird dies zweifellos tun. es wäre toll, wenn möglichst viele qualitäts-blogs an dieser geschichte – ebenfalls aktiv – mitschreiben würden und diesem verein zu einer weitherum vernehmbaren stimme verhelfen und ihn zu einer agilen und wirkungsvollen institution werden lassen.

du hast ein qualitätsblog? hier gehts directly zu den swissblogpress-ko-präsidenten:

sandro feuillet, ignoranz.ch, sandro @ feuillet . ch
christian schenkel, eDemokratie.ch, schenkelc @ bluewin . ch

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update: siehe auch posting vom 3.11.06