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11. März 2007

blogkritik.ch übernommen

jetzt hab ich schon vier blogs. das neueste ist zugleich auch das bekannteste: blogkritik.ch. ist irgendwie wie wenn apple microsoft übernehmen würde. zack ein branchenleader im portefeuille.

der gute dr. b. blog blogicki alias dorftrottel alias paz mochte nicht mehr. sein exzessiver ausflug in die welt des mitmachinternets hat ein vorläufiges ende gefunden, er malt jetzt seine gedichte wieder auf leinwand, sagt er. er hat mir blogkritik.ch samt inventar gratis übergeben. leider ist das inventar auf 20% des bestandes zusammengeschrumpft, es fehlen fast alle einträge des grossen dr. b. blog blogicki, vermutlich sind sie gehackt und bösartigerweise weggepingt worden.

das ist zwar schade und vermindert den wert der aktie kurzfristig massiv, nützt aber langfristig der legendenbildung dieser schillernden marke. nur wer selber mitgelesen hat, weiss bescheid. und blogicki hat wirklich einen drauf gemacht, das schleckt keine geiss weg.

wie und ob es mit blogkritik.ch weitergeht? vorläufig eher bescheiden. ich werde mir die eine oder andere blogkritik genehmigen, für den rest lass ich mir zeit. mehr steht drüben.

8. März 2007

kleinmut regiert die blog-welt


in den späten 70ern war ich als jungspund in der anti-akw-bewegung tätig (graben-fest 1976). damals meinten viele, sie hätten die anti-akw-bewegung nur für sich selber erfunden und wenn dann ein jung-ingenieur was mit sonnenenergie oder alternativ-energie aufzog, sah er sich plötzlich dem vorwurf ausgesetzt, er mache jetzt business auf dem rücken der guten idee. ich verstand das schon damals nicht.

nun, die welt hat sich kaum verändert. zwar sind heute energiefachleute auf dem gebiet erneuerbarer energie die stars der grünen szene und kein hahn kräht mehr danach, dass die was verdienen daran. aber die kleingeister sind nach wie vor gut in der gesellschaft vertreten. erstaunlicherweise selbst dort, wo es recht innovativ abgeht, so auch in der blog-szene. nachzulesen aktuellerweise bei matthias.

um was geht es? wie ich das wahrnehme um ein paar senior-blogger, die sich darüber aufregen, dass sie nicht mehr unter sich sind und dass leute in die szene einsickern, die mit professionellen ansätzen an das ding rangehen. hey jungs, ich bin seit 30 jahren in der kommunikation tätig, wollt ihr mir verbieten, das neue medium meinen kunden zu empfehlen und es professionell (also auch kommerziell) einzusetzen?

ich finde die vorwürfe an die blogcamp-protagonisten, sie würden nur der dollars wegen irgendwas tun oder lassen, nichts weiter als kleinmütig, kleingeistig und doppelbödig. wie schon erwähnt, meinereiner hat in einer kleinen, aber langen karriere als kulturtäter, journalist und werber schon unzählige solcher leute erlebt, ich kenne diesen schlag mensch sehr gut, in neun von zehn fällen zeichnet ihn eines aus: er ist angestellter.

wenn ich also mit angestellten in einen disput über das unternehmertum gerate, was sich nicht immer vermeiden lässt, muss ich denen früher oder später sagen: da du nicht mindestens zwei jahre selbständig dein brot verdient hast, hast du keine ahnung davon was es heisst, sich als freelancer oder kmu-ler durchzuschlagen oder gar noch personal zu bezahlen, also nimm den mund nicht zu voll, pliiiis...

angestellte hocken auf ihrem gottverdammten job rum, kassieren gemütlich 13 mal im jahr ihren zapfen, gehen vier wochen dick in die ferien und jammern, wenn sie mal einen monat statt um fünf erst um sieben vom job wegkommen. und sie meinen, 40 wochenstunden seien halt schon viel und arbeiten lieber 80%, um sich ihrem hobby wie z.b. bungee-jumpen zu widmen. im mac-user-club haben sie kein problem, wenn der händler mit am tisch sitzt, aber bei den blogs stört sie jede kleinste dollar-regung aufs empfindlichste. was seid ihr denn für weltfremde?

ah, eben, die gleichen wie vor 30 jahren – henusode. ein glück, dass ihr alle nicht zum blogcamp kommt – das wäre für mich ein grund, mich wieder abzumelden.

1. März 2007

neu bei bugsierer: das bloghandbuch


als ich im frühjahr 2006 zum ersten mal in die blogosphäre eintauchte, war ich auf anhieb fasziniert. aber ziemlich ratlos. als ich mich dann dazu entschloss, selber zu bloggen – vorerst, um das phänomen zu begreifen – war ich noch ratloser. wie anfangen? mit welchem tool? was ist ein trackback? was genau macht technorati? wovor haben die medien angst? wer missveersteht hier was warum?

ich suchte intensiv nach antworten. ich fand da ein schnipsel und dort eines, hier eine erklärung und dort das gegenteil. es war zum davonlaufen. und ist es oft heute noch. es fehlt der überblick. und findest du mal was, ist es veraltet. unschön für newbies.

mit dem neuen, noch schmalen bloghandbuch will ich aus dieser not eine tugend machen und sammeln, was an wissen rund um blogs im deutschssprachigen netz verfügbar ist. dabei interessieren mich vor allem online-beiträge über die kulturtechnik blogging und deren auswirkungen auf gesellschaft, wirtschaft, kultur, medien etcpp. die rein technischen aspekte – von a wie aggregator bis w wie weblog – behandelt wikipedia aufs beste.

für wen ist das bloghandbuch gedacht? für alle, die sich für das thema interessieren. vorerst natürlich vor allem für newbies, für die stetig wachsende schar von neobloggern und/oder neoblogleserinnen sowie für sonstwie interessierte. aber auch gestandene blogger dürften hier die eine oder andere trouvaille finden. oder sie lesen zu einem bestimmten thema gerne wiedermal, was eigentlich sache ist.

wenn du einen beitrag hast oder kennst, der ins bloghandbuch passt: gerne. oder anregungen, kritik, lob? her damit: in den comments oder an bugsierer @ gmail.com

ich wünsche dir eine anregende reise in die neue schöne welt der blogs

der bugsierer

18. Februar 2007

bugsierers bloghütte im bild


wir sprechen ja hier immer von unserer kleinen bloghütte. auf vielseitgen wunsch unserer leserinnen aus hamburg kann ich endlich mit einem bild aufwarten. heute war – nach dieser langen zeit der trüben tage – das licht sehr schön. die bloghütte ist mit einem laptop, einem ultraschnellen w-lan, einem kleinen kühlschrank, einem logitech-soundsystem, einem lesesessel und einer bescheidenen liegestatt ausgerüstet. bloggt sich nicht schlecht hier.

15. Februar 2007

bugsierer übernimmt blogkritik.ch

jetzt wo paz die bude wirklich dicht gemacht hat, kann ichs ja sagen: ich habe bei blogkritik.ch unter dem namen "der hafenmeister" geschrieben. und heute las ich bei yoda, dass das blog endgültig ans ende des internets umgeleitet ist.

ich schrieb dann dem lieben paul anton zorn alias dorftrottel alias dr. b. blog blogicki ein mail und fragte ihn, ob er schon alles gelöscht hätte oder ob er mir meine texte noch irgendwie rauswringen kann. er schrieb sofort zurück:

jep, die bude ist dicht, ich dichte auf papier & leinwand weiter
habe nix gelöscht, nur vorläufig die url beim provider "umgeleiter"
ich gebe die domain bald auf, wie auch die anderen weiter
i.e. dorftrottel.ch, paulantonzorn.ch, und doch bin ich heiter

es wird mir zu teuer, ich kann mir das nicht mehr leisten
bin schliesslich iväuler, kriege noch weniger als die meisten
und bin's müd, der letzte zu sein, den die hunde "beissten"
auf dem internetz. das gehört eh nur den reichsten

hatte einige träume, in welchen ich nicht bloss tippte
nicht nur in den bildschirm starrte, und an zuleserzahlen nippte
sondern bilder malte, skulpturen schuf, deshalb kippte
ich um. warf einen computer raus, und rippte

die ganze idee vom bloggen für's tägliche brot entzwei
na ja, entertainment für die massen, für 'nen apfel und 'en ei
bei welchem der apfel fehlt, und das ei auch. oh my
"die einte händs internet, und ich han dänn halt ebe kei"

die sonne scheint, und die wolken steh'n hoh
die texte sind gesichert, du kriegst sie auch, bro

lass mir ein wenig zeit

paz

hundeli! gömmer laufe!


dann ergab ein mail das andere und jetzt ist es so:

• der bugsierer übernimmt die domain blogkritik.ch plus das dazugehörige blog mit allen inhalten.

• vorläufig wird das blog erstmal weiterhin einsehbar sein, aber rein dokumentarisch und mit abgeschalteter kommentarfunktion.

• wenn ich dann mal zeit hab, mach ich ein neues konzept für blogkritik. vielleicht aber auch nicht.

• paz bekommt im hause blogkritik als dank für seine verdienste seine subdomain paz.blogkritik.ch, wo er seine restlichen seiten versorgen kann. so muss er sich nie mehr um domain- und hosting-gebühren kümmern und kann seine arbeit als bildender künstler weiterhin im netz publizieren.

jetzt such ich noch jemand, der mir bei dieser ganzen züglerei den technischen part übernehmen kann. angebote bitte an bugsierer @ gmail.com.

17. Januar 2007

der streit: sonntagszeitung vs. blogger

ich habe mir wieder feinde gemacht.
die botschaft ist offenbar angekommen.


frei nach
jean rudolf von salis
historiker, schriftsteller, publizist, *1901, †1996


der satz des anstosses aus meinem blog wird von der sonntagszeitung wie folgt zitiert:

Eindeutig den Bogen überspannt hat der Blogger Bugsierer. «Das ist hochgradig unseriös, Mis ter S. Das ist, als würde ich Sie als einen ungehobelten Nachwuchsschurniklugscheisser nennen. Was Sie da machen, ist Bullshit-Journalismus.» Hier geht es nicht um Kritik, sondern es wird in blinder Gehässigkeit auf den Mann – einen SonntagsZeitung-Redaktor – gespielt. In einem Ehrverletzungsverfahren würde der Blogger auf verlorenem Posten stehen.

ich gebe zu, der ausdruck "nachwuchsschurniklugscheisser" ist an der grenze, vor allem dann natürlich, wenn er als zitat im luftleeren raum wiedergegeben wird. dass er als beleidigung nicht gedacht war, sondern als stilistische überzeichnung innerhalb eines bestimmten kontextes, nehme ich für mich in anspruch. und der begriff "bullshitjournalismus" ist auch nicht einfach eine devote eigenerfindung von mir, sondern eine ableitung aus dem wohlbekannten wort "bullshitmarketing".

nehmen wir uns den ganzen abschnitt meines postings vor:

aufgeblasene petitesse

auch ihre journalistische gewichtung der ereignisse ist jenseits von gut und böse, herr skinner. gerade mal zwei blogger haben sie ausfindig gemacht, die je ein bezahltes und als solches gekennzeichnetes posting online gestellt haben und dies erst noch in einem öffentlich und sehr transparent angekündigten werbe-programm. lächerlich, herr skinner. eine zu winzige petitesse ist das, um vom verlieren der blogger-unschuld zu sprechen. aus diesem stoff kann man allenfalls eine early-adopter-geschichte machen (über das neue konzept bezahlter postings), aber keine solche hammer-wertung über die ganze bloggerszene abgeben. das ist unseriös, mister skinner, hochgradig unseriös. und frech. das ist als würde ich sie als einen ungehobelten nachwuchsschurniklugscheisser nennen, herr skinner.

pikantes detail am rande: die sz hat in ihrem zitat die worte "und frech" weggelassen. die sind aber für den folgenden nachwuchsschurni-vergleich wichtig, denn sie machen den vergleich in der richtigen relation spürbar. anyway – liest man meinen ganzen absatz (diese möglichkeit gibt die sz ihren lesern nur bedingt, indem kein link gesetzt ist und sich der geneigte leser das teil herbeigoogeln müsste), liest man also den ganzen absatz, ist das wort des anstosses schon viel weniger schlimm als in einem aus dem zusammenhang gerissenen zitat.

zudem hat herr skinner halt einfach sehr viel unsinn verbreitet und sich von einer fehleinschätzung zur anderen gehangelt. wir wollen das hier nicht alles aufwärmen, man kann hier seinen text und hier meinen nachlesen. jedenfalls fand ich es angemessen, in dieser deftigen art auf den putz zu hauen, weil sein text schlicht und einfach eine grosse und eine diskreditierende fehl- und falscheinschätzung der blogszene war.

sehr zuckerwattig disponiert

interessant ist ja, dass mich die sz wegen ein paar deftigen ausdrücken in den senkel stellt und sich damit quasi von der erwartung freikauft, zu den eigentlichen kritikpunkten stellung zu nehmen. klar, die debatte darüber, was blogger dürfen und was nicht, ist spannend und nötig. klar, ich und ein paar andere blogger sollten sich da und dort vielleicht etwas zügeln, um von den eigentlichen inhalten nicht unnötig abzulenken. aber die grenzen des guten geschmacks sind nun mal fliessend und in der schweiz liegt die latte besonders tief. wenn man hier jemanden einen laferi nennt, hat man schon den halben schuh in einem rechtsstreit, man ist hier in debatten und disputen besonders zuckerwattig disponiert.

dass die sz-leute so gereizt sind, ist nicht weiter verwunderlich. medienleute sind es sich noch nicht gewohnt, mit kritik umzugehen und der verlust ihres kommunikationsmonopols trifft sie empfindlichst. deswegen aber gleich mit der juristenkeule zu schwingen ist doch ein wenig merkwürdig. vor allem dann, wenn man selbst dauernd journalistische fehler wie diesen macht. da schreibt nämlich die sz letzten sonntag über meine wenigkeit:

Zum Glück verfügt das Internet über eigene Kontrollmechanismen. Der Bugsierer – ein Berner Werbetexter – wurde von seinen eigenen Blogger-Kollegen enttarnt und gemassregelt.

das ist völliger unsinn, liebe sz, erstens wurde ich ganz und gar unabsichtlich "enttarnt" und nicht, wie ihr da suggeriert, als strafe meiner bloggerkollegen für meine freche schreibe – das ist ja wohl ein ziemlich grosser und entscheidender unterschied. und zweitens wurde ich von keinem meiner bloggerkollegen gemassregelt, sondern von einer knappen handvoll anonymer kommentierer, die übrigens ebenfalls null auf meine argumente eingegangen sind und stattdessen, wie neulich bei matthias, sätze wie diesen liegen lassen:

offenbar wollen nicht alle deinem aufruf zum dschihad gegen die sonntagszeitung folgen:)

dschihad? hehe, genau, und wir paar winz-blogs sind zum radikalen sz-bashing berufene langzeit-schläfer mit einem mandat von al dschasira. supi. da sind mir dann meine supporter doch noch lieber – kommentierte doch der äusserst nette und harmlose senior-blogger monoblog zu meinem letzten sz-post:

ich find die breitseite wunderbar. macht spass zu lesen und ist erst noch wahr...

ihr wollt über anstand und ehre reden. bitteschön, das ist ein guter plan. ist es anständig und ehrenvoll, dem tv-fuzzi (er nennt sich selber so) kurt aeschabacher zu unterstellen, er blogge nicht selber, sondern lasse bloggen? die sz hat das letzten sommer getan und ich habe mich darüber fürchterlich enerviert. schon damals haben sich eine handvoll leute ein wenig aufgeregt über meinen forschen ton. aber bitteschön, ich prügle ja nicht auf irgendjemand ein, sondern auf eine der grössten zeitungen des landes, die reihenweise fehleinschätzungen und fehlinformationen über die blogger verbreitet. ich rufe ja nicht einfach nur scheisse, sondern argumentiere ziemlich ausführlich. mein winzling-blog ist ja nicht einfach eine kloake aus lauter hasstiraden, sondern bietet neben kritischen einträgen auch eine menge kontent der harmlosen und charmanten sorte.

henusode. – mein vorschlag, liebe sz: reden wir darüber. z.b. am blogcamp in zürich, am 24.3.07. kann das jemand in die hand nehmen?


weitere beiträge zum thema findest du hier:
swiss metablog
blog mit pep
swissblogpress
medienspiegel
bloggingtom
medienlese
werbewoche

27. Oktober 2006

swissblogpress: viele offene fragen


den gründern von swissblogpress sei hier ausführlichst gratuliert. sie haben eine organsiation auf die beine gestellt, die sich für blogs einsetzen will. nicht nur für die eigenen mitgliederblogs, sondern für blogs ganz allgemein. für ein phänomen also, dessen kurz- und mittelfristige potenz breiten kreisen noch nicht bewusst ist. leider ist die neugründung dieses blognetzwerks nicht ganz glücklich geraten.

die frage ist ja: warum bloggen wir? in den 70ern lautete die frage: warum schreiben wir? damals entstanden die ersten alternativen medien, ausschliesslich gedruckt natürlich, es entwickelte sich – dank der neuen technologie des offsettdrucks, die solche publikationen erst möglich resp. zahlbar machte – eine neue autorenszene. schon damals merkten die traditionellen medien erst spät, dass die alternative presse immer mehr an beachtung fand.

den ersten alternativen medien von damals wäre es nie in den sinn gekommen, einen eigenen verlegerverband zu gründen. jeder werkelte in seinem eigenen gärtchen. das war auch noch die zeit, als man entweder an die demo oder an die vernissage ging. aber nicht beides. heute kannst du um zwei an einer demo gegen das neue asylgesetz mitmarschieren und um fünf im kunstmuseum an einer vernissage mit dem cüpli rumstehen. in der marketingsprache nennt man das "der situative konsument". umgangssprachlich kann man auch sagen: heute mc-donalds, morgen schweizerhof.

interessengemeinschaft für blogger

internet-sei-dank ist das heute alles gaaanz anders. die digitale vernetzung hat alles auf den kopf gestellt und das innert weniger jahre. das phänomen "weblog" hat verschiedenste facetten, eine davon ist die gründung von swissblogpress. 13 völlig unterschiedliche blogs tun sich zusammen und gründen eine art ig. eine interessen-gemeinschaft. aber das ist ein ausdruck aus den 70ern, heute und blogbezogen nennt sich das blognetzwerk.

man will sich um technische belange, um rechtsfragen und um die vermarktung kümmern. vermarktung? auch das ist neu in solchen gebilden. man stelle sich vor, die gruppe olten (heute autorinnen und autoren der schweiz) hätte damals das wort "vermarktung" schon nur in den mund genommen – unmöglich. dass sich heute die blogger ganz offen dazu bekennen, nach möglichkeit und adsense sei dank auch ein wenig geld mit ihren blogs verdienen zu wollen, ist also eine neue qualität der alternativen publizistik. und sicher ein legitimer anspruch.

dass man sich bei swissblogpress in technischen und rechtlichen belangen gegenseitig unter die arme greifen will, entspricht den standardmässigen features eines solchen verbgandes. jeder autoclub bietet technische und rechtliche beratung an. beide aspekte sind auch in sachen blogs von grosser relevanz. so mancher blogger scheut sich vor den irrungen und wirrungen einer eigenen wordpress- oder sonstwie-installation, so mancher blogger läuft mangels erfahrung einem anwalt ins offene messer. ganz zu schweigen vom thema kontentklau.

viele offene fragen

ein weiteres anliegen von swissblogpress ist die steigerung der öffentlichen aufmerksamkeit für blogs. auch dies ein standard-feature eines verbandes, der sich rund um ein neues und noch unbekanntes produkt organisiert. als breit abgestütztes blognetzwerk kann man in dieser richtung sicher einiges erreichen. wenn man kann. denn die umsetzung dieses vorhabens bedeutet professionelle pr-arbeit. und die will zuerst beherrscht und dann auch noch gemacht werden.

wer das bei swissblogpress wie machen wird, wurde nicht mitgeteilt. zwar ist in der gründungs-crew eine pr-agentur mit dabei, aber die tut sich momentan noch mit keinen konkreten plänen hervor. es fällt überhaupt auf, dass swissblogpress zwar einige gewichtige sachen ankündigt, aber zu keinem thema konkret wird. das einzig konkrete ist ein schlagzeilen-agreggator, der jedoch neben slug.ch oder zuri.net nur wenig usability-glanz versprüht.

klar, so ein verein soll wachsen können und es ist schon eine reife leistung, dass sich da überhaupt 13 blogs zusammengerauft haben. aber äs bitzeli konkreter hätte es da und dort schon sein dürfen. z.b. bei der leserbeglaubigung, derzeit (und noch lange zeit) ein heiss diskutiertes thema. da interessiert doch, wie diese beglaubigung vonstatten gehen soll. mit welchen kriterien, mit welchen tools, mit welchem terminplan?

sehr viele offene fragen

oder der "austausch in unserem netzwerk". klingt gut, aber wie wird der organisiert? übers netz oder offline mit tagungen? dann wird da der "rechtsschutz (optional)" angesprochen resp. angeboten. was heisst hier optional? wer betreut diese rechtsschutzstelle? ein jurist? gratis? apropos gratis: ich erfahre auch nirgends, was die mitgliedschaft bei swissblogpress kostet. apropos geld: swissblogpress spricht von einem vermarktungsprogramm. wow! das ist ambitiös. da erwarten wir natürlich nicht schon bei der gründung ein fertiges konzept. aber ein paar worte dazu schon. ein ansatz, eine idee und vielleicht auch nur die lapidare mitteilung, dass da jemand an einem konzept gerade arbeitet.

hm. das ist alles ein bisschen schmal, finde ich. so schmal wie die website von swissblogpress, die bei genauerer betrachtung einen eher unausgegorenen eindruck hinterlässt. so erfahren wir erst auf der seite "kontakt", wer in diesem verein das präsidium inne hat. das gehört aber eher in die abteilung "über uns". dafür ist die kontaktseite einzig mit einem kontaktformular ausgestattet, was heutzutage doch nicht wirklich state-of-the-art ist. wenigstens eine direkte e-mail-adresse zu einem der co-präsidenten wäre in der rubrik "kontakt" auf einer website, die die sache der blogs fördern will, das minimum. ja, man findet die entsprechenden daten dann auf dem pdf mit der pressemitteilung. aber warum erst dort und nicht nach einem klick auf der website?

auch der rest der swissblogpress-website ist etwas gar minimalistisch geraten. in der rubrik "über uns" finden wir 14 zeilen zu oben angesprochenen plänen. notabene zu einem halben dutzend teilbereichen, die per se einen hohen anspruch markieren, aber hier in einer eher oberflächlichen ankündigungsmanier verharren. in der rubrik "blogger" erfahren wir, wie man mitglied werden kann. vielleicht wäre hier der rubriktitel "mitglied werden" sinnvoller. hier werden vier hauptaktivitäten von swissblogpress (austausch, leserbeglaubigung, vermarktungsprogramm und rechtsschutz) noch einmal genannt. plus die aufnahmekriterien, die ebenfalls eher vage formuliert sind.

zu viele offene fragen

der stärkste punkt in dieser neugründung ist das aufnahmeverfahren. der vorstand prüft die anträge und gibt den mitgliedern eine empfehlung ab. das mag hoffentlich verhindern, dass swissblogpress zu einem verein für katzen- und kuschelblogs wird. aber auch dieser aspekt ist doch eher ein schwebender. wer ist im vorstand? alle 13 gründungsmitglieder? wird einstimmig oder nach mehrheit entschieden? müssen alle vereinsmitglieder für eine aufnahme sein oder nur ein teil? und was ist mit "qualitativ hochstehend in einem spezifischen themenbereich" genau gemeint? würde da mein hochspezialisiertes aschenbecherblog schon durchgehen?

meine kritik mag pingelig oder kleinmütig oder spielverderberisch anmuten, aber es hat einfach zu viele inhaltliche und andere fehler auf dieser website, als dass man zu dieser durchaus begrüssenswerten neugründung nur jubeln könnte. weitere beispiele gefällig? in der rubrik newsletter kann man keinen newsletter abonnieren, das ist erst demnächst möglich, wird da verlautbart. liebe swissblogpress, solche scherze kennen wir von selbstgemachten handballvereins-websites zur genüge, aber für einen blogverein ist das etwas peinlich. und warum bitteschön wird uns in der rubrik "medien" nur ein hochauflösendes logo zu 615 kb angeboten und das erst noch in einem ollen .eps-format? 99% der zielmedien für dieses projekt (nämlich alle onlinemedien) bräuchten ein schlankes 50-kb-jpg.

der name: irreführend und unglücklich

zum schluss noch ein wort zum namen und zum logo dieses projekts. swissblogpress. da fragt man sich natürlich, was das "press" am ende dieses namens soll. irgendwie steht dieser begriff sehr schief in der landschaft. da doch blogs was ganz anderes sind als press, also presse, also gedruckt. und das ist zweifellos das erste, was der gemeine rezipient da rausliest: irgendwas mit blogs und presse. was aber nur ein marginaler teil des projekts zu sein scheint, nämlich die bekanntmachung von blogs auch in der gedruckten presse. alle anderen pläne dieser organsiation haben mit dem begriff press nix zu tun.

warum nicht gleich "swissblognetwork"? oder meinetwegen mit pünktchen: "swiss.blog.network". das würde im namen, der ja eine marke werden soll, schon das wichtigste sagen. und wer im namen schon alles wichtige gesagt hat, braucht keine baseline mehr (oder kann sie für eine andere aussage benutzen). bei swissblogpress liegt man in der baseline mit dem begriff "blognetzwerk" ziemlich nahe am kürzlich gelaunchten blogwerk. unglücklich ist das. sehr unglücklich. erstens verwechslungsgefahr, zweitens unpräzise abgrenzung, drittens könnte die nähe zu blogwerk theoretisch zu begehrlichkeiten führen.

wohl aber nur theoretisch, da peter hogenkamp, der mitinhaber und chef von blogwerk, sicher schlaueres zu tun hat, als solchen hahnenkampf 1.0 auszufechten. trotzdem, es schleckt keine geiss weg: blognetzwerk und blogwerk sind sich aus sicht eines optimalen namings viel zu nahe. phonetisch und inhaltlich. so nahe, dass ich als mitglied, so ich denn aufgenommen werde, als erstes dafür weibeln würde, sofort diesen namen zu ändern.

denn nicht nur der name ist nur suboptimal, sondern auch das logo. auch hier ist die bildaussage unklar und die gefahr gross, dass etwas anderes daraus gelesen wird, als eigentlich gemeint ist. mögliche interpretationen sind: das logo eines kleinstädtischen verkehrsverbundes, im sinn von: drei vorortsbahnen sind zu einem cityexpress eingedampft worden. oder: alle für einen, gemeinsam packen wirs an. eine aussage, die man auch beim schweizerischen cafetierverband antreffen könnte. dabei müsste die bildliche aussage doch etwas mit vernetzung zu tun haben, dem wichtigsten und prägensten aspekt der ganzen bloggerei.

ich würde also – wie gesagt: falls ich denn aufgenommen werde – nicht nur für die änderung dieses logos weibeln, sondern für dessen ersatzlose streichung. eine gute wortmarke braucht kein logo nebendran. oder sieht jemand bei google noch ein logo? der brand (formerly known as wortmarke) ist das logo.

geschichte schreiben

irgendwie hat es auch was positives, dass swissblogpress so unkonkret startet. man kann sich einbringen und mitdenken und mitmachen. vielleicht haben die gründer (wo bleibt die quoten-gründerin?) extra nur grob ein paar ziele definiert und überlassen die genauere marschrichtung bewusst der sprutzligen eigendynamik in der bloggerszene. das könnte spannend werden. das hätte man auch spannend moderieren und anteasern können. "du bist swissblogpress", oder so.

keine frage also, ich werde mich noch heute um eine aktive mitgliedschaft bewerben (und eine offerte für den mitgliederbeitrag einholen). ich will dabei sein, wenn in der schweiz mediengeschichte geschrieben wird – dieser erste blogverein (welch 2.0-untaugliches wort!) wird dies zweifellos tun. es wäre toll, wenn möglichst viele qualitäts-blogs an dieser geschichte – ebenfalls aktiv – mitschreiben würden und diesem verein zu einer weitherum vernehmbaren stimme verhelfen und ihn zu einer agilen und wirkungsvollen institution werden lassen.

du hast ein qualitätsblog? hier gehts directly zu den swissblogpress-ko-präsidenten:

sandro feuillet, ignoranz.ch, sandro @ feuillet . ch
christian schenkel, eDemokratie.ch, schenkelc @ bluewin . ch

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update: siehe auch posting vom 3.11.06