19. Juni 2007

no media-business like streisand-business


ich war sehr gespannt darauf, wieviele menschen gestern abend ins hallenstadion gingen, um die streisand für unverschämt viel geld zu hören. von halb voll bis ausverkauft lauten die antworten.

blick online bringt zwar eine schöne rezension des bekennenden streisand-verehrers jürg rampspeck, verliert aber kein wort über die zuschauerzahlen. dafür steht da noch ein läppisches textchen, warum die tickets so teuer waren und dass die musiker 3'000 dollar pro woche verdienen. alles ganz nach dem gusto des veranstalters good news, einer ringier-tochter. das sind mir noch journalisten. tststs ...

etwas deutlicher sagts 20 minuten: 6'000 waren es. aber auch hier bleibt die frage offen: wieviele hätten platz gehabt? das doppelte? egal. es war ein flop:

Am Schluss wurden die Platzkarten förmlich verhökert: Migros-Mitarbeiter konnten sie für 75 Franken ergattern. Und in letzter Minute wurden gar mehrere hundert Tickets an Firmen verschenkt, damit das Konzertlokal einigermassen gefüllt war.

eher unnett finde ich dieses statement von good news:

Offensichtlich sind wir in der Schweiz doch nicht reif für die Champions League der Unterhaltung: Madonna wird wohl noch lange nicht bei uns auftreten, weil die Masse sich solche Preise nicht leisten will.

cool. zuerst ein höchst merkwürdiges ticketing zu exorbitanten preisen anleiern und dann das weggebliebene publikum in die pfanne hauen. zugegeben: ich hab auch schon gedacht wer nicht bei mir bestellt, hat keine ahnung. aber sowas soll man ja nur denken, und nicht verlautbaren, schon gar nicht nach so einem selbstverschuldeten oberflop.

da die streisand gestern abend in zürich zum ersten mal überhaupt auf europäischem festland aufgetreten ist, war auch die ausländische presse anwesend. so auch zeit online, wo der erste satz wie folgt lautet:

Das Publikum in Zürich gilt als schwierig.

Find ich guet. Aber dann schreiben sie (aha, nur eine dpa-meldung):

Trotz der deftigen Eintrittspreise von teils mehr als 1000 Euro war das Hallenstadion fast ausverkauft.

soso, fast ausverkauft. ausser 59 dieser dpa-meldungen (die bei sf tagesschau einer sda-meldung ähnelt) listet google-news noch eine meldung der kleinen zeitung (wien) und dort steht es dann: 9'000 plätze standen zur verfügung.

ins gleiche ausverkauft-horn wie sda/dpa bläst tagi online, der schon gestern abend mit einer konzertbesprechung online war. dort heisst es zum thema publikumszahlen:

Und das Hallenstadion war allen Gerüchten zum Trotz fast bis auf die letzten Plätze gefüllt.

hm, – gefüllt? echt, tagi? tja, vielleicht haben sie ja die 3'000 leeren stühle vorher rausgeräumt und es sah deshalb so voll aus.


weiss jemand was genaueres als diese qualitätsmedien?

+ + +

ps: frau streisand betont immer wieder, dass die preise nur deshalb so hoch seien, weil sie so ihre musiker besser bezahlen und mehr geld an ihre charitiy-projekte abgeben könne. ihre konzerte in rom und nizza hat sie aber kurzerhand abgesagt, weil dort das publikum gegen die hohen preise lauthals protestiert hatte. ist das nun ein ziemlich grosser widerspruch in sich oder habe ich da etwas ganz falsch verstanden?

+ + +

update 17.40 h: sehe gerade bei heute online, dass das, was frau streisand so erzählt zuweilen frei erfunden ist.

Kommentare:

  1. Ich war da. Offensichtlich hat man tatsächlich Stühle weggeräumt, offensichtlich hat man Tickets verschenkt (sagt 20 Min). Das Stadion schien so tatsächlich ziemlich voll, sichtbar waren nur ein paar vereinzelte, leere Reihen. Darum haben alle recht. Irgendwie.

    Ich hab 300 Stutz bezahlt, und das finde ich verdammt viel Geld, so viel will ich nie mehr für ein Konzert bezahlen. Aber das war ein Once in a Lifetime Event. Und wer ist noch nie an ein Konzert ins Ausland gefahren und hat ein Vielfaches davon ausgeben?

    Die Teleprompter-Geschichte im "heute"? Whatever! Es stand gestern eben nicht nur der Broadway auf der Bühne, sondern auch Hollywood. Und da sagt man «Hello, Zurich, it's so great to be in Switzerland!» vielleicht ein bisschen dramatischer und besser gescripted.

    Und für genau das - und nicht nur wegen ein paar perfekt gehaltenen Töne - bin ich gestern ins Hallenstadion gegangen.

    AntwortenLöschen
  2. besten dank für deinen bericht. interessant. und klar, 2 stunden broadway-stimmung im hallenstadion sind mit 300 stutz billiger als ein trip dorthin. schön, dass du dich gut amüsiert hast.

    AntwortenLöschen
  3. gut zusammengefasst, das medien-echo. danke. und danke auch für den bericht eines augenzeugen. eine freundin von mir war auch da, betreffend zuschauerzahl hat sie gemeint "die haben das geschickt gemacht, es sah aus wie voll, obwohl es bei weitem nicht voll war". da scheint man also schnell und gut reagiert zu haben.

    ich muss sagen, als ich vernommen hatte, dass frau streusand in die schweiz kommt, hab ich mir auch überlegt, eine karte zu kaufen. beim anblick der preise musste ich dann aber forfait geben. es kann gar keinen anlass in der art geben, der so viel geld wert wäre. und ich habe beim besten willen schon fast alles gesehen, was sich auf dieser welt auf einer konzertbühne rumtreibt.

    so gesehehen mag ich es ihr gönnen. es gibt def. auch billigere und vermutlich ähnlich gute musiker, die sie hätte engagieren können. und wenn ich geld für eine gute sache spenden will, dann tu ich das. aber dann an eine organisation meiner wahl und nicht in den charity-fonds von frau streusand.

    aber um freundlich zu schliessen: dass das konzert scheinbar gut war, daran zweifle ich nicht. beim ZDF gab es einen tollen bericht aus zürich, der einem schon "gluschtig" gemacht hat.

    AntwortenLöschen
  4. fischer: merci für die ausführliche replik.

    AntwortenLöschen

Bitte keine unnetten Kommentare. Die werden hier gelöscht. Danke.