15. November 2007

tempo 30 kampa: wem gehört die strasse?


oft ist die langsamkeit des seins ein frommer wunsch. das tempo des alltäglichen wahnsinns ist erstens hoch, zweitens zunehmend und drittens manchmal beängstigend. kennt ja jeder. nur wer rasant drauf ist, ist wichtig. zum davonlaufen manchmal.

gewiss, diese unglaubliche rasanz in fast allen lebensbereichen ist kaum zu bremsen. das ist der lauf der dinge. darum war für mich sofort klar, meine hilfe anzubieten, als ich von der "initiative tempo 30 in langenthal" hörte. ich fand das schon nur deshalb eine gute sache, weil es wenigstens in einem lebensbereich ganz einfach nur tempo runternimmt, falls wir uns demokratisch auf dieses konzept einigen.

die facts sprechen auch dafür: die mortalität sinkt bei unfällen in wohnquartieren stark, der zeitverlust für den motorisierten verkehr ist vernachlässigbar, die lebensqualität steigt für alle enorm – cruisen statt rasen, flanieren, rollen, pedalen, spazieren. das tönt doch super.

so ist nun eine kleine, aber hübsche kampagne entstanden, die dieser tage in den abstimmungskampf losgelassen wird. der junge langenthaler fotograf fabian unternäherer hat spektakuläre bilder gemacht, die sich im weitesten sinn mit der frage befassen: wem gehört die strasse? die antwort muss sich jeder und jede selber geben. und an die urne muss auch jeder selber. warum hat eigentlich noch niemand einen web-zwei-nulligen urnen-butler gelaunscht?

wie man an dem zur abstimmungs-website umgebauten blogger-blog sieht, versuchen wir eine art virales marketing aufzuziehen. ich bin gespannt, ob das klappt. die stats der ersten zwei tage lesen sich schon mal nicht schlecht.

> ig tempo 30 langenthal
.

10. November 2007

empfehlung: morelli's atelier festival


für kultur-afficionados ist es immer etwas besonderes, einen künstler in seinem atelier zu besuchen. bildende künstler laden hin und wieder zu solchen atelierbesuchen ein oder organsieren gleich ganze atelier-austellungen.

das selbe tut nun auch der schauspieler und artist marco morelli – seit vielen jahren ein guter freund von mir. er hat sein atelier zum mikrotheater umgebaut und bietet dort bis ende dezember 25 vorstellungen an. und zwar in intimsten rahmen – es hat nur 34 sitzplätze und zwei notstühle.

für theaterfans im allgemeinen und für morellifans im speziellen ein einmaliges theaterereignis. das programm dazu – aus dem hause roetext – kannst du hier herunterladen:

> programm MORELLI's ATELIER FESTIVAL (pdf, 800kb)
.

7. November 2007

apple marktanteil: 3 oder 9 prozent?


gestern bot ich einem guten kumpel an der barkante eine wette an. es ging um den marktanteil von apple.

er behauptete, apple habe einen marktanteil von um die drei prozent. ich reklamierte für den computerlieferanten meines vertrauens einen marktanteil von hart gegen 10%, je nach sichtweise halt.

ich erinnerte mich nämlich an ein älteres posting von andreas göldi, in dem irgendwas in der richtung von 8 oder gar 9 prozent stand und ich fand, dass meine it/medien-lieblingsquelle für eine wette um ein glas edelzwicker allemal gut ist. war sie auch – der barkantenkumpel schlug nicht ein und damit war das thema vom tisch.

ein alter rhetoriktrick griechischer abstammung übrigens: wenn du in einem disput, und sei es auch nur ein it-disput an der barkante, einem faktum zum durchbruch verhelfen willst, bietest du einfach eine wette an. und zwar nicht grad um eine 12er-kiste, sondern nur um ein glas edelzwicker. ein tiefer einsatz erzeugt den gewünschten effekt: keiner will verlieren. 70% schlagen nicht ein. so war es auch gestern

heute kommt aber ein mail, in dem mein barkantenkumpel schreibt: ich hätte doch wetten sollen ...

und dazu ein link von maclife.de (noch nie gehört...), wo es in einer meldung vom 23.10.07 heisst:

Weltweit wurden im letzten Quartal insgesamt 52 Millionen PCs verkauft, so dass Apple mit seinen 2,164 Millionen einen weltweiten Marktanteil von 3,2 Prozent belegen kann. Außerhalb der USA aber sind es bei 0,9 Millionen Rechnern nur noch 1,7 Prozent.

in besagtem posting von andreas göldi (dez. 06) steht aber der sehr erstaunliche satz:

Die Analystenfirma Needham & Co. schätzt, dass Apples Marktanteil im PC-Markt in USA und Europa bis 2016 auf satte 40% (von heute 9%) steigen wird.

was soll ich jetzt tun? ich kann ja nicht eine meiner geschätztesten it/medien-quellen von einem mir völlig unbekannten apple-heftli runtermachen lassen.

also werde ich das wettangebot aufrecht erhalten und bitte beide quellen um (auf-)klärung. bei andreas in den comments und bei maclife.de per mail. und bin gespannt, was dabei rauskommt.

will jemand mitwetten?

ps bild oben: an der journalistenschule missouri gibt es nur 0.5% pc-user. via elektrischau.

4. November 2007

typisch züri


dass die sbb die schöne zürcher bahnhofshalle mit solchen megabannern zukleistert, ist völlig unverständlich. die einnahmen stehen in keinem verhältnis zur bedeutung/wirkung von guter architektur – erst recht für ein unternehmen wie die sbb. hier werde ich nicht als gast empfangen, sondern als prada-fuzzi, das gefälligst sofort in der bahnhofstrasse sein geld ausgeben soll. typisch züri. not so groovy.

wort zum sonntag


voll richtig.

29. Oktober 2007

bizarr: wenn ich an der börse wär


auch wenn ich das geld dazu hätte, würde ich kaum an die börse gehen damit.
ich würde es eher als risikokapital in die kulturszene werfen oder sonstwas geiles anstellen damit. im schlimmsten fall – das kann jedem blühen – auch nach dem motto des englischen 60ties fussballgotts george best, der da sagte: den grössten teil meines vermögens habe ich ausgegeben für schöne frauen, schnelle autos und erstklassigen alkohol – den rest habe ich verprasst.

im april 06 habe ich beim börsenspiel der FAZ einen account eröffnet. man kriegt da virtuelle 50'000 euro startkapital und darf am grossen game mitschnuppern. es funktioniert alles mit echten kursen und du kaufst und verkaufst wie das jeder freizeitzocker auch tut. die ersten paar wochen hab ich mein portfolio noch einigermassen betreut, tiefflieger rausgeworfen und hoffnungsvolle startups reingezogen.

das wurde mir aber bald schon zu blöd und ich tat, was dir jeder anlageberater ans herz legt: investiere langfristig, setze auf blue chips. seither rührte ich den account nie mehr an und auch die wöchentlichen mails spülte ich ohne jedes interesse weg.

heute hab ich wiedermal reingeschaut. meine strategie ging auf und zwar richtig: bayer machte 76%. thyssen krupp machte mit stahl 85%. apple mit dem iphone 123%. google machte immerhin noch knappe 25%. nestlé bringt 33%. logitech 43%. der hammer, diese renditen. aus meinen damals 50'000 euro sind heute gut 66'000 geworden.

mit anderen worten: hätte ich eine million in den pott geworfen, hätte ich in gut einem jahr mehr als 300'000 verdient. ohne einen finger zu rühren. bizarr irgendwie.
.

28. Oktober 2007

design-geschichte: teste dein wissen in 5 min.


dieser coole design-test ist sehr einfach, dauert keine 5 minuten und macht nicht nur abgebrühten design afficionados viel spass.

er wurde von thomas eichinger im rahmen eines forschungsprojekts an der zürcher hochschule der künste ins netzt gestellt.

du siehst 18 grafiken plus 2 schriften. du musst schätzen, aus welchem zeitraum sie stammen – ob von 1930 oder von 2000. du hast zehn sekunden zeit, um deinen tipp abzugeben. sehr delikat, kann ich nur sagen.

zum beispiel obenstehende grafik – ich tippte völlig daneben, completely. ich sage aber nicht, in welche richtung. jedenfalls hatte ich nur vier richtige (von 20). dafür aber noch 5 mit nur einem jahrzehnt daneben.

hat jemand mehr?

> hier gehts zum test: prodesign.de

via designtagebuch
.

27. Oktober 2007

happy birthday googlewatchblog


seit einiger zeit schon und immer mehr benutze ich die services von google. war es früher fast ausschliesslich die klassische suche, sind es heute eine ganze reihe an diensten, ich ich regelmässig benutze: gmail, docs, blogger, analytics, reader, blog-suche, alerts, suche, news, bilder, kalender und maps. 12 insgesamt.

zu jedem dieser dienste betreibt google ein blog, z.t. sogar in deutsch. glücklicherweise muss ich aber keine 12 blogs abscannen, um einigermassen auf dem laufenden zu sein, was hier wann erweitert und verbessert wird. genau das tut das googlewatchblog für mich. da gibt es täglich 5 bis 10 postings zu den wichtigsten google-aktualitäten. man erfährt auch, dass sich google gerade einen zweiten grossraumjet gekauft hat und ab und zu tauchen fotos aus dem google plex auf. alle artikel sind vorbildlich kategorisiert und so ist in den letzten zwei jahren eine umfangreiche wissenssammlung über die google-dienste sowie über das unternehmen im allgemeinen entstanden.

wer – als mainstream user – auf gmail umsteigen will und dazu auch docs vermehrt einsetzen möchte (was ich allen wärmstens empfehlen kann), ist beim googlewatchblog sicher an der besten deutschsprachigen blogadresse. ich jedenfalls konnte da schon viel lernen.

der blutjunge jens minor (23) bloggt heute auf den tag genau seit 2 jahren über google. er bietet nützliche informationen zu den diensten, witzigen klatsch aus dem innenleben von google und eine vorbildliche konstanz (die neuen postings sind meistens morgens um 7 schon online).

das finde ich eine reife leistung und gratuliere dem googlewatchblog zum blog-birthday von heute.
.

25. Oktober 2007

subergwest: tolles reiseblog


ich liebe reiseblogs. man kann in ihnen ein wenig mitreisen. gegenwärtig bin ich dergestalt super unterwegs zwischen west- und ostküste der usa. und zwar auf dem anregenden und symphatisch gemachten reiseblog subergwest von kathrin gschwend und simon baumann. die beiden sind vor ein paar wochen in ny angekommen, haben sich dort ein auto besorgt und fahren jetzt quer durch die usa. wir sehen viele bilder und lesen sätze wie diese:

Auch wenn wir "historic sites" langsam nicht mehr sehen können, haben wir uns heute nochmal mit ein paar Monumenten zugedröhnt.

oder solche (vor dem vietnam memorial in washington stehend):

Von 58'226 im Vietnamkrieg getöteten Soldaten hiessen vier Baumann und keiner Gschwend.

wunderbar. – kommt ab heute hier in die very handverlesene blogroll.

> subergwest – 4 monate usa
.

24. Oktober 2007

são paulo: stadt ohne werbung


ich war mitte der 80er mal einen tag lang in ost-berlin. das war eine triste sache. die völlig werbefreie innenstadt mit ihrer oppulenten architektur machte einen leblosen und bizarren eindruck. werbung im öffentlichen raum fand quasi nicht statt und wenn, dann ausschliesslich in form von politpropaganda (siehe oben). ein hervorragends flickr-foto-set aus dieser zeit findest du hier.

anfang 2007 hat der bürgermeister von são paulo die werbebranche geschockt und sämtliche werbung aus seiner stadt verbannen lassen. die megacity ist heute weitgehend werbefrei. wie das aussieht, siehst du in diesem flickr-set.


wie es sich in der werbefreien metropole lebt, erzählt der architekt jorge wilheim, der bis vor kurzem das stadtplanungsbüro von são paulo leitete, in einem spannenden sz-interview.

via bernd röthlingshofer
.

21. Oktober 2007

blogcamp zürich: mein erstes mal


es war mein erster blogcamp und ich war noch nie in der eth, immerhin eine der besten unis in europa. das imposante gebäude atmet die rastlose leidenschaft von wissenschaft in jeder wegrenovierten ritze. der alte kasten ist top ausgestattet, im ganzen komplex wlan und die riesigen türen gehen automatisch auf und zu. leider ist das traditionsreiche denkgebäude nur in lateinisch angeschrieben, siehe bild oben.



die organisatoren des
blogcamp zürich haben aber den weg zum blogcamp durch die wandelhallen und katakomben perfekt beschildert und das ist nur ein lob, das man den kollegen aussprechen darf. es hat rundum alles bestens geklappt und den veranstaltern ist es gelungen, einen lockeren groove zu verbreiten. die einzige anregung betrifft die bar – ich war sicher nicht der einzige, der gerne mal ein glas edelzwicker oder ein kühles bierchen getrunken hätte. und ich hätte auch gerne was bezahlt dafür.

sehr cool finde ich
das konzept dieser unkonferenzen. ich frage mich, wann dieses konzept auch ausserhalb von web 2.0 angewendet wird. ich kann mir gut vorstellen, dass z.b. in der politik oder in der kultur oder in der wirtschaft das prinzip barcamp sehr erfolgreich adaptiert werden könnte. ich möchte fast wetten, dass es in zwei bis drei jahren so weit sein wird.



für mich die interessanteste session hielt jürg vollmer alias krusenstern (bild oben) zum thema readability optimization. er meint mit diesem begriff die optimierung der lesbarkeit von blogs. angesichts dessen, dass 99 von 100 bloggern wohl nicht aus der schreibenden zunft kommen ein sehr sinnvoller beitrag. er hat ein ausführliches und nützliches skript online gestellt, hier.