30. Mai 2010

die idee muss leicht sein



stefan raab, der macher vom wunder von oslo, ist unter den tv-unterhaltungsfritzen schon seit jahren der innovativste. auch wenn mir vieles von ihm zu prollig ist, hat der mann eine eigenständigkeit, die bei den tv-fuzzis all zu selten ist.

zudem ist er ein solider handwerker. ich habe mir vor vielen jahren mal ein merkenswertes statement von ihm notiert:

die idee muss leicht sein, sonst ist sie nicht gut.
die ausführung muss akribisch sein, sonst ist sie nicht leicht.

gut, oder?

seine idee, eine esc-kampagne auch ohne bild zum erfolg zu führen, finde ich sehr verdienstvoll. dass es nun geklappt hat, ist ihm zu gönnen und generell eine gute entwicklung. spiegel online spricht von einem "konzept des qualitätsbewussten castings":

Mit Lena hat insofern eine Figur gewonnen, die, so Raab zutreffend, "ein modernes Frauenbild verkörpert". Sie ist das Gegenbild zur sentimentalen, stets auf Gefühligkeit statt Gefühl setzenden Saarländerin Nicole, (…) Sie glaubt an das, was sie für richtig hält - nicht als Masche, sondern als Charakterzug. (…) Kein Wunder, dass alle Welt von ihrer Natürlichkeit begeistert ist. Dahinter verbirgt sich allerdings eine kompakte Entschlossenheit, ein großes Selbstvertrauen. Deshalb könnte sie niemals ein Geschöpf des Münchner Schlageringenieurs Ralph Siegel sein. Lena, "lovely Lena", wie etliche der Punktedurchsager sie nannten, ist der neue Typus von Pop-Frau. Die Schlager-Tussi zu geben, hat sie nicht nötig.

die beste, witzigste und entlarvendste berichterstattung zum esc gabs übrigens ausgerechnet vom renommierten bild-blogger stefan niggemeier und seinem co-moderator lukas heinser. die beiden reisten mit leichtem video equipment nach oslo und "sendeten" von dort in ihrem oslog.tv eine beachtliche menge an taufrischen, unbekümmert und charmant produzierten videos  – so ungefähr das beste, was ich in sachen web-video-reportage bis jetzt gesehen habe. oben eine spannende episode aus dem backstage bereich, genauer den pyro- und wind-cheffes.
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Kommentare:

  1. "...das Gegenbild zur sentimentalen, stets auf Gefühligkeit statt Gefühl setzenden Saarländerin Nicole...". Gefühligkeit versus Gefühl, schöne Bedeutungschattierung.

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  2. Schliesse mich Aurel an. Übrigens: Kürzlich in eine Interview mit Nicole geraten. Da sagte sie gerade: "Auch die Farbe der Gitarre (weiss) war ganz bewusst gewählt."

    Der singende (?) Engländer hat den Spruch von Bugsierer zitierten Spruch vom leicht sein bewiesen. Da glaubten ein paar Hitschreiber aus den 80-gern, es genüge, einen absolut schlappen Aufguss der schon damals schlappen Liedchen zu bringen. Ganz einfach, ganz leicht. So kann man sich irren, wenn man das mit dem "leicht sein" nicht kapiert.

    PS: Das ist übrigens auch bei den Autoren so. Was manchmal so leicht, so klar, so einfach daher kommt, ist das Resultat harter, akribischer Überarbeitung :-)

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  3. @aurel: stimmt – aber "bedeutungsschattierung" ist auch nicht schlecht. diesen nützlichen begriff hab ich noch nie gehört. merci.

    @zappadong: das ist bei allen künstlern oder kreativen so: das weglassen ist die grosse arbeit (und die kunst).

    dazu gibt es eine schöne anekdote von miles davis und john coltrane. die beiden hatten immer streit, weil coltrane viel zu lange und nichtendenwollende solos spielte und sich immer damit herausredete, er wisse nicht, wie aufhören. miles sagte dann jeweils: nimm einfach das sax aus dem mund.

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