26. April 2011

1x mehr nur die halbe wahrheit

der bekannte wirtschaftsjournalist philipp löpfe schreibt in einem kommentar im tages anzeiger, die social media unternehmen (facebook, twitter, flickr, etc.) würden zum wirtschaftlichen wohlstand wenig bis nichts beitragen.

ich werde den eindruck nicht los, dass herr löpfe mit diesen tools keine erfahrungen hat und die szene darum falsch einschätzt (diesen eindruck hinterlässt auch seine website).

herr löpfe behauptet: “Twitter kennt in der Schweiz längst jeder Teenager...”, was natürlich falsch ist resp. nur insofern stimmt, als dass der grosse mainstream um diesen markennamen nicht mehr herumgekommen ist, seit er im zusammenhang mit den nordafrikanischen aufständen täglich in den news herumgeboten wird. tatsache ist allerdings, dass teenager bei weitem nicht das grösste benutzersegment bei twitter sind. teenager sind bei facebook. oder bei hennes & mauritz.

in seinem text reduziert herr löpfe den wirtschaftlichen mehrwert von social media auf die anzahl mitarbeiter, die in diesen unternehmen angestellt sind. das sind in der tat nur wenige, bei twitter z.b. arbeiten nur gerade ca. 300 nasen.

aber die frage, was diese tools wirtschaftlich bringen, müsste selbstredend beim user gestellt und beantwortet werden. dort erzeugen sie nämlich einiges an wirtschaftlichem mehrwert.

in meiner twitter timeline finde ich jeden tag 1-5 tolle links, die mein wissen mehren, auf dem ich im berufsleben aufbauen kann. darüberhinaus finde ich täglich 1-5 lustige tweets, die mich erheitern und zwar auf einer skala von leisem schmunzeln bis herzhaftem lachen. könnte bitte jemand schnell den mehrwert dafür in einer interaktiven grafik ins netz stellen?

auf flickr kann ich fotosets anbieten, mit denen ich kleine, aber enorm wichtige zielgruppen punktgenau informieren kann, was die zusammenarbeit mit diesen erleichtert und schneller und effizienter macht. schwierig, den mehrwert dafür genau zu beziffern, aber wer das regelmässig praktiziert weiss, dass der nutzen enorm ist.

den zweiten aspekt, den ich in herrn löpfes text etwas seltsam finde, ist diese klage:

“Die IT-Industrie entwickelt sich zum Jobkiller. Ihre Opfer sind nicht mehr nur Hilfskräfte. Unternehmen suchen verstärkt nach Möglichkeiten, teure Mitarbeiter durch billige Maschinen zu ersetzen.”

stimmt irgendwie alles, ist aber nichts neues. diese entwicklung ist seit anfangs der 80er zu beobachten, je nach definition noch früher. aber anfangs der 80er kamen die ersten homecomputer auf und die automatisation in der industrie machte riesenschritte, ungezählte arbeitsplätze gingen verloren.

wer heute überrascht/empört/ratlos ist, dass diese entwicklung mit dem internet noch viel brüsker (d.h. schneller) vonstatten geht als damals in der ollen ibm-euphorie der 80er, verkennt die realität.

ich meine: wer die tools von heute nicht selber ausprobiert, kann auch nicht einschätzen, was die tools von morgen für die wirtschaft und die gesellschaft bedeuten.

kurz und gut: die von herrn löpfe erwähnten studien zeigen nur die halbe wahrheit.

auch nichts neues.
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Kommentare:

  1. Es geht Löpfe vor allem um den Arbeitsmarkt, nicht um andere Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft. Grundsätzlich sind die Erkenntnisse (jobless growth) nicht neu oder überraschend, aber es ist doch interessant zu sehen, dass die Entwicklung wirklich so weiter geht.

    Gut zu wissen ist in diesem Zusammenhang auch, dass Löpfe ein Befürworter des Bedingungslosen Grundeinkommens ist.

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  2. Ich staune, dass jemand wie Herr Löpfe in einer NZZ viel schreiben und eigentlich wenig Neues sagen kann.

    Mir scheint, sein Artikel fusst auf ziemlich wenig Recherche. Diese beschränkt sich aufs Zusammentragen von einigen Zahlen und Begriffen. Unter "echter" Recherche hätte ich wirklich das Hineinknien ins Thema verstanden, namentlich ins Reinschauen z. B. bei Dir - und dann ins Nachrechnen des tatsächlichen (volks-)wirtschaftlichen Nutzens.

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