30. Oktober 2009

19. Oktober 2009

das lächeln des svp-taliban mörgeli


die svp-nahe minarettinitiative lässt in einem onlinegame muezzine "stoppen". das ist ein neuer höhepunkt in der fortschreitenden rassistischen radikalisierung der svp-propaganda.

die widerliche fratze dazu liefert chefdemagoge mörgeli hier. sein fieses lächeln setzt er immer dann auf, wenn er jemandem mit schwerem geschütz an den karren fährt. das ist ein alter rhetorischer trick, nur scheint er bei mögeli fix ins gesicht gemeisselt zu sein. genau wie der bart bei den taliban.

es ist unnatürlich, jemanden permanent anzulächeln, während man ihn in den senkel stellt. es ist ein fieses lächeln und läuft auf eine verhöhnung des gegenübers heraus. köppel tut das auch gerne, blocher auch, – mit einer geradezu satanischen note kriegt es blochers bruder hin.

schon der name der website, minarett-attack, ist rassistisch. würde jemand ein online game machen, in dem man zettelchen aus der gebetsmauer "auslöschen" kann und dieses spiel gebetsmauer-attack nennen, so würde das flugs und zu recht mit dem antirassismusgesetz geahndet. hier passiert nichts.

im gegenteil: es steht eine ganze volkspartei mit einem wähleranteil von gegen 30% dahinter. mit anderen worten: 30% der schweizer lassen ihre parteibosse ungezügelt die rassistensau durchs land treiben.

beängstigend irgendwie.

gewisse exponenten der svp meinen, das widerliche game herunterspielen zu können mit der aussage, es werde ja gar nicht auf die muezzine geschossen, sie würden nur gestoppt. das ist typisch für die scheinheilige und abscheuliche kriegsrhetorik der svp. ich habe mir das spiel angeschaut. sie haben recht, es wird nicht direkt geschossen. was den fall aber nicht weniger schlimm macht. der name und das logo des spiels sagen genug über die gesinnung dahinter: faschismus. kein deut besser als jener der taliban, nur einfach den hiesigen umständen und befindlichkeiten angepasst. eine art kalaschninet.

erschreckend, oder?
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16. Oktober 2009

bizarr: medien vs. vbs


diese geschichte ist typisch für das bedenkliche selbstverständnis der medienbranche:

das schweizer verteidigungsministerium vbs schaltet eine website auf, auf der diverse zeitungsartikel "richtiggestellt" werden. worauf die medienmacher aufjaulen was das zeug hält.

von pranger ist die rede. der staat würde zensuren verteilen. mit steuergeldern notabene. diese vbs-webseite würde die pressefreiheit nicht respektieren, sagt sonntagszeitung chefredaktor andreas durisch. wie bitte?

die mediengewerkschaft impressum ist so düpiert, dass sie sich und uns am liebsten ins letzte jahrtausend zurückbeamen würde:

«Eine Behörde wie das VBS, die über eine grosse Presseabteilung verfügt, kann doch aber einen Leserbrief schreiben oder wenn etwas falsch ist, eine Gegendarstellung verlangen»

das statement von impressum chef dütschler muss man also zwischen den zeilen lesen: "es sollen bitte alle so tun, als gäbe es das internet nicht."

mit anderen worten: sie haben gar nichts begriffen, die medienfritzen. zuerst fahren ihnen die blogger an den karren und jetzt auch noch das vbs. schrecklich. so schrecklich, dass tagesanzeiger/newsnetz nicht mal auf die betreffende vbs-seite verlinkt.

solcherart wehleidigkeit kennt man auch im privaten bereich. wer gerne und oft austeilt, kann meistens schlecht einstecken. dieser wesenszug ist ergo bei medienleuten besonders weit verbreitet resp. ausgeprägt. aber er vertägt sich so gar nicht mit der neuen zeit und ihrem neuen medium, dem internet.

dort funktioniert es so: im internet können ALLE ihre meinung sagen – unbedeutende winzblogger wie ich und auch das (etwas bedeutendere) schweizer verteidigungsministerium. nahezu alle können ihre gegendarstellung eigenständig publizieren. ob man leser findet, ist eine andere frage. aber das ist nun mal das wesen des internet: das publikationsmonopol der journalisten ist passée.

die journalisten nehmen zu recht für sich in anspruch, schreiben zu können, was sie wollen, gestehen aber genau diese freiheit anderen playern, in diesem fall dem vbs, nicht zu.

wie bizarr ist das denn?
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14. Oktober 2009

13. Oktober 2009

freakshow: köppel mit palästinensertuch

roger köppel, eigner und chefredaktor der weltwoche, tritt in seinem neuesten videokommentar mit einem palästinensertuch auf. dies ausgerechnet in der ausgabe, in der er in die debatte um das antiminarettplakat eingreift.

was er uns damit sagen will – mit dem palituch – bleibt ein rätsel.

genausogut könnte er am ende die frage stellen: wo geht's hier zum panamakanal?

via infamy
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10. Oktober 2009

wie das internet funktioniert



via CH Internet Szene
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ueli, al akbar



gut – von heute auf morgen klappt das nicht mit der besten armee der welt. das war sich ueli bewusst. dass es aber im innersten der truppe so heavy daherkommen würde , hätte er, wie aus gut unterrichteten kreisen verlautet, nicht gedacht.

wir sind gespannt auf seine massnahmen.
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7. Oktober 2009

der neue tagesanzeiger ist eine enttäuschung


beim ersten durchblättern fand ich: der neue tagi ist eine enttäuschung. nach gut einer woche finde ich: der neue tagi ist eine enttäuschung.

im vergleich zu den erwartungen, die der verlag weitgehend selber hochgeschraubt hat, ist das resultat nicht nur mager, sondern stellenweise irritierend.

fangen wir vorne und oben an: der zeitungskopf wurde auseinandergerissen. das datum, die preise und die anderen verlagsangaben stehen jetzt links neben den teasern. damit wurde erstens die alleinstellung des zeitungskopfs aufgegeben, um zweitens mehr weissraum um die inserate zu schaffen. ob das für die glaubwürdigkeit eines qualitätsbrands gut ist, möchte ich bezweifeln.


der zeitungskopf ist auch typografisch nur suboptimal gelöst. die baseline ("die unabhängige ...") unter dem titel hängt seltsam verloren in der luft. das inserat auf der rechten seite ist in der 6. spalte linksbündig angeschlagen und hinterlässt damit in der rechten oberen ecke das gewisse nichts. der zeitungstitel ist zwischen den beiden inseraten nicht ganz in der mitte – vorher war er das. die seltsame platzierung dieser elemente stiften viel unruhe.

der kommentar wurde von der front auf die 2 verschoben. ein schock. warum das denn? wollte man nicht mehr analyse und einschätzung? und ist der platz auf der 2 ganz oben wirklich der richtige platz? wäre – wenn schon – die 3 als aufschlagseite (beim blättern sieht man zuerst die 3 und dann erst die 2) nicht viel besser gewesen? und: das kurzfutter in der freigewordenen spalte sorgt weder für tiefgang noch für unentbehrliche orientierung, sie macht die titelseite eher unruhig. kurz und gut: die verschiebung des kommentars nach hinten ist ein schritt in die falsche richtung.

die titelseite sieht jeden tag anders aus:


absicht oder unausgereiftes konzept? gewiss, ein redesign ist nicht am ersten erscheinungstag in stein gemeisselt, da kann in den ersten tagen durchaus eine feinjustierung vorgenommen werden. aber gleich jeden tag eine komplett andere titelseite? falls das wirklich als "ausprobieren" gedacht ist – bei mir kommt es irritierend an, irgendwie werd ich das gefühl nicht los, dass sie nicht wissen, was sie wollen.

es mag haarspalterisch sein, aber auch folgendes beispiel deutet auf ein unausgereiftes konzept hin:


am ersten tag erschien das blatt mit einem fettgedruckten und hässlichen datum, ab dem zweiten tag dann mit einer mageren schrift. solche typografischen details werden normalerweise in der konzeptphase geprüft und gelöst.

die typografie ist zu vorher ganz allgemein eine verschlimmbesserung. die titel werden fast überall an die obere begrenzungslinie angeschlagen, darunter viel weissraum und dann erst folgt der text. der titel ist näher am oberen text als am unteren, den er eigentlich betrifft. dieser seltsame umgang mit weissräumen ist doch etwas sehr geschmäcklerisch, einer sinnvollen leserführung dient er jedenfalls nicht, im gegenteil, er irritiert und ignoriert die sehgewohnheiten der leser.


strehle tut das in einem interview als geschmacksfrage ab und betont im interview bei roger schawinski (ab minute 45), das neue layout sei von zwei schweizer profis (alarm) gemacht worden und habe in der branche viel lob erhalten. wo bitteschön fand dieses lob statt? in privaten gesprächen mit befreundeten grafikern? unglaubwürdig.

meine vermutung: man will auf biegen und brechen anders sein als alle anderen und darum macht man es so, wie man es eigentlich nicht machen sollte. dass grafiker bisweilen sämtliche regeln der leseführung über bord werfen, nur um sich von anderen druckerzeugnissen abzuheben, ist nichts neues. dass ein verlag wie die tamedia darauf reinfällt aber schon.

auch die neue autorenzeile muss mit solchen eitelkeiten zu tun haben. war sie früher alleingestellt und gab dem autor ein gewisses gewicht, ...


... ist sie heute an den text angeklebt und sieht aus wie ein zwischentitel.


schön ist das nicht und logisch auch nicht.

dann hat es da auf gewissen seiten diese pastelligen balken, heute z.b. auf der seite 3 in zartrosa:


manchmal kommen diese balken, manchmal nicht. schaut man genauer nach, finden sie sich jeweils auf seite 2 und/oder 3 eines bundes. aber eben nicht täglich und nicht in jedem bund. was wollen sie uns sagen? spezialthema? meinungsseite? exklusiv? aaahhh... bei noch genauerem hinsehen kommt man der sache näher, es könnte sich um ein schwerpunktthema handeln und alles unter dem pastelligen balken gehört dazu. eine orientierungshilfe also. möglich, dass das andere leute sofort gemerkt haben. aber auch dieses detail hätte man besser lösen können.

soweit einige bemerkungen zur form. und der inhalt?

ich hätte mir gewünscht, dass sie die unsägliche rubrik "jetcetera" ersatzlos streichen. erstaunlich, dass das nicht geschehen ist. interessiert es den aufgeklärten qualitätszeitungsleser wirklich, mit wem weltfremde stars gerade rummachen oder wo sie gerade kinder shoppen?

und sonst? ja, es hat gefühlt etwas mehr längere texte und etwas mehr schwerpunkte. auf gute und grössere bilder wird sichtlich mehr wert gelegt. das tv programm scheint etwas "seriöser" geworden zu sein.– ansonsten ist alles beim alten. gefühlt.

was gänzlich fehlt ist eine art anbindung ans internet. die gedruckte zeitung tut so, als gäbe es sie online gar nicht. und umgekehrt. das finde ich ziemlich bedenklich.

unschön an diesem relaunch ist auch dies: tagi online wollte am ersten tag von den lesern wissen, wie der neue tagi gefällt. man konnte abstimmen und kommentieren. die kommentare sprudelten bis zur nr. 88, die meisten negativ – dann wurden sie gelöscht. das ist im hause tamedia nichts neues). die abstimmung steht da zwar noch, aber das resultat wird nicht mehr angezeigt. höseler, elende. so sagen wir solchen vorgängen im bernbiet.

insbesondere dann, wenn man den relaunch mit solchen inseraten begleitet und grossspurig interesse an der lesermeinung ins land trompetet:


in der talksendung doppelpunkt behauptete roger schawinski, 90% der onlinekommentare zum neuen tagi seien negativ gewesen und dann fragte er den tagi-co-chefredaktor res strehle, wie er mit dieser massiven kritik leben könne. seine antwort (ab minute 39) ist sehr erstaunlich – im wortlaut:

"die reaktionen im internet... ähm... sind... ähm... muss man relativieren... ähm... da ist eine gewisse bloggerszene, die vieles runtermacht... ähm... da bin ich nicht so beunruhigt...".

obwohl sich bisher kaum eine hand voll blogger mit dem tagi redesign überhaupt beschäftigt haben (dieser blogpost ist meines wissens der erste längere), sollen ausgerechnet die blogger all die miesen kommentare in die tagi website geschrieben haben. das ist lächerlich und inkompetent. herr strehle hat offensichtlich wenig ahnung, wer bei ihm online kommentiert, denn blogger sind es definitiv nicht. überhaupt: man höre sich dieses interview an und es behaupte noch jemand, da verbiege sich einer nicht bis zur unkenntlichkeit. es ist ein jammer.

fazit: der neue tagi ist eine riesige enttäuschung.
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