28. März 2008

alle chinesen erschiessen – das dauert

man schreibt das jahr 1950, die schweizer medienwelt prosperiert, vor allem das verlagshaus ringier. unter dem titel "rotchina marschiert“ versuchte die "Sie+Er“, eine erfolgreiche bunte illustrierte, die schon damals unglaublich grosse anzahl von chinesen mit einer denkbar geschmacklosen analogie zu beschreiben:

Man stelle sich 450 Millionen Chinesen in Viererkolonne aufgestellt vor. Dann stelle man sich vor, dass die vordersten vier erschossen würden, dann die nächsten vier usw. Pro Minute würden auf diese Weise etwa 20 Menschen erschossen. In der Stunde könnten 1200 Menschen „erledigt“ werden, im Tag 28'800, im Jahr 10'512'000, in zehn Jahren 105'120'000. Um sämtliche 450 Millionen Chinesen auf diese Weise zu erschiessen, bräuchte es rund 43 Jahre. Im Verlauf dieser 43 Jahre wäre aber bereits eine neue Generation Chinesen herangewachsen, und man käme mit Erschiessen überhaupt nie zu Ende.

diese zeilen lösten natürlich einen veritablen presseskandal aus. nicht zuletzt deshalb, weil die schweiz als erster westlicher staat im gleichen jahr die volksrepublik china diplomatisch anerkannte und ausgerechnet am erscheinungstag des kruden elaborats der chinesische gesandte in bern sein beglaubigungsschreiben überreichte. zudem stand die welt damals am anfang jener periode, die später als der kalte krieg in die chroniken einging.

der bundesrat rüffelte den ringier verlag aufs schärfste, dieser wiederum entliess den zuständigen chefredaktor felix von schumacher auf der stelle (der dann jahre später trotzdem eine hoch dotierte karriere hinlegte) und fuhr die politische berichterstattung in seinem bunten blatt vorerst massiv herunter.

diese und andere hochinteressante storys aus dem hause ringier erfahren wir im wunderbaren buch „ringier bei den leuten – die bewegte geschichte eines ungewöhnlichen familienunternehmens“ von karl lüönd, erschienen zum jubiläum 175-jahre ringier. für medienfreaks eine perle von "geschichtsbuch". akribisch recherchiert, süffig geschrieben und toll gestaltet. für unglaublich günstige sfr 19.80.

> bei NZZLibro
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Kommentare:

  1. Walo Lüönd ist ein Volksschauspieler, gemeint ist wohl eher der renommierte Journalist Karl.

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  2. oh, welch peinlicher verschreiber. – danke für den hinweis. ist korrigiert.

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