29. April 2010

kindsmissbrauch: diözese regensburg mahnt blogger ab



der papst himself hat ein xxxl-stossgebet gen himmel geschickt. möge der herr einen neuen vulkan schicken, auf dass die unschicklichen vorkommnisse aus den medien verdammet seien auf ewig.

und zeus schickte den griechen den pleitegeier. was ganz resteuropa aus der fassung bringt und die pfaffen aus der schusslinie nimmt.

so geht das – im himmel.

und im netz geht es so:

die diöszese regensburg mahnt einen blogger ab (2'500€), er möge bei strafe von 250'000€ eine für die kirche ungünstige aussage in einem missbrauchsfall unterlassen – siehe video oben. der blogger stellt die abmahnung ins netz, erhält innert tagen spenden von 10'000€ und kann damit die abmahnung anfechten.

gut so.

via rivva
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24. April 2010

homerekords: geili güggle


züri west haben 25 jahre nach ihrer ersten veröffentlichung in alten demos gestöbert:

Eine feine Auswahl von 16 unveröffentlichten Songs und schmissigen Demos, alternativen Versionen und halben Hits. Ausgewählt, editiert und zusammengestellt im U3 und im Besconi (3011 und 3027 Bern), gemischt und gemastert von Oli Bösch im Livingroomstudio in 3032 Hinterkappelen und im U3. Exekution: Stefan Mischler & Hans Schneeberger. Auf CD erschienen am 23. April 2010 bei den Firmen Weltrekords und Sound Service in Bern (3011) und Gümligen (3073).

ein wurf – finde ich schon nach dem ersten mal hören. nebst allen anderen qualitäten bleiben die züris the most groovy swiss rock band zwischen palermo und amsterdam.

passend zu titel und intention des albums bietet die band 9 demos zum download an, ohne stimme, dafür mit der aufforderung:

Lade unsere Demos runter und bastle dein eigenes Züri West Demotape! Besinge es, spiel was drauf, schneid dran rum und schicks zurück! Wir werden die Songs hier veröffentlichen.

gesammelt und publiziert werden die resultate dann bei soundcloud. da darf man gespannt sein.
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wenn ich überall bin



sehr schön gemacht.

siehe auch artikel Wo bin ich, wenn ich überall bin? bei der taz

via rivva
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20. April 2010

19. April 2010

das crossmediale schweigen hinter der aschewolke



die aufregung um die flugasche könnte noch etwas länger andauern. und zwar so lange, dass alle anderen probleme entweder plötzlich ganz harmlos aussehen oder definitiv eskalieren. warum sagen die leitmedien dazu nichts?

immerhin lautet der tenor der vulkanologen übereinstimmend, dass es durchaus noch dicker kommen könnte, v.a. dann, wenn der um 20x grössere nachbarvulkan auch noch hochgeht (was er bisher immer getan hat).

was dann?

mit dieser frage hat sich bisher – am vierten tag des groundings – noch quasi kein leitmedium befasst.

alle kanäle sind voll von aktuellen statusmeldungen über sitzengebliebene touristen, die irrfahrt der kanzlerin und andere boulevardeske nichtigkeiten. über die simple vermeldung von verlusten der airlineindustrie kommt man nicht hinaus. kein wort zu den nachgelagerten industrien, kein wort zu den generellen konsequenzen für die wirtschaft, die politik, den warenfluss, die post, den tourismus, den welthandel, das grosse ganze.

das szenario eines auf monate oder jahre gegroundeten europäischen flugnetzes wird auf jeden fall sehr viel hektischer, als eh schon alles ist. vielleicht so hektisch, dass sich die medien, die politiker und die wirtschaftsführer erstmal aus der schockstarre strampeln müssen, bevor sie sich zu solchen aussichten äussern können.

keine ahnung, was dieses seltsame crossmediale ausklammern eines zumindest in reichweite liegenden supergrounding's bedeutet. aber ein paar relevante beiträge über die luxusprobleme von sitzengebliebenen mallorcatouristen hinaus hätte ich jetzt von den leitmedien einfach mal erwartet.

manfred messmer, (der älteste re:publica teilnehmer 2010 ;-) hat z.b. in seinem blog schon mal eine hochinteressante frage gestellt, von der ich in den leitmedien noch kein wort gelesen oder gehört habe:
Hat mal jemand davon gehört, dass auch die Militärjets aschegegroundet in ihren Hangars stehen? Ist es tatsächlich möglich, dass der gesamte nordeuropäische Luftraum seit zwei Tagen ohne Fliegerschutzschild friedlich vor sich hindöst?
ganz spontan kommen mir locker noch ein paar themen in den sinn, mit denen sich z.b. die sonntagspresse von gestern hätte befassen können:

• wie verkraftet das finanziell gebeutelte griechenland eine sommersaison ohne flugverkehr? die gleiche frage dürfte für portugal und spanien relevant sein.
• wie geht das mit der post ohne flugis?
• welche airlines halten ein solches grounding wie lange durch und wie?
• wie gehen politiker ihren regierungsgeschäften nach, wenn sie nicht mehr fliegen können? und wie die wirtschaft?
• wie reagieren die banker, wenn sie nicht nur ein neues superfiasko zu handeln haben, sondern auch keinen frisch eingeflogenen hummer mehr auf dem teller?

weitere fragen, die noch keiner gestellt hat?
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14. April 2010

verlegerblues #3: neininger fordert "linksetzung nur auf anfrage"


zuerst habe ich gedacht es ist ein witz. ist es aber nicht, er meint es ernst.

norbert neininger, chefredaktor und verleger der schaffhauser nachrichten und mitglied des präsidiums im verband schweizer presse, dort zuständig für das departement publizisitk, findet es den "richtigen weg (die rückkehr der vernunft)", dass man das setzen von links auf webseiten nur noch auf anfrage zulassen sollte.

wie bitte?

...?

da bleibt mir doch glatt die sprache weg. aber sowas von.

man muss es einmal deutsch und deutlich sagen:

mit solchen und ähnlich abstrusen positionen überleben die blätter dieser herren keine 3 jahre mehr. verleger mit dieser denke haben in der medienlandschaft von morgen nichts mehr verloren.

die totale verkennung der neuen medienrealitäten ist das eine, die schamlose doppelzüngigkeit des herrn chefpublizisten neininger das andere: wie kann man eine "linksetzung nur auf anfrage" fordern und gleichzeitig in seinem blogheader "freiheit für andersdenkende" fordern? für viel dümmer kann man seine leser nicht mehr verkaufen.

das ist genau die art wischiwaschi, für die in der medienlandschaft von morgen niemand mehr einen rappen bezahlen wird. und das ist gut so.

wie lange der verband schweizer presse einen solch kruden medienfundi noch als chefpublizisten halten kann, bleibt abzuwarten.

ts...
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13. April 2010

ein novum: ubs setzt adwords als pr-kanal ein


die ubs hat morgen eine delikate generalversammlung. vermutlich die delikateste in ihrer geschichte.

um für dieses event bei den aktionären gute stimmung zu machen, hat die bank gestern einen vorsteuergewinn von 2.5 milliarden für das erste quartal 2010 in aussicht gestellt. im quartal vorher waren es noch 888 millionen.

dieser gewinn ist denn auch der wichtigste trumpf an der gv von morgen. vielleicht ist es auch der einzige. darum wird er wohl auf allen pr-kanälen ausgerufen.

die grossbank wirbt sogar mit google adwords dafür. bei jeder suchanfrage mit dem keyword "ubs" erscheint dieses "inserat":



ein klick auf den link führt zur ubs-newsseite, wo die gewinnwarnung ganz oben steht.

das ist ein novum in der schweizer pr-szene – zumindest hab ich das in dieser form noch von keiner anderen grossfirma gesehen. adwords zu einem pr-kanal zu machen ist keine schlechte idee. die grossbank stellt damit sicher, dass sie bei google mit ihrer "guten nachricht" immer ganz oben steht.

ob diese schlaumeierei allerdings zu einen meinungswandel bei den aktionären beitragen kann, bezweifle ich. ob es für die stimmung bei den kunden (und im volk) etwas bringt, ebenso. gut möglich, dass es für viele menschen zu aufdringlich wirkt. ganz abgesehen davon, dass google schon an vierter stelle die news-ergebnisse anzeigt, die dann eher wieder bad news sind (siehe bild ganz oben, anklicken zum vergrössern). in diesem kontext wirkt die ubs-anzeige dann doch etwas arg defensiv.

aber die idee bleibt clever. da könnten sich ngo's oder parteien ein scheibe abschneiden. so erscheint z.b. beim suchwort "sozialstaat" gar keine anzeige. ergo wäre das entsprechende keyword billig zu haben.

oder was meinen sie, frau sprecher?

ps: ach ja, auf die ubs-adwords aufmerksam geworden bin ich, weil ich zur einstimmung auf die morgige ubs gv das video mit der besten je gehaltenen rede an einer ubs gv wiedermal zeigen wollte (und es via google bei youtube gesucht hatte).

voilà:



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12. April 2010

frau sprecher spricht pr-sprech

10vor10 vom 07.04.2010

öhm... – ich hätte zum neuen parteiprogramm der sp auch noch eine anmerkung. na ja, eigentlich mehr zu frau sprecher, der neuen kampagnenleiterin der sp (toller name übrigens für diese position).

sie sagte bei 10vor10 auf die frage, ob die sp ein image problem habe (siehe oben, ab 2:55):
"es ist mehr ein marketingproblem und nicht ein imageproblem."
dann sagt sie als argumentativen unterbau zu diesem schwurbelsatz kurz was zu den neuen, dynamischen und profilierten sp-köpfen, und dann kommt's:
"(...) das image, das man wahrnimmt, hinkt immer ein wenig der realität hintendrein, und es ist jetzt unsere aufgabe, unser image dem anzupassen, was wir wirklich sind."
wie jetzt? haben sie nun ein imageproblem oder nicht? wenn sie keins haben, gibt es auch nichts anzupassen, möchte man meinen. wenn sie doch eins haben, warum sagt sie dann, sie hätten keins?

wie auch immer – die aussage, das wahrgenommene image hinke IMMER ein wenig der realität hintendrein, ist natürlich mumpitz. auf die svp trifft das z.b. überhaupt nicht zu, da sind image und realität ein herz und eine seele.

das image der sp dagegen ist, neben dem der fdp, das wohl ramponierteste überhaupt in der schweizer parteienlandschaft. hier einfach mal flugs das gegenteil zu behaupten, ist nicht nur billigster pr-sprech (und fachlich total daneben), sondern zeigt auch exemplarisch das problem der sp – die inhalte.

ohne resonanzfähige inhalte nützt aber auch das beste marketing nichts, sagt peter kruse.
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miriam meckel: die mediendomina als burn-out-veteranin

miriam meckel ist professorin für corporate communications und geschäftsführende direktorin am institut für medien- und kommunikationsmanagement der universität st. gallen. man fragt sich langsam ernsthaft: warum eigentlich?

2007 hat sie ein buch herausgegeben, das sich unter dem titel "das glück der unerreichbarkeit" mit dem informations overload befasst. was aber nicht verhindern konnte, dass sie selbst in einen burnout lief und sich in einer klinik behandeln lassen musste.

auch darüber hat frau meckel ein buch geschrieben. ich habe es nicht gelesen und werde es  nicht lesen, genausowenig wie ein anderes der hunderten von betroffenheitsbüchern zum gleichen thema. igitt.

ich frage mich allerdings, wie glaubwürdig es ist, zuerst ein buch zu schreiben, in dem man das "glück der unerreichbarkeit" proklamiert, um dann als nächstes directly in einen burnout reinzulaufen. aber damit nicht genug: noch in der klinik schreibt sie flugs ein weiteres buch – über ihren burnout. das sie ein paar monate später mit etlichen auftritten in funk und fernsehen bewirbt. die gute ist nicht zu (s)toppen.

in diesen tagen hat sie sich für ein halbes jahr in die usa verabschiedet. nicht etwa um sich von ihrem burn-out zu erholen, sondern um in harvard über die entwicklung des internets zu forschen. wie bitte? da kommt man aus dem grübeln gar nicht mehr heraus. wie kann jemand die entwicklung des internets erforschen, der nicht zuletzt an diesem internet so grandios gescheitert ist?

in ihrem blog, das ich schon im oktober 2008 sehr kritisch gewürdigt hatte, kündigt frau meckel nun eine digitale diät an. abgesehen von dieser reichlich trivialen und eher untauglichen metapher spricht sie von "einer phase der konzentrierten kontemplation" und von "digitaler abstinenz". sie bebildert diesen blogpost mit einem tv-testbild, in dem "log out" steht. unter der rubrik aktuell gibt es einen link zum ende des internets, einer jener seiten, die bei netzphobikern schon vor 10 jahren furore gemacht hatten. frau meckel entschied sich sinnigerweise für onlinewahn.de.

wie sie diese digitale diät mit dem erforschen des internets in einklang bringen will, ist mir ein rätsel und bleibt bis zum nächsten buch ihr geheimnis. überhaupt, das forschungsprojekt in harvard erwähnt sie in ihrem blog mit keinem wort. stattdessen kündigt sie kurzerhand die quasi-schliessung des selben an. vielleicht wird sie wiedermal was reinschreiben, womöglich auch nicht.

hm... blog zumachen und nach harvard abdüsen wegen internetforschung? ist da nicht irgendwas verkehrt? frau meckel kann in der klinik ein buch über ihren burnout schreiben, aber in ihrem forschungssemester (immerhin IN HARVARD) glaubt sie nichts zu bloggen zu haben?

dazu muss man wissen: das blog der frau professorin wird vornehmlich (wenn nicht ausschliesslich) von ihren studenten gelesen, die dort jeweils hunderte von kommentaren hinterlassen und zu fast allem, was frau meckel bloggt, lange debatten führen (an denen frau meckel kaum teilnimmt).

in ihrem post, in dem sie jetzt die vorläufige einstellung des blogs verkündet, kommen diese studenten NICHT vor. es gibt kein einziges wort des dankes für das engagierte mitdiskutieren. es gibt keine mitteilung darüber, dass sie jetzt ein halbes jahr nicht mehr an der uni st. gallen ist, sondern an der von harvard. es gibt kein merci, keine wünsche fürs weitere studium, kein tschüss,  – ganz so, als wären ihre leser gar nicht vorhanden.

das gleiche bild findet sich in ihrem twitter account. auch dort pflegt sie de facto einen einwegkanal, sie folgt gerade mal 9 leuten (hat über 2'000 follower). frau meckel erzählt jedoch in talkshows gerne rum, dass sie selbstverständlich auch twittere, das gehöre für sie ja berufshalber dazu. was frau meckel da tut, nenne ich aber nicht "twittern". die links, die sie da postet, wären bei delicious oder dergl. besser versorgt, und mit ihren 9 followern hat sie die (interaktive) magie von twitter noch nicht mal in ansätzen erfahren.

für eine professorin in kommunikation ist mir das zu wenig – und zu wirr. wer seine rezipienten so konsequent ignoriert, hat etwas grundlegendes der kommunikation nicht begriffen – den rezipienten.

in dieses horn stösst auch die süddeutzsche zeitung, sie betitelt ihre rezension mit "frau nimmersatt und ihr burn-out" und zeichnet das rastlose und ehrgeizige leben der frau meckel nach. die rede ist von gier, geschwindigkeitsrausch, ich-bezogenheit und weiteren charakterzügen aus dem showbiz.

henusode. – frau meckel darf natürlich weiter rumirrlichtern, das ist ja alles erlaubt. nur bin ich etwas besorgt über die studis in st. gallen, insbesondere über deren ausbildung in diesem communication dings. und ich werde in zukunft forschungsergebnisse aus harvard betr. internetz strikt überlesen.

ferner stellt sich die frage, ob so eine doppelbödige, selbstverliebte und blutleere ich-ag in lehre und forschung überhaupt etwas zu suchen hat. ich finde nicht.

ps: die im titel verwendeten begriffe "mediendomina" und "burn-out-veteranin" stammen von harald schmidt.
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6. April 2010

17 minuten krieg



ist zwar überall zu sehen, aber für dieses video gibts gar nicht genug kanäle.

wikileaks hat das verschlüsselte video der us army entschlüsselt und veröffentlicht. mehr dazu bei SpOn. mehr zu wikileaks bei wikipedia.
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verlegerblues #2: reinfall am rheinfall

ich vermute, herr chefredaktor neininger hat meine sozialstudie zum allgemeinen verlegerblues tatsächlich gelesen. sicher bin ich zwar nicht, er sagt ja nichts genaues.

jedenfalls erklärt er in einem von seinen vier (!) sonntagspostings von gestern, wie seine "presseschau" nun wirklich zu verstehen ist:

Das Lesen der Sonntagszeitungen ist für einen Chefredaktor Pflicht, die Hinweise auf die (aus meiner Sicht) herausragenden Beiträge Kür. Da darf der Leser, wie er sicher schon bemerkt hat, nicht all zu viel erwarten: Keine eigentliche Blattkritik sondern eine Ermutigung, die Zeitungen selber zu erwerben und sich ihnen zu widmen.

ah ja, eine kür... von der man nicht "all zu viel erwarten" darf. soweit ich das beim springreiten oder beim eiskunstlaufen verstanden habe, ist eine kür normalerweise eine veranstaltung, an die man ganz besonders hohe erwartungen zu haben hat. aber gut, wir können das auch streichen. erwartungen sind ja eh irgendwie das letzte.

verleger neininger widmet sich natürlich auch dem launch des iPad und kommt schon im dritten satz auf den punkt:

Die spannende Frage bleibt, wie das Geschäftsmodell aussehen wird, daran arbeiten Verleger in aller Welt und ganz besonders intensiv auch die Schweizer Medienhäuser.

dass sie daran arbeiten, hat man schon munkeln gehört, aber dass sie hier "ganz besonders intensiv" an ihren neuen geschäftsmodellen arbeiten, also quasi intensiver als anderswo, hätte ich jetzt nicht gedacht. vermutlich war das bisher alles streng geheim und ausser mir hat diese super exklusive enthüllung in neiningers blog noch keiner bemerkt. ich glaube auch nicht, dass das eine blogente ist, denn immerhin ist herr neininger Mitglied des Präsidiums des Verbands der Schweizer Presse, Departement Publizistik, da muss er solche sachen logischerweise aus erster hand wissen.

allerdings weckt herr neininger schon im nächsten satz zweifel, ob die verlegerzunft wirklich an einer lösung arbeitet oder einfach nur aus vollen rohren zetermordio schreit:

Eines jedenfalls ist gewiss: Das Ende der Gratisinformation und auch das Ende der Urheberrechtsmissachtung – etwa durch Google – naht. Und damit auch die Rückkehr der Vernunft.

ich tippe mal auf zetermordio. denn gewiss ist in sachen internet eigentlich fast gar nichts. ausser vielleicht, dass sich das zeitalter der gratisinformation gerade eben richtig warmgelaufen hat.

was die urheberrechtsmissachtung von google betrifft, fehlt mir hier die unschuldsvermutung. google wurde meines wissens bisher weder angeklagt noch verurteilt.

rückkehr der vernunft? was immer er damit meint, bei mir kommt es so an: wir haben keine ahnung, was abgeht.

schliesslich kommt verleger neininger auch noch auf meinen scherz in sachen intelligenzblatt zu sprechen:

PS: Und weil die Scherze in den Kommentaren über den Untertitel unserer Schaffhauser Nachrichten („Schaffhauser Intelligenzblatt“) zunehmen, hier ein Satz dazu: Es ist ein Zeichen von Intelligenz, wenn man weiss, dass Intelligenz in diesem Zusammenhang von Nachricht kommt. Darum heisst der entsprechende Nachrichtendienst ja auch Intelligence Service.

daraus folgern wir: es sind alle menschen zu wenig intelligent, die den zusammenhang von schaffhauser intelligenzblatt und dem secret intelligence service nicht auf anhieb kapieren. ich nenne das eine verkappte leserbeschimpfung.

wie klug es im übrigen ist, eine zeitungsmarke in der nähe eines geheimdienstes zu positionieren, ist keine frage – es ist sehr sehr unklug. denn das wesen einer zeitung besteht in erster linie aus der schaffung von transparenz und das wesen eines geheimdienstes besteht aus dem geheimen an und für sich – widersprüchlicher könnten diese zwei positionen nicht sein.

noch selten habe ich einen solch kruden semantischen spagat gesehen.

was für ein reinfall am rheinfall.
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2. April 2010

neue perspektiven für musiker


die musikindustrie wird gerade vom internet wegrationalisiert. in ein paar jahren wird nur noch wenig übrig bleiben davon, vorwiegend im live bereich. der rest wird abgelöst werden durch dezentrale, aber hochvernetzte und effiziente internetstrukturen, in denen die industrie eine weit kleinere rolle spielen wird als bisher.

was das für musiker bedeutet (neue perspektiven, neues berufsbild), zeigt die dokumentation rockthe.biz:

Die Idee zur Dokumentation „rockthe.biz“ entstand aus der jahrelangen Arbeit des Initiators Marc Weissenberger, der seit acht Jahren die erfolgreiche, unabhängige Newcomer Sendung „Local Heroes Radio“ auf Radio Darmstadt betreibt. Im Zuge dieser kontinuierlichen Arbeit stellte sich heraus, dass sich neben dem Mainstream-Musikgeschäft eine innovative, erfolgreiche, kreative, starke und individuelle Alternative in ganz Europa entwickelt hat.

Es gibt wieder Independent-Magazine, Events, hoch interessante Labels und Plattformen, die aus eigener Kraft Auftritte, CD-Rezensionen, Musikvertriebswege etc. kreieren und gezielt mit entsprechend offenen Medien arbeiten.

Ziel der Dokumentation „rockthe.biz“ ist die Darstellung der europaweit agierenden Künstler, Labels, Events und Plattformen. Dabei sollen die Künstler ihre Erfahrungen und Meinungen mitteilen und anderen Künstlern eine Perspektive bieten.


bitte hierlang.
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1. April 2010

kein aprilscherz: der verlegerblues


zeitungsverleger haben es momentan gar nicht leicht. ihr altes und einstmals lukratives geschäftsmodell bricht langsam weg, ein neues ist aber noch nicht erfunden. die ratlosigkeit und verzweiflung ist entsprechend gross und nicht mehr zu übersehen.

andrea masüger, publizistischer direktor der südostschweiz mediengruppe, wird momentan nicht nur von roger schawinski drangsaliert, sondern auch noch vom internet. er steigt beim medienspiegel folgendermassen in den aktuellen verlegerblues ein:

"Ich habe mir in letzter Zeit die Mühe genommen, die ins Kraut schiessenden Studien, Aufsätze, Betrachtungen und Analysen zur Zukunft der Zeitungen bzw. des publizierten Wortes ein bisschen näher anzuschauen. Es ist entsetzlich, welcher schönklingende Müll uns da entgegenschwappt."

merkwürdig ist schon mal das "in letzter zeit die mühe genommen". müssen wir daraus folgern, dass herr masüger sich wirklich erst in letzter zeit mit dem netz beschäftigt hat? und warum ist die beschäftigung mit dem grössten strukturwandel in seiner branche für einen chefpublizisten eine mühe? sollte das nicht eher eine leidenschaftliche herausforderung sein?

mit studien war es ja schon immer so eine sache und mit web 2.0 studien erst recht, da haben halt erst wenige experten einen überblick. man wird aber den verdacht nicht los, dass herr masüger neben aufsätze lesen und "ein bisschen" studien anschauen nicht viel mehr unternommen hat. vor allem das wichtigste nicht, nämlich das web 2.0 selber anfassen und ausprobieren.

hätte er das getan, würde er seinen aufsatz kaum mit dem unmöglichen titel "gratis wird endlich out" versehen und auch nicht von "nutzlosen theorien" schreiben. gratis-content ist für eine ganze generation nichts anderes als praktizierte realität (nicht nur in den tauschbörsen, sondern z.b. auch  bei wikipedia) und wird in zukunft für neue geschäftsmodelle eine grosse bedeutung haben. wer diese unübersehbare und nicht aufzuhaltende entwicklung in dieser weise negiert, hat irgendwie seine hausaufgaben nicht gemacht.

herr masüger macht sich auch sorgen um die zukunft des publizierten wortes. dabei verkennt er nicht nur, dass noch nie so viele worte publiziert worden sind wie jetzt gerade im internet, die meisten davon erst noch gratis (allein ca. 10 mio. artikel bei wikipedia). er übersieht darüberhinaus in seiner funktion als chefpublizist, dass medienhäuser in zukunft nicht mehr nur worte, sondern inhalte in einem weiteren sinn publizieren werden, also auch video und audio, und, oh schreck, user generated content.

chefpublizist masüger moniert ferner das fehlen eines geeigneten bezahlstandards für seine online-zeitungen. da hat er ja sicher nicht unrecht, ein solcher ist momentan nicht in sicht. allerdings muss man dieses manko zunächst als versagen der verleger selbst bewerten – wer sonst soll sich sonst darum kümmern? – und nicht einfach dem bösen internet in die schuhe schieben. es ist ja eine realsatire der ganz besonderen art, dass flattr, eines der derzeit meistdiskutierten bezahl-modelle für kontent produzenten, ausgerechnet von pirate-bay-mitgründer peter sunde erfunden worden ist. könnte es sein, dass herr masüger & co. ganz einfach den falschen beratern zuhören?

einer von chefpublizist masüger's leidensgenossen ist norbert neininger, verleger und chefredaktor der schaffhauser nachrichten, die sich allen ernstes als "schaffhauser intelligenzblatt" bezeichnen. er hat das web 2.0 löblicherweise hchst persönlich angefasst – er führt ein blog und twittert.

allerdings ist sein publizistisches blogkonzept auch nach einem ganzen jahr (!) noch etwas arg in der schwebe. es besteht vorwiegend aus hunderten von abfotografierten zeitungsseiten aus der sonntagspresse der letzten 14 monate, die er grösstenteils unkommentiert ins netz stellt. seit einem guten jahr tut er das beharrlich sonntag für sonntag, gut 95% seines blog kontents bestehen aus diesen abfotografierten zeitungsseiten, es sind mittlerweile hunderte. was man als leser damit genau anfangen soll, bleibt unklar. auf entsprechende nachfrage via kommentar reagiert herr neininger nicht und eine kontakt-email-adresse sucht man sowohl in seinem blog wie auch in seinem intelligenzblatt vergebens.

da fehlt mir für einen chefredaktor und verleger doch ein wenig der publizistische ehrgeiz. es ist zwar lobenswert, dass herr neininger es wenigstens probiert hat, aber ein lernprozess hat in diesem jahr bloggen leider (noch) nicht stattgefunden. er hat nicht nur den rückkanal nicht begriffen, sondern er schafft sogar noch einen höchst merkwürdigen haltungsspagat: neiniger gehört als Mitglied des Präsidiums des Verbands der Schweizer Presse, Departement Publizistik zur wir-wollen-geld-von-google-fraktion – selber veröffentlicht er aber in seinem blog hunderte von abfotografierten zeitungsseiten aus fremden verlagen, und zwar mit quasi null eigener schöpfungshöhe.

so weit so schlecht.

man wagt sich gar nicht zu fragen, ob die herren verleger vielleicht eventuell schon mitbekommen haben, was beispielsweise in sachen app's gerade für ein ding am anlaufen ist. ob sie allenfalls selbst ein iphone benutzen und vielleicht schon mal die eine oder andere app ausprobiert haben. eventuell sogar eine dieser neuartigen geo-app's, von denen es auch überall heisst, sie würden alles auf den kopf stellen.

vermutlich haben sie auch das ausgelassen, vermutlich verstehen die verleger auch in sachen app's nur bahnhof. sie sollten sich ein beispiel an den taxifahrern nehmen.

warum führungskräfte mit disruptiven technologien im allgemeinen und mit dem internet im speziellen so viel mühe haben, beschreibt andreas göldi hier bei netzwertig.com, und martin weigert widmet sich dem thema an gleicher stelle anhand einiger aktueller beispiele.
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